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Massenhaftes Fichtensterben im Frankenwald

BN zeigt Positivbeispiele für Waldumbau und fordert „Aktionsprogramm Frankenwald“ von der Staatsregierung. Fokus muss auf naturnaher Waldverjüngung liegen.

27.07.2022

Vor dem Hintergrund der auf mehreren tausend Hektar abgestorbenen Fichtenwälder im Frankenwald fordert der BUND Naturschutz in Bayern ein „Aktionsprogramm Frankenwald“, um vor allem die Situation in privaten Wäldern zu verbessern. Bei einer Pressefahrt im Landkreis Kronach machte sich der BN zusammen mit Vertreter*innen der Waldbesitzer*innen, der Forstverwaltung und der Bayerischen Staatsforsten ein Bild von den verheerenden Folgen des Waldsterbens im Frankenwald, das vor allem Privatwälder getroffen hat.

„Wir fordern von der Staatsregierung den Fokus neben der Wiederbewaldung der Kahlflächen vor allem auf eine naturnahe Waldverjüngung der heute noch bestehenden Fichtenwälder zu legen, die leider weitgehend fehlt“, so Richard Mergner, Landesvorsitzender des BN. Ziel muss es sein, die riesigen Kahlflächen zu vermeiden und im Schutz der heutigen Wälder eine neue naturnahe, klimaresiliente Waldgeneration mit Buchen und Weißtannen hochzuziehen. Forstministerin Michaela Kaniber hatte im Frühjahr ein Projekt gestartet, um die Wiederbewaldung der Kahlflächen voranzutreiben. „Wir sehen das als einen Ansatz, der aber nicht ausreicht“, so Mergner. So fordert der BN in einem zehn Punkte umfassenden „Aktionsprogramm Frankenwald“ deutliche Verbesserungen beim Klimaschutz, bei der Waldverjüngung und bei der Bejagung von Reh und Hirsch sowie eine intensivere Beratung der Waldbesitzer durch deutlich mehr Forstpersonal an den Forstämtern.

Fichtenwälder rechtzeitig in naturnahe Mischwälder umbauen

Im Frankenwald stehen die Fichtenwälder angesichts der Klimakrise ebenso wie im benachbarten Thüringer Wald und Fichtelgebirge sowie in anderen Mittelgebirgen Deutschlands vor dem Aus. Deshalb fordert der BUND Naturschutz in Bayern (BN) seit Jahrzehnten einen „Waldumbau“, d.h. eine naturnahe Waldverjüngung im Schutz der heute noch lebenden Wälder. „Die Forstwirtschaft darf sich nicht im reinen Katastrophenmanagement erschöpfen“, so Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BN. „Sie muss mehr Vorsorge betreiben und zu einer vorausschauenden Waldverjüngung kommen, damit solche riesigen Kahlflächen erst gar nicht entstehen. Der BN hat dazu zu Zeiten des Waldsterbens in den 1980er Jahren das Fichtelgebirgsprogramm mit initiiert, welches positive Maßstäbe für einen erfolgreichen Waldumbau gesetzt hat und jetzt endlich vorrangig in den Mittelgebirgen fortgeführt werden muss.“

Christine Neubauer, Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Kronach unterstreicht: „Wir freuen uns, dass es im Landkreis Kronach beispielsweise im staatlichen Forstbetrieb Rothenkirchen und im Privatwald von Christof Körner bei Teuschnitz positive Beispiele für Waldverjüngungen gibt.“ Angesichts der laufenden Katastrophen in den Wäldern fordert der BN ein eigenes Sofortprogramm für besonders gefährdete Waldgebiete. Gleichzeitig fordert er massive Änderungen im Jagdgesetz, um die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Waldumbau zu schaffen.

10 Punkte im „Aktionsprogramm Frankenwald“ für Privatwald:

  1. Mehr Klimaschutz, um Fichtensterben und „Waldsterben 2.0“ einzudämmen
  2. Mehr Waldverjüngung, mit Schwerpunkt auf Naturverjüngung und heimische Baumarten wie Weißtannen, Buchen, Ahorne und in tieferen Lagen Eichen
  3. In allen Jagdgenossenschaften: mehr Beratung der Privatwaldbesitzer und Initiierung von Waldumbauprojekten „Zukunftswald Frankenwald“
  4. Dauerhaft deutlich mehr Personal an den Forstämtern: mindestens 3 Förster*Innen pro Landkreis
  5. Mehr Unterstützung durch die Jagd für eine naturnahe Waldverjüngung
  6. Überprüfung, Kontrolle (Weiserzäune, Traktaufnahmen, körperlicher Nachweis) und ggfs. Anpassung der Abschusspläne für Schalenwild
  7. Waldinventur Frankenwald ab Sommer 2022, um zeitnah Informationen zum Waldzustand zu bekommen, z.B. zu Mischbaumarten, Größe der Kahlflächen, Naturnähe der Waldverjüngung, Verbiss und Abschusszahlen Schalenwild
  8. Öffentliche Tagung „Zukunft Frankenwald“ im Winter 22/23: Diskussion und Veröffentlichung der Waldinventur, Diskussion des weiteren Vorgehens
  9. Bei sogenannten Schadflächen möglichst viel Biomasse und Nährstoffe im Wald belassen: keine Flächenräumung und kein Häckseln auf Haufen
  10. Effektives Borkenkäfermanagement: nur fängische Borkenkäfer-Fichten fällen und abtransportieren