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Im Interview: Kai Frobel, Vater des Grünen Bandes

Kai Frobel ist der "Vater" des Grünen Bandes. Der Naturschutzexperte des BUND Naturschutz erinnert sich an die Anfänge des Projekts – und an schwierige Zeiten.

Kai Frobel in den 1970-er Jahren an der deutsch-deutschen Grenze - dem späteren Grünen Band

Wie begann die Erfolgsgeschichte am Grünen Band?

Am Anfang stand die Begeisterung einiger ehrenamtlicher Naturschützer, zu denen ich gehörte. Wir erkannten den überragenden Wert des Grünen Bandes seit den 70er Jahren vom Westen aus mit unseren Ferngläsern. Als die Mauer fiel, haben wir die Chance ergriffen für unsere Idee, ein »Grünes Band« aus der Taufe zu heben. In der Naturschutzszene war dann schnell ein Netzwerk von Mitstreiter(inne)n geknüpft. Über die Jahre konnten wir entscheidende Personen auch in der Politik, in Fachbehörden und Medien für das Grüne Band gewinnen. Viele Menschen aus unterschiedlichen Kontexten, die sich für dieselbe Idee begeistern: Das ist das Erfolgsgeheimnis des Grünen Bandes. Der Erfolg liegt aber auch im Gehalt des Projekts: Eine fast 1400 Kilometer lange Erinnerungslandschaft für die deutsche Wiedervereinigung, quer durchs Land und von enormem Wert für seltene Tiere und Pflanzen – das spricht einfach für sich.

Was war im Rückblick die größte Herausforderung?

Die schlimmsten Jahre waren 1990 bis etwa 1993. Die Schutzidee war jung, und die Naturschutzbehörden in Ostdeutschland erst im Aufbau. Fast 2000 Hektar Biotope verschwanden im Grünen Band damals unterm Pflug und wurden zu Ackerflächen. 1996 dann die nächste Herausforderung: Der Bundestag beschloss ein "Mauergrundstücksgesetz", wo­nach die bundeseigenen Flächen auf dem freien Markt verscherbelt werden sollten. Und die Hälfte des Grünen Bandes war in Bundesbesitz! Wir forderten damals, diese mit der Zweckbestimmung "Naturschutz" als Na­tionales Naturerbe auf die Bundesländer zu übertragen.

Bis wir die Politik so weit hatten, das zu unterstützen und vor allem umzusetzen, waren unsere Hartnäckigkeit, Geduld und Kreativität ganz schön auf die Probe gestellt. Zwölf Jahre hat es gedauert, und es ging zeitweise nur sehr zäh vorwärts, bis fast zum Stillstand. Doch die Ausdauer des BUND hat sich gelohnt. Denn die Flächen wurden tatsächlich übertragen und sind heute dem Naturschutz gewidmet.

An was erinnern Sie sich besonders gerne?

An die balzenden Braunkehlchen auf dem Grenzzaun! Noch als die Grenze stand, war dies ein hoffnungsvolles Symbol dafür, dass die Natur eben keine Grenzen kennt.