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Radverkehr mit Potenzial für mehr: schnell, günstig, umweltfreundlich und gesund

Das Fahrrad ist ein schnelles und umweltfreundliches Verkehrsmittel, doch viel zu lange haben es Verkehrsplaner nicht als echte Alternative zum Pkw wahrgenommen. Das muss sich ändern und die Chancen stehen nicht schlecht, auch dank neuer Möglichkeiten durch E-Bikes und Pedelecs. Dazu braucht es sichere und komfortable Wege sowie eine Abkehr von der Dominanz des Autos.

Neben dem Zufußgehen ist das Fahrrad das umweltfreundlichste Verkehrsmittel – und im Stadtverkehr auf Strecken bis sechs Kilometer auch noch das schnellste. Diese Gleichung gilt trotz Akku- und Stromverbrauch auch für E-Bikes und Pedelecs:

  • kaum Fahrtkosten
  • kaum (Park-)Platzbedarf
  • keine Lärm-, Feinstaub-, CO2- oder Stickoxid-Emissionen
  • positiver Gesundheitseffekt, Einspareffekt bei Gesundheitskosten

Schätzungen gehen davon aus, dass zumindest in Ballungsräumen bis zu 30 Prozent des Pkw-Verkehrs auf das Fahrrad verlagert werden könnten. Mit dem 2017 vorgestellten „Radverkehrsprogramm Bayern 2025“ will die Landesregierung den Anteil des Radverkehrs von aktuell elf auf dann 20 Prozent steigern. Für den gesamten Projektzeitraum stellt sie 400 Mio. Euro zur Verfügung, mit denen insbesondere der Ausbau von Radwegen entlang von Bundes- und Staatsstraßen finanziert werden soll – immer noch eine sehr kleine Summe im Vergleich zu den Milliarden, die in den Straßenbau fließen. Mehr Fahrradabstellplätze und Lastenräder für den Lieferverkehr, sowie bessere Beschilderung – wie im Radprogramm gefordert – sind zweifellos wichtige Bausteine für den Radverkehr. Doch die wichtigste Maßnahme bleibt außen vor: Die Dominanz des Autos zugunsten von Radfahrern und Fußgängern aufheben, die sich allzu oft als Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse und auf der Straße nicht sicher fühlen. Leider steht selbst im Radverkehrsprogramm der Staatsregierung ausdrücklich, dass „restriktive Maßnahmen, die etwa die Nutzung des Pkw erschweren, […] nicht Bestandteil dieses Programms“ sind.


Der BN fordert daher:

  • Zu Lasten des fließenden und ruhenden Autoverkehrs ist dem Radverkehr mehr Raum zu geben.
  • Das Radwegenetz ist innerorts und außerorts für den Alltagsverkehr zu ertüchtigen und bedarfsorientiert zu erweitern. Für den schnellen Radverkehr sind eigene Fahrradtrassen mit nur wenigen Kreuzungen zu realisieren. Dabei sollen zum Flächenschutz bestehende Straßenflächen soweit möglich umgenutzt werden. Eine ausreichende Förderung von Rad- und Fußwegen ist sicherzustellen. Die Radwegeförderung muss auch außerhalb des 50-Meter Korridors von Straßen möglich sein.
  • Es sind Radverkehrspläne als Bestandteil integrierter Verkehrskonzepte zu erstellen. Rad- und Fußwege müssen wie alle Straßen und Wege in ganz Bayern sorgfältig geplant, gebaut und unterhalten werden.
  • Sichere Kreuzungen und Nullabsenkungen bei Einmündungen und Nebenstraßen; Höhenausgleich bei Einfahrten sowie vorgezogene Aufstellflächen für Fahrräder an Kreuzungen; vorgezogene Haltelinien, Installation von Trixie-Spiegeln an Verkehrsampeln bzw. –schildern.
  • Eigenständige Fahrradampeln verstärkt einsetzen. (Sofern möglich) Umsetzung einer Grünen Welle für den Radverkehr.
  • Grünpfeile nur für rechtsabbiegende Radfahrer*innen an Kreuzungen anbringen.
  • Einbahnstraßen für den Radverkehr freigeben.
  • Die E-Bike-Mobilität ist zu fördern, auch für den Güternahverkehr.
  • Die Anzahl von Fahrrad-Transportplätzen in Bahn und Bus ist bedarfsgemäß zu erhöhen. Es sind mehr und besser gesicherte Abstellplätze für Fahrräder an Bahnhöfen und stark frequentierten Bus-Haltestellen zu schaffen. An besonders frequentierten Bahnhöfen sind die Errichtung und der Betrieb sogenannter Radstationen zu fördern. Dort können Fahrräder sicher abgestellt, repariert und ausgeliehen werden.

Standpunkt Pedelec/E-Bike

Der BN steht der Verbreitung von elektrifizierten Fahrrädern (Pedelec oder E-Bike) positiv gegenüber. Sie stellen eine wichtige Erweiterung für den Fahrradverkehr dar, etwa um die Reichweite zu erhöhen oder die Fahrt zur Arbeit zu erleichtern. Als Lastenräder sind sie sowohl für den Lieferverkehr wie auch für den Transport von Kindern oder größeren Gegenständen eine Alternative, die gefördert werden sollte. Während elektrisch betriebene Autos weder Platzprobleme verhindern, noch den ineffizienten Energieverbrauch infolge des hohen Gewichts der Fahrzeuge, können Pedelecs die Vorteile von Elektromobilität voll ausspielen. Um den im Vergleich zum herkömmlichen Fahrrad zweifellos höheren Ressourcenverbrauch auszugleichen, sollten jedoch einige Tipps beachtet werden: damit die hohe Investition nicht ungenutzt in der Garage verstaubt oder den Naturverbrauch erhöht – etwa in den Alpen.

Siehe auch Elektrofahrräder
Siehe Position Pedelecs in den Alpen auf den Seiten zum Tourismus in den Alpen.