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BUND-Bundesvorstand besucht Orte zentraler Erfolge in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld

Am Dienstag 31.07. und Mittwoch 01.08.2018 besucht der Bundesvorstand des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gemeinsam mit dem Landesvorstand des BUND Naturschutz in Bayern (BN) die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld. Die Tour führt zu Orten zentraler Erfolge und wegweisender Projekte von bayern- und bundesweiter Bedeutung.

Mitglieder des BUND-Bundesvorstands und BN-Landesvorstands Foto: Martin Geilhufe

01.08.2018

"Das Rhönschafprojekt - ein gemeinsames Projekt des BUND Naturschutz Bayern und des BUND - ist ein großer Erfolg, weil damit das vor 30 Jahren fast schon ausgestorbene Rhönschaf gerettet werden konnte. Heute ist die typische Schafrasse mit ihrem schwarzen Kopf zum Aushängeschild für das Biosphärenreservat geworden", so Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. "Wir bedauern sehr, dass es zu keinem länderübergreifenden Nationalpark in der Rhön gekommen ist und fordern Ministerpräsidenten Markus Söder und die örtlichen Landtagsabgeordneten auf, das Biosphärenreservat zu einer nationalen Vorbildlandschaft auch für nachhaltige Entwicklung unter Beachtung von Naturschutzzielen fortzuentwickeln." Auch wenn der Steigerwald nach wie vor die geeignetste Region für einen Nationalpark ist, wäre ein Nationalpark Rhön, mit Schwerpunkt in Bayern und einer Teilfläche in Hessen eine ideale Kombination mit dem Biosphärenreservat zur Erhaltung der einmaligen Artenvielfalt der Rhön.

"Das Projekt "Wildsaatenmischung für Biogas" ist ein wegweisendes Gemeinschaftsprojekt, das in einem breiten Bündnis - in dem unter anderem der Bayerische Bauernverband Rhön-Grabfeld und der BUND Naturschutz kooperieren - nachhaltige Energieversorgung, Biotopvernetzung und die Förderung der Biodiversität verbindet", betont Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz.

Sinntal - Biberplattform, Bad Brückenau

Biber sind unsere wichtigsten Verbündeten, um den fortschreitenden Verlust bedrohter Tier- und Pflanzenarten zu verhindern. Keine zweite Tierart schafft anderen Pflanzen und Tierarten so viel Lebensraum. Vom Biber angelegte Feuchtgebiete sind viel artenreicher und kostengünstiger als jedes vom Menschen angelegte Biotop. Dies belegen Untersuchungen in Mittelfranken und Oberbayern, die man ohne weiteres auf alle anderen bayerischen Bezirke übertragen kann. In Zeiten der Klimaerwärmung ist der Wasserrückhalt durch den Biber unverzichtbar.

Im Sinntal im Landkreis Bad Kissingen wurde in den letzten fünfzehn Jahren das Zusammenwirken von Biberaktivitäten und der Beweidung einer Talaue auf ca. 50 Hektar erprobt. Erstmalig sind Biber im Landkreis Bad Kissingen 1995 in größerem Umfang im Bereich westlich des Staatsbades Bad Brückenau in Erscheinung getreten.

Hier wurde das erste großflächige Biberbiotop im Landkreis entwickelt. Aktuell sind ca. 80 Reviere im Landkreis kartiert. Anfängliche Bedenken der Anwohner legten sich schnell und das Gelände hat sich mittlerweile zu einer Oase für viele bedrohte Tierarten entwickelt. Es wird heute für Führungen und Naturerziehung genutzt und ist ein Anziehungspunkt für Naturinteressierte.
Der BUND Naturschutz hat mit Förderung des Bayerischen Naturschutzfonds Flächen erworben. Auch das staatliche Wasserwirtschaftsamt hat hier angekauft.

