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Jagdverbandspräsident Vocke stellt sich gegen Luchs, Wolf und Bär

Prof. Dr. Jürgen Vocke, der Präsident des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), erklärte kürzlich bei einer Veranstaltung in Kulmbach, in Bayern sei kein Platz für Luchse, Wölfe und Bären. Damit konterkariert Vocke die Bemühungen u.a. auch des BUND Naturschutz und seines eigenen Verbandes, den großen Beutegreifern eine Rückkehr in ihre Heimat Bayern zu ermöglichen. Besonders brisant sind Vockes Äußerungen vor dem Hintergrund der illegalen Luchstötungen im Bayerischen Wald.

Foto: zorandim/fotolia.com

24.11.2015

Bei der Veranstaltung in Kulmbach sagte Vocke über Luchse, Wölfe und Bären: „Sie passen einfach nicht in eine derart übernutzte Landschaft mit beispielsweise 144.000 Straßenkilometern.“ Schon jetzt sei die Zahl der Wildunfälle enorm. Mit Luchsen, Wölfen und Bären werde es „so richtig gefährlich“, nicht nur für Schafherden, auch für Menschen. In der „Frankenpost“ und im „Nordbayerischen Kurier“ wird Vocke mit den Worten zitiert: „Wir müssen uns die Frage stellen, ob ein Tier wie der Wolf noch in unsere übernutzte Natur passt,“ und weiter: „Wenn der Wolf in unseren Wäldern wieder heimisch wird, haben wir schlagartig keine Jogger, keine Geocacher und keine Mütter mit Kindern mehr im Wald. Darauf gebe ich Ihnen mein Wort.“

Auf Nachfrage erklärte Vocke, man verfolge die Rückkehr von Wolf und Luchs nach Bayern im BJV mit Interesse und lehne illegale Verfolgungen strikt ab. Allerdings bekräftigte Vocke nochmals, „dass das dicht besiedelte Bayern mit seiner vom Menschen geprägten Kulturlandschaft kaum den richtigen Lebensraum für die großen Beutegreifer mehr bieten kann.“ Man wolle daher die „Rahmenbedingungen für Wild und Jagd“ so gestalten, dass die Rückkehr des Wolfes „nicht zu Verwerfungen“ führe. 

Die Furcht vor dem Wolf zu schüren und leere Wälder zu prophezeien, ist vollkommen überholt und hat keinerlei fachliche Grundlage. Dabei ist der Bayerische Jagdverband ein vom bayerischen Umweltministerium rechtlich „anerkannter Naturschutzverband“. Über die Wildlandstiftung ist der BJV Mitglied in der Trägergemeinschaft Große Beutegreifer, die das Luchsprojekt im Bayerischen Wald unterstützt und Ausgleichszahlungen im Schadensfall ermöglicht. In der Diskussion um die illegalen Tötungen geschützter Tierarten wie dem Luchs hatte sich der BJV von diesen Taten distanziert.

Mit seinen Äußerungen konterkariert der Jagdverbandspräsident nun alle Bemühungen, Luchs, Bär und Wolf die Rückkehr nach Bayern zu ermöglichen. Wie ernst meint es der Jagdverband angesichts dessen mit seinem Engagement für die Rückkehr der großen Beutegreifer nach Bayern? Ist der Jagdverband hier noch glaubwürdig? 

Vockes Erklärungen stehen in klarem Widerspruch zu den Naturschutzgesetzen, denn Luchs, Wolf und Bär sind streng geschützt. Es steht dem Jagdverbandspräsidenten daher auch nicht zu, darüber zu urteilen, ob diese Tiere wieder nach Bayern zurückkehren sollen oder nicht. Besonders brisant sind Vockes Äußerungen vor dem Hintergrund der Luchstötungen im Bayerischen Wald. Die Wilderer könnten sich in ihrem Tun durch Aussagen des BJV-Präsidenten, dass die Arten bei uns keinen Platz hätten, regelrecht ermuntert fühlen.

Im Bayerischen Wald werden seit Jahren immer wieder Luchse illegal getötet. Das Gebiet um den Nationalpark Bayerischer Wald, speziell die Arber-Region, gilt daher als „Bermudadreieck für Luchse“. Die schönen Katzen überleben nur im Nationalpark, wandern sie ab, verschwinden sie spurlos. Manche findet man: erschossen, vergiftet, teils zusätzlich verstümmelt. Zuletzt waren es zwei Luchse auf einmal. Ihre abgeschnittenen Vorderpfoten haben die Wilderer absichtlich so in den Wald gelegt, dass man sie finden musste. So waren die Wilderer bereits zuvor zweimal verfahren, als sie die getöteten Luchs nahe an Waldwegen drapiert hatten, womit offensichtlich ein makabres Zeichen gegen die Rückkehr des Luchses gesetzt werden soll.

Aktion: Stoppt die Wilderer, rettet den Luchs

Warum wurde die Luchsin Tessa grausam vergiftet? Warum musste eine andere, trächtige Luchsin durch die Kugel eines Wilderers sterben? Der Luchs kehrt erst seit Kurzem wieder zurück in seine alte Heimat Bayern und schon droht die Wilderei die streng geschützte Tierart hierzulande erneut auszurotten. Das dürfen wir nicht zulassen! Bayern muss Luchsland bleiben. Bitte helfen Sie uns: Stoppt die Wilderer, rettet den Luchs!

Erfahren Sie mehr

Blogbeitrag der Gregor-Louisoder-Stiftung zu den Aussagen des BJV-Präsidenten

„Brandstifter und Panikmacher“: Artikel der Süddeutschen Zeitung zu Vockes Äußerungen