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NATURA 2000 UND GRÜNES BAND EUROPA - VORBILD FÜR DEN EUROPÄISCHEN GEDANKEN

GRENZÜBERGREIFENDE ZUSAMMENARBEIT AM GRÜNEN BAND BAYERN-TSCHECHIEN

In Zeiten wachsender Europa-Verdrossenheit steht das Grüne Band wie keine weitere Initiative für die Umsetzung des europäischen Gedankens. Gemeinsam mit über 500.000 BürgerInnen konnte eine Koalition aus über 200 Naturschutzverbänden den Präsidenten der EU-Kommission, Jean-Claude Junker, davon abbringen, die EU-Vogelschutz- und die EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie zu schwächen. Im Gegenteil: Er sieht nun, dass die EuropäerInnen gegen den Abbau von Umweltstandards sind und an eine EU glauben, die sich für Mensch und Natur stark macht.

Herausragendes Beispiel für grenzübergreifenden Naturschutz ist das über 12.500 Kilometer lange „Grüne Band Europa“. Das 346 Kilometer lange Grüne Band Bayern-Tschechien ist zentraler Teil dieses längsten Lebensraumverbundes der Welt. Der BN setzt hier auf grenzüberschreitende Kooperation, die Zusammenarbeit mit Gemeinden und lokalen Akteuren sowie den Ankauf wertvoller Flächen zur langfristigen Sicherung für den Arten- und Klimaschutz.

Vom 31.10. bis 3.11.2016 fand im finnischen Nationalpark Koli die 9. Grüne Band Europa-Konferenz statt. 125 VertreterInnen aus 24 Staaten nahmen teil. Foto: Umweltministerium Finnland

Die naturnahe Kulturlandschaft der Bischofsreuter Waldhufen hat sich dank des Engagements der Menschen vor Ort erhalten. Das Natura 2000-Gebiet am Grünen Band Bayern-Tschechien hat eine Größe von 967 ha. Foto: BN

Margot Fenzl, Bürgermeisterin von Haidmühle, nimmt die Auszeichnung zur "1. Modellgemeinde am Grünen Band Europa" von Prof. Hubert Weiger entgegen. Foto: BN

Gefördert durch das Klimaprogramm Bayern (KLIP) kauft der BN wertvolle Moore und Feuchtflächen für den Klimaschutz an, wie hier an der Kalten Moldau im Landkreis Freyung-Grafenau. Foto: BN

Der Sonnentau, hier auf der BN Ankauffläche an der Kalten Moldau, ist eine typische Moorpflanze. Foto: BN

Grünes Band Bayern-Tschechien: Die Feuchtflächen des BN Wunsiedel bei Fischern sind Bestandteil der wertvollen Auenlandschaft, die den Übergang des Fichtelgebirges in das Egerer Becken bildet. Foto: Karl Paulus

Das Grüne Band im Dreiländereck Bayern-Sachsen-Tschechien beheimatet letzte Vorkommen des stark gefährdeten Goldenen Scheckenfalters. Foto: Nora Sichardt

12.12.2016

Im finnischen Nationalpark Koli trafen sich vom 31. Oktober bis 3. November 125 Vertreter von Umweltministerien, Fachbehörden und Verbänden, darunter auch des BN, aus 24 Staaten und forderten ein europaweites Finanzierungsprogramm zur Entwicklung Grüner Infrastruktur entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs sowie die Aufnahme des Grünen Bandes in die Raumplanung. „Der BN fordert von der Bayerischen Staatsregierung die Ausweisung weiterer Schutzgebiete entlang des Grünen Bandes und die stärkere Unterstützung bayerischer Akteure für grenzübergreifende Aktivitäten mit tschechischen Partnern im Naturschutz und in der nachhaltigen touristischen Entwicklung. Bislang sind gut zwei Drittel der bayerischen Seite ohne Schutz,“ so BN-Vorsitzender Prof. Hubert Weiger.

Als großen Erfolg auch zur Sicherung des Grünen Bandes Europa sieht der BN die Bestätigung der EU Kommission, dass die Natura 2000-Richtlinie eine herausragende Bedeutung für den europäischen Naturschutz hat und daher weiterhin bestehen bleibt und gestärkt werden soll. „Analysen des Projektbüros Grünes Band des BN haben ergeben: Mit abnehmender Entfernung zum Grünen Band steigt die Anzahl an Schutzgebieten und die durchschnittliche Distanz zwischen den Schutzgebieten wird kleiner. Das Grüne Band trägt damit zur besseren Vernetzung des europäischen Schutzgebietssystems bei,“ erläutert Dr. Liana Geidezis, Leiterin des BUND-Projektes Grünes Band und stellv. Vorsitzende der European Green Belt Association e.V.

Das Grüne Band Bayern-Tschechien wartet mit einer ganzen Anzahl an Naturjuwelen auf:  Waldwildnis und ausgedehnte Moorbereiche lassen sich in den grenzübergreifenden Nationalparken Bayerischer Wald und Šumava finden. Aber auch einzigartige naturnahe Kulturlandschaften wie die Bischofsreuter Waldhufen bei Haidmühle (Landkreis Freyung-Grafenau) konnten im Schatten des Eisernen Vorhangs und dank des Engagements der Menschen vor Ort erhalten werden. Daher zeichnete der BN die Gemeinde Haidmühle vor fast genau einem Jahr als 1. Modellgemeinde am Grünen Band Europa aus. In Kooperation mit dem Kulturlandschaftsmuseum Grenzerfahrung (KuLaMu) wird momentan u.a. ein Artenschutzprojekt für die Kreuzotter (Vipera berus) umgesetzt. Der BN sieht in der nachhaltigen touristischen Entwicklung der Gemeinden am Grünen Band eine große Chance das Natur- und Kulturerbe langfristig zu erhalten. Daher wurde in das BUND-Reisen-Programm für 2017 auch ein mehrtägiges Reiseangebot in Kooperation mit dem KuLaMu an das Grüne Band um Haidmühle aufgenommen.

Im Landkreis Freyung-Grafenau kaufte der BN bislang rund 53 ha Moorbereiche und Feuchtgebiete entlang des Grünen Bandes an, gefördert von der Regierung von Niederbayern mit Mitteln aus dem Klimaprogramm Bayern (KLIP). Betreut werden die Flächen durch die BN Kreisgruppe vor Ort, die zusammen mit lokalen Akteuren geeignete Renaturierungs- und Wiedervernässungsmaßnahmen umsetzt, um die ökologische Leistungsfähigkeit zu erhalten und zu sichern. Moore und Feuchtgebiete sind CO2-Senken und tragen nachhaltig zum Klimaschutz bei.  

Weiteres Beispiel für den gelungenen Einsatz für Erhalt und Entwicklung des Grünen Bandes sind die Feuchtflächen des BN bei Fischern im Egertal, ganz im Osten des Landkreises Wunsiedel.  Direkt verzahnt sind hier die Grundstücke des BN mit tschechischen Biotopen, gleichsam ein Symbol für die freundschaftliche Zusammenarbeit der BN-Kreisgruppe Wunsiedel mit dem tschechischen Nachbarverband des ČSOP in Eger/Cheb seit 1990. Der Kreuzungspunkt von Egertal und Grünem Band zwischen den Naturparken Fichtelgebirge und Slavkovský Les ist „Drehscheibe“ für die Artenvielfalt.

Hotspot für die Artenvielfalt ist auch das Grüne Band im Dreiländereck Bayern-Sachsen-Tschechien, es beheimatet letzte Vorkommen des stark gefährdeten Goldenen Scheckenfalters (Euphydryas aurinia). Seit 2015 besteht ein länderübergreifendes trilaterales Schutz-Projekt des BN Hof und des Vogtlandkreises in enger Zusammenarbeit mit der Agentur für Natur- und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik sowie der tschechischen Naturschutzorganisation Ametyst. Ziel ist Erhalt und Entwicklung von schonend bewirtschafteten Feuchtwiesen, was nicht nur dem Scheckenfalter zugutekommt, sondern auch einer Vielzahl an weiteren gefährdeten Arten wie der Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera).

 

Für Rückfragen:

Dr. Liana Geidezis, Melanie Kreutz, BUND Projektbüro Grünes Band
Tel. +49-911-575294-10; mobil am 12.12.2016: 0176-38532879
E-Mail: gruenesband@bund-naturschutz.de

 

Weiterführende Informatione:

Link zum BUND-Reisen-Katalog 2017

BUND Naturschutz Wunsiedel

Projekt Goldener Scheckenfalter

 

Hintergrundinformation:

Der BUND Naturschutz (BN), Landesverband des  Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND, Friends of the Earth Germany), setzt sich seit 1989 für den Schutz des innerdeutschen Grünen Bandes ein. Er hat 2002 ein Grünes Band durch Europa vorgeschlagen und ist damit ein maßgeblicher Initiator der Grüne Band Europa Initiative, die sich für Schutz und Entwicklung des über 12.500 Kilometer langen Lebensraumverbundes entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer einsetzt. Das BUND Projektbüro Grünes Band ist seit 2004 Regionalkoordinator für den zentraleuropäischen Abschnitt von der Ostsee bis zur Adria. In der pan-europäischen Initiative arbeiten Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen aus 24 Anrainerstaaten zusammen. BN und BUND sind Gründungs- und Vorstandsmitglied des 2014 gegründeten Vereins Grünes Band Europa („European Green Belt Association e.V.“).