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Wende beim Waldsterben: Filter für Großfeuerungsanlagen

Das Waldsterben in den 1970er- und 1980er-Jahren gab den Anlass: Die Abgase vieler Kraftwerke schadeten der Natur. Abhilfe schufen Rauchgasentschwefelungsanlagen für Großfeuerungsanlagen.

Fabrikschlot und Baum: Die Großfeuerungsanlagen-Verordnung bannte die Gefahr eines großflächigen Waldsterbens (Foto:Gina Sanders/fotolia.com)
Die Großfeuerungsanlagen-Verordnung bannte die Gefahr des großflächigen Waldsterbens (Foto:Gina Sanders/fotolia.com)

Ziel war es, die Wälder zu retten. Ab 1970 gab es erste Warnungen, dass die SO2-Emissionen Wälder und Gewässer gefährden. Doch erst Ende der 70er Jahre kam es zu einer breiten öffentlichen Diskussion über das „Waldsterben“. Maßgeblich dazu beigetragen haben Bilder und Filme des BUND Naturschutz über die großflächigen Schäden in den Höhenlagen der Mittelgebirge, besonders im Erzgebirge, aber auch im Bayerischen Wald. Als Maßnahme zum Schutz der Wälder trat im Juli 1983 unter der CDU/CSU/FDP-Regierung  die Großfeuerungsanlagenverordnung in Kraft. Seither müssen alle neu zu genehmigenden Kraftwerke Rauchgasentschwefelungsanlagen aufweisen. Altanlagen mussten innerhalb von fünf Jahren nachgerüstet oder stillgelegt werden.

Bilanz der Verordnung für Großfeuerungsanlagen

Ab 1. Juli 1983 wurden nur noch Neuanlagen mit Rauchgeasentschwefelung genehmigt. Von den bestehenden Kraftwerken wurden 90 Prozent nachgerüstet, zehn Prozent stillgelegt. 1988 waren die SO2-Emissionen bereits um 70 Prozent zurückgegangen. 1993 lag der Rückgang bei 90 Prozent. Damit konnte die negative Entwicklung gestoppt werden, die Wälder begannen, sich wieder zu stabilisieren - die Gefahr eines großflächigen Waldsterbens war gebannt.

Dazu kommen weitere positive Effekte.  Atemwegserkrankungen, hauptsächlich bei Kindern, gingen zurück. Außerdem nahm die Zahl der an Bauwerken, Denkmälern, Brücken und Stahlbaukonstruktionen entstehenden Schäden ab. Vom Umweltbundesamt waren allein diese Anfang der 80er Jahre auf jährlich 3 Milliarden DM beziffert worden.

Die Kosten der Rauchgasentschwefelung lagen bei etwa einem Pfennig/KWh. Obwohl die Wirtschaft verheerende Folgen der neuen Regelung an die Wand gemalt hatte, gab es weder Arbeitsplatzverluste noch Betriebsverlagerungen ins Ausland. Im Gegenteil, die deutsche Wirtschaft war in der ersten Hälfte der 80er Jahre, also vor der Rauchgasentschwefelung, durchschnittlich mit 1,0 Prozent gewachsen. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre, also mit dem Inkrafttreten der Rauchgasentschwefelung (GFAVO) stieg sie um durchschnittlich 2,7 Prozent. Von einem „Vernichtungsgesetz für Arbeitsplätze“ konnte also keine Rede sein.

Problem: Von einigen Kreisen wird heute gerne das Waldsterben als „umweltpolitische Hysterie“ dargestellt. Frei nach dem Motto: „Was hatten diese Panikmacher nicht alles prophezeit – dabei steht der Wald heut noch!“ Da auch von Klimaleugnern häufig so argumentiert wird, ist es wichtig, die Kausalität aufzuzeigen: Weil damals umweltpolitisch gehandelt wurde und die Rauchgasentschwefelung – gegen alle Widerstände – durchgesetzt wurde, steht der Wald heute noch!

Politische Bedeutung der Verordnung für Großfeuerungsanlagen

Länger als zehn Jahre hatte die Wirtschaftslobby Schreckensgemälde sondergleichen erstellt, falls eine Rauchgasentschwefelung vorgeschrieben würde. Der Strom würde dadurch so teuer, dass es zu einer Deindustrialisierung Deutschlands käme. Unzählige Firmen müssten ihre Produktion ins Ausland verlegen. Massenarbeitslosigkeit und Elend, wie in den 1920er Jahren, wären die Folge. Und bereitwillig kooperierte damals die Kapitalseite mit der Gewerkschaft, bei der die IG Chemie „vor unabsehbaren Gefahren für die gesamtwirtschafltiche Entwicklung“ warnte.

Auch Teile der Wissenschaft ließen sich damals in diese Zweckpropaganda einbinden. So warnten Wirtschaftsforschungsinstitute ebenfalls vor einem Verlust der Konkurrenzfähigkeit Deutschlands und Arbeitsplatzverlusten. Einzelne Natur- und Forstwissenschaftler wiederum sahen die Ursachen des Waldsterbens "noch nicht eindeutig geklärt" und hielten deshalb schnelles Handeln für falsch.

Fazit

Die Umweltbewegung war in den 1970er Jahren immer stärker geworden. Gleichzeitig galt für sie eine Art "Doppelstrategie". Man engagierte sich außerparlamentarisch, also in den entsprechenden Verbänden und Bürgerinitiativen und ging gleichzeitig den parlamentarischen Weg – als Mitglied in einer der bereits bestehenden Parteien oder man arbeitete mit an der Gründung der Grünen.  Durch das Engagement in den Parteien konnte der wichtige Druck "von außen" wirksam in politisches (parlamentarisches) Handeln umgesetzt werden.