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Ein Auen-Nationalpark für Bayern

Ein Auen-Nationalpark, der die wertvollsten Bereiche der Auwälder und frei fließenden Strecken entlang Donau und Isar beinhaltet, wäre eine große Chance für den Naturschutz. Das betonen der BUND Naturschutz (BN), der Landesbund für Vogelschutz (LBV) und die NaturFreunde gemeinsam. Neben der internationalen Verantwortung für Buchenwälder hat Deutschland auch eine besondere Verantwortung für den Schutz von Flüssen und Auen als hotspots der Artenvielfalt in Mitteleuropa.

Altwasser an der Donau (Foto: Wolfgang Willner)

25.01.2018

„Es wird höchste Zeit, die artenreichsten Kernbereiche von Donau und Isar endlich dauerhaft mit einem Nationalpark zu bewahren. Der Reichtum und die Faszination von Wald- und Fluss-Wildnis ist ein einmaliges Geschenk, sie gilt es auch für kommende Generationen zu bewahren und zu fördern“, betonte Dr. Hubert Weiger, Landesvorsitzender der BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN).

„Es ist fachlicher Konsens, dass die Einrichtung von Großschutzgebieten mit international anerkannten Standards und nutzungsfreien Bereichen zur Sicherung der Artenvielfalt unabdingbar ist. Wer dagegen argumentiert, dass ungenutzte Wälder eine Belastung für das Klima oder intensiv genutzte Forste artenreicher als Naturwälder seien, handelt außerhalb aller Fakten und verantwortungslos.“ ergänzt Dr. Norbert Schäffer, Landesvorsitzender des LBV.

Auch die NaturFreunde Bayern sehen einen Nationalpark positiv, wie Christine Eben, stellvertretende Landesvorsitzende der NaturFreunde Bayern erläutert: "Der Leitsatz der Naturfreunde seit ihrer Gründung ist es, Natur zu schützen, aber auch sie behutsam zu nutzen. Dieses Ziel wird durch die Gründung des 3. Nationalparks in Bayern sehr gut erreicht." Für Natursportler und die Erholung in der Natur ist eine intakte Natur nicht nur Kulisse, sondern Grund-Voraussetzung. Dazu gehört es auch, Schutzgebiete mit Nutzungsverzicht zu akzeptieren.   

Nationalpark-Prozess gemeinsam unterstützen

Zusammen betonten die Verbände, dass es nun wichtig ist, möglichst rasch mit den vom Umweltministerium geplanten Gesprächsrunden zu beginnen. Anhand konkreterer Gebietsabgrenzungen als bisher müssen fachliche Eckpunkte aufgestellt werden, welche Regelungen in einem Nationalpark nötig wären. Mögliche und vermutete Nutzungs-Beeinträchtigungen z.B. der Jagd oder der Fischerei müssen mit Fakten und flächenbezogen diskutiert werden anstatt sie für allgemeine Stimmungsmache gegen einen Nationalpark zu benutzen. Eine nutzungsfreie Kernzone ist zudem gerade für Fische oder Wildtiere ein hoher ökologischer Gewinn.

Es ist durchaus legitim, im Entstehungsprozess eines Nationalparks die eigenen Interessen einzubringen und auf bestehende Rechte hinzuweisen. Zukunftsweisend und verdienstvoll wäre es  aber, mit den eigenen Kompetenzen diesen Prozess zu unterstützen und zu bereichern. Fischer, Jäger, Landwirte, Kanuten, Wanderer und Kletterer, und viele weitere Aktive der Region werden dazu gebraucht. Durch konstruktive Mitarbeit ist den jeweils eigenen Interessen und Ansprüchen mehr gedient als mit den üblichen Grabenkämpfen und pauschalen Befürchtungen und Ablehnungen.

