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Ackerwildkrautpreis 2020 verliehen: Landwirte in Oberfranken ausgezeichnet!

Blütenvielfalt auf dem Acker: In der heutigen Landwirtschaft sind Äcker meist unkrautfrei. Sie wirken dadurch steril und bieten keine Lebensräume für Insekten und Pflanzen. Es geht aber auch anders. 27 Landwirtinnen und Landwirte aus Oberfranken nahmen dazu am diesjährigen Ackerwildkraut-Wettbewerb teil. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL), die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Bioland und der BUND Naturschutz in Bayern (BN) würdigten die Gewinner aus den Landkreisen Forchheim, Lichtenfels und Bamberg, die zeigen, wie vielfältig Äcker in Oberfranken sein können.

Ackerwildkräuter in Triticale - Erbse Foto: Otto Elsner

Die PreisträgerInnen mit Gratulanten: Dr. Annette Freibauer (Institutsleiterin für ökologischen Landbau, LfL), Barbara Poneleit (stellv. Landrätin), Susanne Teuchgräber, (1. Platz konv. Landwirtschaft), Axel Schauder (BN-KG Forchheim), Markus Haslbeck (1. Platz ökol. Landwirtschaft), Katharina Schertler (Bioland verdeckt), Thomas Engel (Regierungsvizepräsident), Irene Weiß (2. Platz ökol. Landwirtschaft), Dr. Franziska Mayer (LfL), Rainer Molitor (2. Platz konv. Landwirtsch), Maike Fischer (Projektleiterin DVL) Foto: Marion Ruppaner

16.09.2020

Wildkrautreiche Äcker sind bei angepasstem Management Naturschätze, in denen sich unzählige Insekten und andere Tiere tummeln. Sie können sogar selten gewordene oder vom Aussterben bedrohte Ackerwildkräuter beherbergen, die für den Anbau von Kulturarten meist völlig harmlos sind. Wildkräuter sind zudem wichtige Nahrungslieferanten für unterschiedlichste Insekten, Vögel und andere Tierarten in Agrarlandschaften.

Seltene Ackerwildkrautarten entdeckt

Aus den neun Landkreisen Oberfrankens bewarben sich 27 landwirtschaftliche Betriebe mit ausgewählten Flächen für den Wettbewerb, darunter 23 ökologisch- und vier konventionell wirtschaftende Betriebe. Die Siegeräcker in beiden Kategorien wiesen sogar acht beziehungsweise neun Arten auf, die bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen und in Bayern selten sind.

Sieger in der Kategorie Ökologischer Landbau wurde der Acker von Markus Haslbeck, der in Götzendorf im Landkreis Forchheim in Familientradition die Landwirtschaft weiterführt. Auf dem gemeldeten Winterweizenstandort wurden 27 Ackerwildkrautarten gefunden. Unter den seltenen Arten befand sich sogar der Ackerkohl, der nicht nur in Bayern, sondern mittlerweile in ganz Deutschland vom Aussterben bedroht ist.

 

Auf dem Triticale-Acker von Lothar Teuchgräber, der in Bad Staffelstein im Landkreis Lichtenfels im Nebenerwerb wirtschaftet und den ersten Preis in der Kategorie konventionelle Landwirtschaft erhielt, konnten 28 verschiedene Ackerwildkrautarten in der Triticale gefunden werden. Sehr seltenes Highlight war hier der Kleinfrüchtige Leindotter. Auf dem Acker wirtschaftet Teuchgräber nach den Vorgaben des Vertragsnaturschutzprogramms (VNP) und erhält eine entsprechende Förderung.

Auf den 23 Bioäckern wurden bis zu 33 Ackerwildkrautarten gefunden, auf den Äckern konventioneller Landwirte bis zu 28 Arten. Doch nicht die reine Zahl an Ackerwildkräutern oder deren Seltenheit waren allein entscheidend für die Platzierung. Betriebe, die ohne Förderprogramme ihre gemeldete Fläche ackerwildkraut-freundlich bewirtschaftet haben, wurden mit zusätzlichen Punkten belohnt. Die Veranstalter möchten über diesen Weg insbesondere das freiwillige, unentgeltliche Engagement der Landwirte anerkennen. Bewertet wurde zudem, ob die Arten nur am Rand oder auch im Feldinneren vorkamen, und ob diese besonders konkurrenzschwach gegenüber der Kulturpflanze sind.

Der Ackerwildkraut-Wettbewerb findet 2020 zum vierten Mal in einem der bayerischen Regierungsbezirke statt, nachdem er 2018 in Niederbayern, 2016 in der Oberpfalz und 2014 in Unterfranken ausgetragen wurde.