Ein Stück weiter westlich an der Sinn wurde in einem ehemaligen Problembereich ein Beweidungsprojekt gestartet, bei dem die ehemalige Wiesenbewirtschaftung nun in eine großräumige Beweidung übergegangen ist. Durch diese Form der Nutzung entstehen bei Überschwemmungen wesentlich weniger Probleme, da sich die Tiere immer auf einen trockenen Bereich zurückziehen können.
Dieses Projekt wurde gemeinschaftlich vom Grünlandprojekt, das durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gefördert wurde, und dem BUND Naturschutz in Bad Kissingen im Rahmen der Sinnallianz durchgeführt.

"Die Kooperation von Naturschutz, Wasserwirtschaft und Landwirtschaft ist ein wichtiger Beitrag für die Renaturierung. Es zeigt sich, dass Konflikte durch gemeinsames Management sehr gut zu lösen sind bzw. erst gar nicht entstehen", so Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz.

Wildpark Klaushof, Bad Kissingen

Das Biberfreigehege im kommunalen Wildtierpark Klaushof bei Bad Kissingen ist zusammen mit der "Biber-Wildnis" am Stadtrand von Bad Brückenau zentraler Teil des Projektes "Die Welt des Bibers beobachten und erleben". Es handelt sich um ein landesweit relevantes Informationsangebot zum Thema Biber, Auenrenaturierung und Bibermanagement. Es bringt einer breiten Öffentlichkeit den Biber und sein Wirken im Naturhaushalt näher. Aktuell leben zwei Biber im Wildpark Klaushof. Er wurde im September 2016 eröffnet. Die Tiere können hervorragend beobachtet werden.
Auf einer "Biber-Baustelle" können sich Kinder auf abenteuerliche Weise mit den Besonderheiten des Bibers vertraut machen. Begleitet wird dies durch ein didaktisch attraktiv aufbereitetes Informationsangebot. "Eine derartige Kombination aus beobachtender Freiland- wie aktiver Wildpark-Erlebnismöglichkeiten für Besucher jeden Alters zu einer der Schlüsselarten im Naturschutz ist ein europaweit einmaliges Projekt", so Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. Zur Realisierung hat sich eine Trägergemeinschaft aus BUND Naturschutz, Freunde des Wildparks Klaushof e.V. und dem Landkreis Bad Kissingen gebildet. Der Bayerische Naturschutzfonds fördert das im Juli 2014 gestartete, zweijährige Projekt mit 576.000 Euro bei Gesamtinvestitionen von 640.000 Euro.

Projekt Wildsaatenmischung für Biogas, Großwenkheim

Für eine Biogasanlage im Landkreis wollte der BBV-Kreisverband die Verwertung einer speziellen Mischung von Blühpflanzen testen, die in der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim entwickelt wurde. Es fanden sich auch Landwirte, die beim Projekt "boden:ständig" mitmachten, aber das Ergebnis war ernüchternd: Um dieselbe Energie zu produzieren wie aus einem Hektar Mais, braucht es vier Hektar der Wildsaatenmischung. Doch statt das Projekt zu beerdigen, suchte der BBV nach Unterstützern - und fand einen im BUND Naturschutz. Gemeinsam mit einem breiten Netzwerk wurde ein finanzieller Ausgleich auf die Beine gestellt für die Landwirte, die derzeit auf rund 35 Hektar die Blühpflanzen an die Biogasanlage liefern. Von Anfang an mit beteiligt war die Kreisgruppe Rhön-Grabfeld des BUND Naturschutz, die zusammen mit dem BBV-Kreisverband ein Netzwerk zur Förderung regionaler Initiativen aufgebaut hat.

Dass die Landwirte mit dem Projekt einen aktiven Beitrag für die Artenvielfalt leisten können, zeigen die Voruntersuchungen zu diesem Förderantrag. "50 Wildbienenarten wurden auf den Blühflächen gefunden. Das ist fast ein Drittel der gesamten Wildbienenpopulation, die in dieser Region bereits in früheren Untersuchungen ermittelt werden konnten", erläutert Klaus Mandery, stellvertretender Sprecher des BN-Arbeitskreises Artenschutz, dessen Institut auch die Untersuchungen durchgeführt hat.

Richard Mergner, BN-Landesvorsitzender, lobt das Projekt als Pilotprojekt, das weitere Verbreitung finden muss: "Es besteht die große Hoffnung, dass mit diesem wegweisenden Projekt nicht nur die Partnerschaft von Naturschutz und Landwirtschaft gestärkt werden kann. Durch dieses konstruktive Miteinander würde endlich eine entscheidende Wende zu nachhaltig mehr Biodiversität auch und gerade in der konventionellen Landwirtschaft eingeleitet. Dabei ist es aber auch selbstverständlich, dass die Landwirte einen entsprechenden Ausgleich für den Mehraufwand erhalten müssen. Auch die Reform der EU-Agrarförderung bietet die Chance, die unfaire Flächenprämie zu verändern und gesellschaftlich erwünschte Leistungen der Bauern zu honorieren."

Biosphärenreservat Rhön

"Wir freuen uns, dass das Biosphärenreservat Rhön kürzlich von einem internationalen Expertengremium unter allen Biosphärenreservaten weltweit mit Abstand am häufigsten als ein Beispiel für ein "erfolgreiches Biosphärenreservat" genannt wurde. Dies umso mehr, als dass vor einigen Jahren sogar der Entzug des Titels drohte, weil der Anteil an Kernzonen zu gering war und dieses Defizit gerade auch durch den Einsatz der beiden Landkreise behoben werden konnte. Der BUND erkennt dabei auch ausdrücklich das hervorragende Engagement des Landrats Thomas Habermann an, das Biosphärenreservat durch die Ausweisung zusätzlicher Kernzonen dauerhaft abzusichern. BUND und BN sehen im Biosphärenreservat Rhön eine hervorragende Chance, historische Kulturlandschaften dauerhaft zu erhalten und eine nachhaltige Regionalentwicklung voranzubringen und wird sich auf Landes- und Bundesebene dafür einsetzen", so Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND.

Die im Mai dieses Jahres vorgestellte Neufassung des Rahmenkonzeptes, bei der sich auch die BN-Kreisgruppen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld im Rahmen der Workshops eingebracht haben, ist ein wichtiger Meilenstein für die weitere Entwicklung des Biosphärenreservats.

"Da ein Nationalpark in der Rhön vorerst wieder in weitere Ferne gerückt ist, ist nun die politische und finanzielle Unterstützung dieses umfassenden und sehr gründlichen Konzepts umso wichtiger," so Richard Mergner, BN-Landesvorsitzender.

Das Rhönschafprojekt - Erfolgsmodell mit Vorbildfunktion

Kaum ein Fremdenverkehrsprospekt der Rhön, der heute nicht mit stimmungsvollen Bildern einer schwarzköpfigen Rhönschafherde wirbt. Dabei war Ende der 50er Jahre diese an das raue Klima der Rhön vorzüglich angepasste Schafrasse von einst 400 000 Tieren auf einen kläglichen Restbestand zusammengeschrumpft.

Um ihr Aussterben zu verhindern, erwarben BUND und BN 1985 auf Initiative des Würzburger Zoologieprofessors und damaligen BN Kreisvorsitzenden Gerhard Kneitz und mit finanzieller Unterstützung durch die Isler-Stiftung sowie zahlreicher privater Spender den 40 köpfigen Restbestand. Dieser wurde zur Betreuung der Landwirtsfamilie Kolb in Ginolfs übergeben. Bereits 1988 wurde am Ortsrand von Ginolfs ein vom BN finanzierter, moderner, artgerechter Schafstall gebaut, der 1992 um eine Scheune erweitert wurde.

Als Glücksfall erwies sich dabei, dass der BUND nahezu zeitgleich am Südhang des Naturschutzgebietes Lange Rhön für 530 000 DM den ca. 32 ha großen Grünland-Heckenkomplex der "Gassenwiesen" erwerben konnte - zunächst, um damit eine dort geplante Ferienhaussiedlung zu verhindern.
Diese wurden nicht nur zur zentralen Nahrungsgrundlage für die stetig wachsende Rhönschafherde: mit ihren Quellfluren- & Hochstaudenfluren, Bachläufen und Magerrasen sind sie ein einzigartiger Lebensraum für über 500 Tier- & Pflanzenarten (z.B. Moorklee, Wasserspitzmaus, Pyrenäen-Plumpschrecke).
Seit 1995 ist der von Schäfermeister Josef Kolb (Ginolfs) geleitete BN - Betrieb Mitglied bei NATURLAND, erfüllt damit bezüglich Aufzucht, Fütterung und Verarbeitung strengere Vorgaben als laut EU-Ökoverordnung.

Mittlerweile ist die Rhönschafherde des BN auf ca. 400 Muttertiere angewachsen - dazu 200 Lämmer. Sie beweidet heute rd. 160 ha Rhönwiesen. Biologen zählten dort rd. 400 Pflanzenarten, 31 Vogel-, 40 Schmetterlings- und fast 100 Käferarten.

Aus dem einstigen Sorgenkind wurde somit ein Aushängeschild und Sympathieträger für die Rhön - ein Modellprojekt, das bis heute bundesweit als eindrucksvolles Vorbild dient für die gelungene Symbiose von Ökonomie und Ökologie, von Naturschutz und Tourismus, aber auch von Landschaftspflege, Regionalvermarktung und Arbeitsplatzsicherung in einer ehemals benachteiligten Region.

Ermutigt durch den Erfolg des BN/BUND-Projektes haben schon 1992 heimische Landwirte aus dem BN-Betrieb heraus eine eigenständige Weidegemeinschaft mit etlichen hundert Rhönschafen gegründet. Nun weiden gleich mehrere Herden während der Vegetationszeit wieder auf der Langen Rhön - sehr zur Freude zahlreicher Wanderer und Touristen.

In Zusammenarbeit mit örtlichen Gastronomiebetrieben konnten ebenso Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen aufgebaut werden, so dass hier seit Jahren erfolgreich Wertschöpfung aus der Region für die Region möglich ist. Der Vermarktung wie auch der Information interessierter BesucherInnen dient der bereits 1996 in Ginolfs eröffnete Rhönschaf-Laden (mit Schlachterei).

Das Rhönschafprojekt war bundesweit das erste Modellprojekt, das Naturschutzziele (Biotoppflege, Erhaltung einer alten Haustierrasse) gezielt mit dem Wiederaufbau eines Beweidungsbetriebes und der Vermarktung von Schafprodukten gekoppelt hat.
Die Vorbildwirkung geht aber weit über den BN und Bayern hinaus: Bundesweit gibt es heute mehrere hundert Umsetzungsprojekte im Bereich Schafbeweidung / Naturschutz / regionale Vermarktung. Sie alle gehen in ihrer Grundkonzeption auf das BN/BUND - Rhönschafprojekt zurück.

Teilnehmer des BUND-und des BN-vorstands

BNUND-Bundesvorstand:

  • Hubert Weiger, Bundesvorsitzender
  • Jörg Nitsch, stellvertretender Bundesvorsitzender
  • Ernst-Christoph Stolper, stellvertretender Bundesvorsitzender
  • Andreas Faensen-Thiebes, Schatzmeister
  • Olaf Bandt, Bundesgeschäftsführer Politik
  • Eva Nolte, Bundesgeschäftsführerin, Kaufmännischer Bereich

Teilnehmer des BN-Landesvorstands:

  • Richard Mergner, Landesvorsitzender
  • Doris Tropper, stellvertretende Landesvorsitzende
  • Sebastian Schönauer, stellvertretender Landesvorsitzender
  • Winfried Berner , Beisitzer
  • Manfred Engelhardt, Beisitzer
  • Karl Haberzettl, Beisitzer
  • Kathy Mühlebach-Sturm, Beisitzer
  • Peter Rottner, Landesgeschäftsführer
  • Martin Geilhufe, Landesbeauftragter
  • Stefan Maurer, stellvertretender Landesgeschäftsführer

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Für Rückfragen

Stefan Schäffer
Persönlicher Referent von Richard Mergner und Hubert Weiger
Tel. 09 11 / 8 18 78 10
buero.landesvorsitzender@bund-naturschutz.de