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Lebensmittelverschwendung: Wie viele Lebensmittel werden weggeworfen?

In unserer Überflussgesellschaft sind frische Nahrungsmittel in großer Auswahl und zu jeder Jahreszeit eine Selbstverständlichkeit. Die Schattenseite: Millionen Tonnen Essbares wandern pro Jahr in den Müll – eine gigantische Lebensmittelverschwendung. Wie kann man diesem Problem entgegenwirken und es schaffen, dass weniger Lebensmittel entsorgt werden müssen?

    Manche Aktivisten begegnen der Lebensmittelverschwendung durch "Containern": Sie durchforsten die Mülltonnen von Supermärkten nach noch genießbaren Waren. Andere unterstützen Einrichtungen wie die "Tafel", die unverkaufte Lebensmittel sammelt und an Bedürftige verteilt. Doch wir alle können ohne großen Aufwand unseren Beitrag leisten!

    Elf Tipps für weniger Lebensmittel-Abfall

    1. Kaufen Sie nur Nahrungsmittel, die Sie wirklich benötigen. Bleibt weniger übrig, müssen Sie auch weniger Lebensmittel wegwerfen.
    2. Deshalb sollten Sie auch vorsichtig sein beim Kauf von Großpackungen, die zu einem (vermeintlichen) Schnäppchenpreis angeboten werden, aber Ihren Bedarf übersteigen.
    3. Fragen Sie in Ihrem Supermarkt nach, wie viele Lebensmittel weggeworfen werden, und ob Übriggebliebenes für Bedürftige (und Menschen, die "containern") freigegeben wird – so kann Druck auf den Einzelhandel aufgebaut werden, der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken.
    4. Verschmähen Sie auch krumme Gurken beim Einkaufen nicht, optische Abweichungen mindern in keiner Weise den Geschmack.
    5. Bestellen Sie eine Gemüse- oder Obstkiste beim Bioladen, der Händler kann so besser kalkulieren und Ware nach Bedarf ordern bzw. ernten lassen.
    6. Kaufen Sie nach Möglichkeit direkt beim Bauern: Hofläden dürfen Produkte jenseits der optischen Normen anbieten – die Qualität bleibt dabei gleich.
    7. Schließen Sie sich einer Einkaufsgemeinschaft mit Direktbezug an.
    8. Erwerben Sie (preisreduzierte) Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) bald erreicht ist.
    9. Prüfen Sie genau, ob ein Produkt nach Ablauf des MHD wirklich verdorben ist, um weniger Lebensmittel wegzuwerfen.
    10. Achten Sie gerade bei leicht verderblichen Lebensmitteln darauf, nicht über Ihren Bedarf zu kochen, damit Sie nachher keine oder zumindest weniger Lebensmittel wegwerfen müssen.
    11. Wann immer möglich, verwerten Sie Reste: Alte Brote können wieder aufgebacken oder zu Semmelknödeln verarbeitet werden, Kochüberschüsse lassen sich einfrieren.

    Was ist das Problem von Lebensmittelverschwendung?

    Zum einen ist es ethisch nicht vertretbar, wenn in den wohlhabenden Nationen Millionen Tonnen durchaus Genießbares weggeworfen werden, während anderswo Menschen Hunger leiden. Zum anderen wird die Umwelt belastet: Fast jedes Nahrungsmittel hat eine lange Reise hinter sich, wurde angebaut, geerntet, gesäubert, verarbeitet und transportiert.

    Allein wir Deutschen haben im Jahr 2020 knapp elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen (Statistisches Bundesamt 2022). Andere ForscherInnen ermitteln zum Teil fast doppelt so hohe Mengen, etwa Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn in ihrem Buch "Die Essensvernichter": Demnach ließen sich allein mit den Abfällen Europas alle Hungernden der Erde zweimal ernähren. In der EU ist es seit Jahren verboten, Nahrungsmittelreste als Futtermittel zu verwenden, bestenfalls die Rohstoffe werden energetisch genutzt. Auch auf der Mülldeponie macht sich die Lebensmittelverschwendung bemerkbar, denn sie führt zur Bildung des klimaschädlichen Methangases.

    Welche Lebensmittel werden in Privathaushalten weggeworfen? (Anteil in Prozent)

    (Quelle: Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), 2021)


    Normierte Nahrungsmittel führen zu Lebensmittelverschwendung

    Das Problem beginnt bereits auf dem Feld: Normen für Größe und Aussehen verhindern, dass alle Ackerfrüchte in den Handel gelangen. Zehn bis sogar 50 Prozent einer Ernte bleiben unverkäuflich. Groß- und Einzelhandel "filtern" ein zweites Mal. Nicht selten werden ganze Paletten von Lebensmitteln weggeworfen, weil einzelne Früchte nicht mehr frisch erscheinen. Schon ein nahender Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) verführt manche Supermarktketten dazu, Joghurt oder Milch aus den Regalen zu räumen – und damit durchaus noch ess- und genießbare Lebensmittel wegzuwerfen.

    Das Mantra "Alles immer da – alles immer frisch" treibt weitere Blüten: Ein Bäcker berichtet, dass er sich für seine im Supermarkt integrierte Filiale verpflichten musste, bis Ladenschluss ein prall gefülltes Brotregal vorzuweisen. Dieser fragwürdige "Service" wird mit einem Brotberg im Abfallcontainer bezahlt.

    Problem Mindesthaltbarkeitsdatum: ein großes Missverständnis?

    An der Theke schließlich wählen Verbraucher*innen die makellosen Früchte aus. Und fischt bei Produkten, deren Mindesthaltbarkeit angegeben ist, die frischesten Produkte ganz hinten aus dem Regal. Dabei ist dies meist gar nicht nötig: Legt dieses Datum doch laut Lebensmittelverordnung nur fest, bis wann ein Produkt mindestens "bei angemessener Aufbewahrung seine spezifischen Eigenschaften behält". Gerade Erzeugnisse wie Quark oder Käse sind dann oft noch lange nicht verdorben. Anders ist das "Verzehrdatum" zu behandeln, das anzeigt, wann Nahrungsmittel wie etwa Fleisch oder Fisch tatsächlich ungenießbar werden. Eine politische Debatte, wie der allgegenwärtigen Lebensmittelverschwendung begegnet werden kann, kommt erst langsam in Gang.