Honorierung von ackerwildkraut-freundlicher Bewirtschaftung

Mit dem Wettbewerb wollen die beteiligten Verbände Leistungen von Landwirten anerkennen, die ackerwildkraut-freundlich wirtschaften und damit die Vielfalt auf dem Acker fördern. Damit einhergehen muss, dass der Beitrag von Landwirtinnen und Landwirten zum Schutz der Kulturlandschaft und ihrer biologischen Vielfalt auch angemessen finanziell honoriert wird. Daneben soll der Wettbewerb das Interesse der Öffentlichkeit auf die besonders bedrohte Ackerbegleitflora lenken, die nicht nur viele Nahrungsquellen für wichtige Bestäuber und andere Tierarten liefert, sondern durch die Schönheit bunter Äcker auch einen hohen Erholungswert für den Menschen bietet. Landwirtinnen und Landwirte können das gesamte Agrarökosystem fördern, indem sie zum Beispiel auf Pflanzenschutzmittel verzichten oder ihre Äcker mit geringerer Saatstärke bewirtschaften.

Um allerdings auf Pflanzenschutzmittel verzichten oder weite Saatreihen anlegen zu können, muss den Landbewirtschaftenden für den Ertragsverzicht und ihre zusätzliche Arbeit ein finanzieller Ausgleich geboten werden. Das geeignete Fördermittel dazu ist das bayerische Vertragsnaturschutzprogramm (VNP). Landwirte, die Flächen mit einer artenreichen Ackerwildkrautflora bewirtschaften und Interesse an der Teilnahme am VNP haben, können sich an die Untere Naturschutzbehörde ihres Landratsamtes wenden.

Für Rückfragen:

Marion Ruppaner, BUND Naturschutz, Tel.: 0911/81878-20; marion.ruppaner@bund-naturschutz.de
Maike Fischer, DVL, Tel.: 0981/1800 99-23; m.fischer@lpv.de
Franziska Mayer, LfL, Tel.: 08161/8640-5821, Franziska.Mayer@lfl.bayern.de
Katharina Schertler, Bioland Bayern, Tel.: 0821/34680-121; Katharina.Schertler@bioland.de

Gefördert vom Bayerischen Naturschutzfonds aus Mitteln der GlücksSpirale, der Regierung von Oberfranken aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz und dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Anlage

Die Teilnehmer des Wettbewerbs und die Ackerwildkräuter

Von den 27 landwirtschaftlichen Betrieben stammen fünf aus dem Landkreis Bamberg, jeweils vier aus den Landkreisen Bayreuth, Hof, Kronach und Lichtenfels, sowie je zwei aus den Landkreisen Forchheim und Wunsiedel und je einer aus den Landkreisen Coburg und Kulmbach.

Die Preisträger

Der erste Preis in der Kategorie Ökolandbau ging an Markus Haslbeck, Bioland-Landwirt aus Götzendorf im Landkreis Forchheim. Auf dem Winterweizenstandort wurden nicht nur 27 Ackerwildkräuter gefunden, sondern davon auch acht gefährdete Arten: u.a. Ackerkohl, Acker-Haftdolde und Blauer Gauchheil.

Den ersten Preis in der Kategorie konventionell wirtschaftende Betriebe erhielt Lothar Teuchgräber, der in Bad Staffelstein im Landkreis Lichtenfels im Nebenerwerb wirtschaftet. Auf seinem Triticale-Acker konnten 28 verschiedene Ackerwildkrautarten gefunden werden, darunter z.B. das gefährdete Sommer-Adonisröschen, der Acker-Rittersporn und die Ackerröte. Dieser Acker wird im Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) gefördert.

Als ersten Preis erhielten die beiden je einen Gutschein für einen Aufenthalt im Biohotel im Wert von 300 €.

Die beiden zweiten Preise, Gutscheine für einen Aufenthalt im Biohotel im Wert von 200 €, gingen an Irene und Otto Weiß aus Königsfeld (Ökolandbau) und Rainer Molitor aus Kemmern (konventionell), beide Landkreis Bamberg. Auf dem Winterroggenacker von Familie Weiß wurde beispielsweise der Acker-Hahnenfuß und der Ackerzahntrost gefunden, im Winterroggen von Rainer Molitor das Acker-Filzkraut und der Saat-Mohn.

Fünf dritte Preise, Spezialitäten-Körbe aus der Region, gingen an Christian Schlick (Memmelsdorf, Lkr. Bamberg), Alfred Hofmann (Mitwitz, Lkr. Kronach), Marianne Ott (Helmbrechts, Lkr. Hof), Alexander Brückner (Marktrodach, Lkr. Kronach) und Silke und Marc Michel (Rödental, Lkr. Coburg).

Alle übrigen Preisträger erhielten ebenfalls Spezialitäten aus der Region, sowie wie alle Teilnehmenden eine Artenliste ihres Ackers.

Weiterführende Informationen:

Broschüre „Ackerwildkräuter fördern – Infos und Tipps für die landwirtschaftliche Praxis“: Beleuchtet werden dort u.a. die Entstehung der Ackerwildkrautflora und ihre wichtige ökologische Funktion. Die Broschüre bietet auch Tipps, die Landwirten Mut machen sollen, auf einer kleinen Fläche einfach mal zu schauen, was wächst, wenn „nicht gespritzt wird“. Auf der Webseite des BN, siehe unten
 

Infos zu Ackerwildkrautprojekten bei: