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Tüttensee: Biberteich statt Jauchegrube

Zu viele Nährstoffe von den umliegenden Landwirtschaftsflächen belasteten den Tüttensee vor drei Jahrzehnten – bis der BUND Naturschutz einschritt: Durch Kauf und Pacht von angrenzenden Grundstücken konnte ein großes Feuchtbiotop angelegt werden, das für die Reinigung des Wassers sorgt. Heute fühlt sich hier auch der Biber wieder wohl.

Schlau ausgesucht hat ein Biber im Landkreis Traunstein seinen neuen Siedlungsplatz: Den Hiensdorfer Graben hat er kurz vor der Einmündung in den Tüttensee aufgestaut und ein kleines Waldstück unter Wasser gesetzt. Die Bäume werden wegen der Nässe absterben, wenn der Biber sie nicht vorher umlegt. Doch der Grundstückseigner hat nichts dagegen. Die Fläche gehört dem Bund Naturschutz.

Vor 30 Jahren wäre der Biber naserümpfend weitergezogen. Der Bach führte so viele Güllereste aus seinem Einzugsgebiet mit, dass das Landratsamt das Angeln im Tüttensee verbieten musste und ein Badeverbot kurz bevorstand. Kein schönes Schicksal für den ca. 600 Meter breiten und 16 Meter tiefen See, den manche für einen Meteoritenkrater halten. Es handelt sich aber wohl um einen Toteissee, den uns der Chiemseegletscher bei seinem Rückzug nach der letzten Eiszeit hinterlassen hat.

Mit einer Art Ringkanal sollte das Überdüngungsproblem gelöst – oder besser, in Richtung Chiemsee weitergereicht – werden. Die Kreisgruppe Traunstein des BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN) hatte eine bessere Idee und überzeugte auch die Behörde. 1995 konnte sie eine große Fläche zum Teil langfristig pachten, zum Teil kaufen – darunter auch die besagte Waldfläche –, und ein großes Feuchtbiotop mit Klärteichen anlegen. Nur Baggerarbeiten waren dazu nötig. Schilf und Binsen haben sich in den eingetieften Stellen von selbst eingefunden und reinigen jetzt das Wasser des Hiensdorfer Grabens, bevor es über den Biberdamm in den Tüttensee fließt.


BN pachtet weitere Flächen und übernimmt mit Landschaftspflegeverband die Betreuung

Doch damit waren nicht alle Probleme gelöst. Bei starkem Regen wurden immer noch zu viele Nährstoffe aus den umliegenden Wiesen in den Bach und das Feuchtbiotop hineingespült. Das konnte nur gestoppt werden, wenn das übermäßige Düngen – im Volksmund Odeln genannt – aufhörte. Zum Glück konnte die BN-Kreisgruppe weitere Wiesen am Bach entlang und um die Feuchtfläche herum pachten, darunter auch Streuwiesen. Die notwendige Pflege der übrigen Flächen, zum Beispiel das Mähen des Schilfs in den Klärteichen, übernehmen regelmäßig Kreisgruppe und Landschaftspflegeverband.

So entstand um den Tüttensee herum wieder eine Naturlandschaft mit vielen seltenen Tieren und Pflanzen. Zwei Irisarten, sieben verschiedene Orchideen, Ringelnattern und Kreuzottern, Wasserfrösche und seltene Schmetterlingsarten gehören dazu. Im See wachsen in einem geschützten Bereich Teichrosen.


Wanderweg um den Tüttensee

Der Weg um den Tüttensee herum dauert höchstens eine halbe Stunde und man findet ihn leicht. Wir sind jedoch dem Zulauf gefolgt und nach dem Biberteich weiter auf dem Weg hangaufwärts geblieben. Ungefähr auf halber Hanghöhe zweigt ein Trampelpfad nach rechts ab durch den Wald und quert die anschließende Wiese bis zum nächsten befestigten Fahrweg. Dem folgen wir nach rechts bis zur gegenüberliegenden Hügelkuppe. Von dort aus geht es zwischen Wiesen wieder nach rechts. Einige sind von der Kreisgruppe an einen Biobauern unterverpachtet worden.

Sieht man dann von oben auf das Feuchtbiotop mit den schilfbewachsenen Klärteichen, in dem alles so natürlich ausschaut, als wäre es nie anders gewesen, dann taucht im Kopf doch die Frage auf: Warum muss eigentlich der BN mit seinem Geld und seiner Arbeit den durch Odel der Bauern belasteten Hiensdorfer Graben klären? Wären da nicht die Bauern selber zuständig? Dass es geht, und wie es geht, ist hier zu sehen und kann gerne als Beispiel dienen.

Wir folgen dem Weg an Weiden und Streuobstwiesen vorbei, einen kleinen Hohlweg entlang und durch einen mächtigen Buchenbestand. Haben wir wieder den Seerundweg erreicht, so folgen wir ihm nach links um die Runde abzuschließen. Eine Abkühlung im Strandbad bei passendem Wetter oder eine Stärkung im Strandcafé ist möglich, bevor wir wieder den Parkplatz erreichen.

  • Ausgangspunkt: Wanderparkplatz am Tüttensee (Straße von Grabenstätt nach Traunstein – ab Marwang beschildert)
  • Länge: ca. 4 km
  • Höhenunterschied: gering (ca. 40 m)
  • Wegcharakter: Wald- und Feldwege, Steige
  • Einkehr: Tüttensee, Grabenstätt


Weitere Informationen der Kreisgruppe Traunstein