Freie Flüsse, enormer Artenreichtum

Die Kernbereiche eines Auen-Nationalparkes wären die großen zusammenhängenden Auwälder der Donau zwischen Lechmündung und Ingolstadt bzw. der Isar zwischen Freising und Bruckberg. Kernbereiche wären auch die die frei fließende Donau unterhalb Vohburg mit Weltenbuger Enge und die renaturierte Mittlere Isar. Hier findet sich ein enorm hoher Arten- und Lebensraumreichtum sowie zahlreiche charakteristische und auch sehr seltene Arten. Die vorgeschlagenen Auen sind als Nationalpark besonders geeignet: Die in der Diskussion befindliche Kulisse ist zu einem großen Anteil bereits als Natura 2000-Gebiet geschützt, an der Mittleren Isar und im Bereich der Weltenburger Enge zudem bereits als Naturschutzgebiet.

Auch vier besonders wertvolle Naturwaldreservate wären enthalten. Die Kulisse muss die wertvollsten Staatswaldflächen aus rein naturschutzfachlicher Sicht auswählen und alle internationalen Kriterien für einen Nationalpark erfüllen. Dabei  handelt es sich um die internationale Kategorie „IUCN II“ (International Union for Conservation of Nature), deren Hauptpunkt eine nutzungsfreie Kernzone von 75% spätestens 30 Jahre nach Ausweisung ist.

Großer Gewinn für die Natur und auentypische Artenvielfalt

Derzeit findet in den Schutzgebieten eine forstliche Nutzung statt, die für viele Arten nicht förderlich ist. Ein großer Gewinn für die Natur in einem Nationalpark liegt daher in der Aufgabe der forstlichen Nutzung. Nutzungsfreie Wälder mit einem hohen Anteil an Tot- und Altbäumen sind extrem selten in der intensiv genutzten Landschaft Bayerns und lebenswichtig für verschiedene Arten. Die Staatsregierung muss mit ihren Staatswäldern deutlich mehr als bisher dazu beitragen, die Verpflichtungen aus der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ auch in Bayern zu erfüllen.  Hierzu gehört auch der Nutzungsverzicht auf 10% der Staatswaldfläche (5% der Wälder).

Ein weiterer großer Gewinn für die Natur wäre zudem die Zielsetzung der verstärkten Renaturierung. In Nationalparken sollen die ökosystemtypischen Prozesse möglichst ungestört ablaufen. „Flüsse gestalten sich und ihre Auen permanent um. Hoch- und Niedrigwasser sowie Kiesab- und -umlagerungen gestalten und prägen die gesamte Aue. Ergebnis dieser Dynamik ist ein sich immer wieder änderndes sehr kleinräumiges Lebensraum-Mosaik mit enorm hoher Artenvielfalt.“ Erklärt Dr. Christine Margraf, Artenschutzreferentin des BN für Südbayern, diese Prozesse. „Diese Prozesse laufen von Natur aus nur im schmalen Band der vom Fluss geprägten Aue ab, die sich dadurch natürlicherweise vom Hinterland abgrenzt. Daher ist es auch kein Argument gegen, sondern gerade typisch für einen Auen-Nationalpark, dass die Kulisse sich nur auf dieses von Natur aus wenige Kilometer breite Band der Auen bezieht.

Renaturierungen haben großes Potenzial

Besonders an der Mittleren Isar zeigt sich eindrucksvoll, welch enormes Renaturierungs- und Artenpotenzial gerade die südbayerischen alpin geprägten Flüsse haben, wenn man ihnen ihre Fesseln, d.h. Uferversteinung, nimmt, ihnen durch Deichrückverlegungen wieder Raum zurückgibt  und sie zumindest abschnittsweise wieder zum Wildfluss werden lässt. Auch an der Donau laufen bereits Renaturierungen an der freifließenden Strecke zwischen Vohburg und Kelheim. Die Auwälder zwischen Ingolstadt und Neuburg wurden mit in einem Bundesprojekt bereits „dynamisiert“. Diese Projekte sind wichtige erste Schritte, die in einem Nationalpark deutlich ausgeweitet werden könnten. Sie hätten auch hohe Synergieeffekte mit einem ökologischen Hochwasserschutz.

Für Rückfragen

Dr. Christine Margraf
BUND Naturschutz in Bayern e.V.
Tel. 089 / 54 82 98 89
christine.margraf@bund-naturschutz.de