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Ausstieg aus Glyphosat- und Herbizidanwendung in der Landwirtschaft

Das Insektensterben in Bayern muss aufhören. Deshalb fordert der BUND Naturschutz vom neuen bayerischen Kabinett klare Leitplanken für den Glyphosat- und Herbizidausstieg für Bayerns Landwirtschaft. Der Ausstieg aus dem Giftkreislauf in der Landwirtschaft ist machbar und sollte bis 2025 umgesetzt werden, denn das entsprechende Wissen und die Technik liegen vor.

Nicht immer trifft die Spritzung auch die zu spritzende Fläche Foto: Marion Ruppaner, BN

12.04.2018

"Damit Bayerns Heimat nicht den "Insektentod" erleidet, muss Bayern Vorbild für eine bundesweite Ausstiegsstrategie nicht nur aus der Glyphosatanwendung, sondern auch aus dem Giftkreislauf in der Landwirtschaft werden", so Richard Mergner, BN Landesbeauftragter. "Der Ausstieg ist machbar", so Stephan Kreppold, Sprecher des BUND Naturschutz Arbeitskreises Landwirtschaft, "denn das Wissen um die Fruchtfolgegestaltung und die mechanische Bodenbearbeitung, um unerwünschten Aufwuchs am Acker im Griff zu bekommen, liegt vor und muss nur umgesetzt werden."

Der BN fordert von Ministerpräsident Markus Söder und der neuen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber klare Vorgaben, um eine Ausstiegsstrategie aus der Glyphosatanwendung innerhalb von drei Jahren umzusetzen. Das Ziel eines Ausstiegs aus dem Herbizideinsatz sollte bis 2025 umgesetzt werden, denn das entsprechende Wissen und die Technik liegen vor.

Am 16.4.2018 veranstaltet der BN ein Fachsymposium im Kardinal Döpfner Haus in Freising, bei dem auch die praktische Umsetzung eines Ausstiegs erläutert wird, und Abgeordnete des Landwirtschafts- und Umweltausschusses Stellung beziehen.

Daten zum Herbizideinsatz

Der Einsatz von Herbiziden, insbesondere auch des wegen wahrscheinlich krebserregender Wirkung in die Kritik geratenen Totalherbizids Glyphosat, hat zu negativen Auswirkungen auf die Biodiversität geführt.

Deutschlandweit werden im Schnitt etwa 5000 t Glyphosat pro Jahr eingesetzt. Umgerechnet auf die Ackerfläche ergäbe das für Bayern mit 17% der deutschen Ackerfläche einen Anteil von ca. 840 t Wirkstoff. Weitere 10.000 t Herbizidwirkstoffe werden jährlich ausgebracht. Genaue Zahlen zum Einsatz auf Wiesen und Weiden liegen nicht vor. Dort kommt insbesondere Glyphosat zur Einzelpflanzenbekämpfung zum Einsatz. Das Abspritzen von Wiesen zur Neuanlage dürfte nach den Verboten einzelner Molkereien kaum noch stattfinden.

Glyphosat kann jedoch über zugekaufte Futtermittel in die Nahrungsketten gelangen. Insbesondere gentechnisch veränderte Soja, die in großen Mengen als Futtermittel nach Europa importiert wird, kann hohe Glyphosat-Rückstände aufweisen.

Die Zulassung von Glyphosat wurde im Dezember 2017 von der EU- Kommission um 5 Jahre verlängert. Der damalige Agrarminister Schmidt hatte im November der Zulassungsverlängerung entgegen der Haltung des Umweltministeriums zugestimmt. Jetzt bleibt es den einzelnen Mitgliedsstaaten der EU überlassen, weitergehende Verbote erlassen. Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung wird "eine systematischen Minderungsstrategie" angekündigt, um "den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln deutlich einzuschränken, mit dem Ziel, die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden." Gründe für den Ausstieg liegen insbesondere bei den Schäden für die Biodiversität.

Negative Auswirkungen des Herbizideinsatzes

Der Herbizideinsatz hat zu einem Rückgang von Wildpflanzen, insbesondere von konkurrenzschwachen und seltenen Ackerwildkräutern und damit zu einem mangelnden Nahrungsangebot in der Feldflur beigetragen. Die Dezimierung des Blütenangebots betrifft blütenbesuchende und auf Wildkräuter spezialisierte Insekten ganz besonders. In der Folge verlieren dann auch Vögel der Agrarlandschaft, wie Rebhuhn, Grauammer oder Goldammer und Kleinsäuger ihre Nahrungsgrundlage und die Bestände gehen zurück.

Besonders gefährdet sind auch Amphibien, weil sie eine sehr feuchte und durchlässige Haut haben, und deswegen auch Pestizide leichter aufnehmen. Dies kann entweder direkt zum Tod führen, das Immunsystem der Tiere schwächen oder aber die Metamorphose von der Kaulquappe zum erwachsenen Tier stören. Der Zusammenhang mit glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln wurde in mehreren Studien nachgewiesen. Die zunehmende Belastung aquatischer Ökosysteme durch Pflanzenschutzmittel gilt inzwischen als Hauptfaktor für den weltweit zu verzeichnenden Amphibienrückgang.

Pflanzenschutzmittelrückstände aus früheren Anwendung gelangen über das Grundwasser auch in Trinkwassergewinnungsanlagen und sie gefährden Fließgewässer. Rückstände von Glyphosat und seinem Abbauprodukt AMPA finden sich bereits in bayerischen Fließgewässern, wie Altmühl, Main, Donau oder Rott (siehe Anlage).

BN Forderungen

Der BUND Naturschutz fordert einen Ausstieg aus der Glyphosatanwendung innerhalb der nächsten 3 Jahre und einen vollständigen Herbizidverzicht bis 2025. Hierzu braucht es klare Zielsetzungen seitens des Landwirtschafts- und Umweltministeriums, Beratung und schrittweise gesetzliche Verbote.

Schon jetzt gibt es eine Vielzahl moderner mechanischer Verfahren zur Beikrautregulierung, auch kameragestützte digitale Verfahren, die weiterentwickelt werden müssen. Es wird auch eine Umorientierung der landwirtschaftlichen Fruchtfolgen erforderlich sein, um Problemverunkrautungen zu vermeiden. Ebenso muss auf erosionsgefährdeten Standorten der Anbau von Hackfrüchten eingeschränkt werden. Es gibt bereits viele praktikable Lösungen, die endlich zur Umsetzung kommen müssen.

Fachsymposium am 16.4.

Deswegen hatte der BN auch ein Fachsymposium konzipiert, in dem die Dringlichkeit eines Ausstiegs sowie Lösungsstrategien für die Praxis aufgezeigt werden.

Neben dem Präsidenten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt und einem Vertreter des Sachverständigenrates für Umweltfragen kamen auch Politiker*innen zu Wort. Der Bürgermeister der Gemeinde Mals in Südtirol berichtete zum Abschluss über den schwierigen Weg zu einer komplett pestizidfreien Gemeinde.

Das Angebot stieß auf großes Interesse: Über 100 Teilnehmer waren gekommen.

 

Zitat aus dem Koalitionsvertrag vom 7.2.2018

"Wir werden mit einer systematischen Minderungsstrategie den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln deutlich einschränken mit dem Ziel, die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden. Dazu werden wir gemeinsam mit der Landwirtschaft Alternativen im Rahmen einer Ackerbaustrategie entwickeln und u. a. umwelt- und naturverträgliche Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln regeln. Die dazu notwendigen rechtlichen Maßnahmen werden wir in einem EU-konformen Rahmen verankern. (S.142)".

BN Forderungen zum Ausstieg aus der Glyphosatanwendung innerhalb von drei Jahren sowie zum Herbizdausstieg bis 2025

2018:

  • Anwendungsverbot in Naturschutz- und Trinkwasserschutzgebieten, Zonen II und III
  • bei Privatanwendern im häuslichen Bereich und in Gartensiedlungen,
  • im kommunalen Bereich
  • bei der Bahn
  • im Grünland zur Narbenerneuerung
  • zur Sikkation ohne Ausnahmegenehmigung

ab 2019:

  • zur Stoppelbehandlung
  • auch zur Einzelpflanzenbekämpfung im Grünland
  • zur Vorsaatbehandlung bei Mulchsaat

ab 2020:

  • auch zur Vorsaatbehandlung bei Direktsaat

Die Formulierung des Ziels eines "herbizidfreien Ackerbaus" in Bayern bis zum Jahr 2025, auf Basis einer Beratungsoffensive für beikrautreduzierende Fruchtfolgen, für angepasste Bodenbearbeitung und für mechanische Beikrautregulierung.

Daten zum Glyphosateinsatz in Bayern

als Antwort auf eine Anfrage der Abgeordneten Rosi Steinberger (B'90/Die Grünen) in Bayern vom 16.6.2015 finden Sie im Download der Pressemitteilung