MenuBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Breitblättriges Knabenkraut: Die Feuchtwiesen-Orchidee

Das Breitblättrige Knabenkraut, auch als Breitblättrige Fingerwurz oder Breitblättrige Kuckucksblume bekannt, hat schon so manchen Naturfreund ins Bockshorn gejagt. Denn es kleidet sich variabel und geht auch gerne mal fremd.

Ein Bewohner der Feuchtwiesen: das Breitblättrige Knabenkraut
Ein Bewohner der Feuchtwiesen: das Breitblättrige Knabenkraut (Foto: Wolfgang Willner)

Das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) liebt feuchte Wiesen – ein Biotoptyp, der überall in Deutschland immer seltener wird. Viel zu oft werden solche blütenreichen Flächen entwässert, in Ackerland umgewandelt oder gar bebaut. Das hat dazu geführt, dass die früher recht häufige Orchidee deutschlandweit und auch im Freistaat selten geworden ist. Mittlerweile steht sie als gefährdet auf der Roten Liste. Deshalb setzt sich der BN sowohl für den Erhalt von Feuchtwiesen, als auch ganz speziell für den Schutz des Breitblättrigen Knabenkrautes ein (siehe Erfolge und Projekte).

Dactylorhiza majalis ist eine kräftige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 15 bis 50, selten 60 Zentimetern. Der aufrechte, hohle und im oberen Bereich kantige Stängel ist oftmals violett überlaufen. Im Frühjahr entwickeln sich vier bis sieben breite, lanzettliche Laubblätter, die meist oberseitig gefleckt sind. Die Intensität der Flecken kann jedoch sehr unterschiedlich sein.

Die Blüten variieren von hellrosa bis zu einem dunklen Purpurrot. Sehr selten kommen auch weiße Blüten vor. Die dreilappige Unterlippe der Blüte hat einen vorgezogenen Mittel- und schwach gezähnte Seitenlappen. Auf dem hellen Zentrum der Unterlippe befindet sich fast immer eine typische schleifenförmige, violette Zeichnung. Die seitlichen Kelchblätter (Sepalen) des Breitblättrigen Knabenkrautes sind abstehend bis aufwärts gerichtet. Das mittlere Kelchblatt ist kleiner und bildet mit den Kronblättern (Petalen) eine Art Helm. Der dichte, aufrechte Blütenstand besteht aus bis zu 50 Einzelblüten, von denen die untersten meist schon blühen, bevor der Stängel ausgewachsen ist.

Dactylorhiza majalis: Nicht einfach zu erkennen

Da Blütenform, Blütenfarbe, Wuchshöhe und Blattfleckung von Pflanze zu Pflanze sehr unterschiedlich sein können, macht es Dactylorhiza majalis seinen „Bestimmern“ nicht immer leicht. Auch neigt die Orchidee zu häufigen „Seitensprüngen“ mit anderen, im Biotop vorkommenden Arten. Diese Hybridisierung geschieht nicht selten mit dem Fleischfarbenen Knabenkraut. Solche Kreuzungen kommen vor allem in Südbayern häufig vor.

Der Gattungsname des Breitblättrigen Knabenkrautes, Dactylorhiza, leitet sich von den griechischen Wörtern daktylos (Finger) und rhiza (Wurzel) ab. Denn die schöne Orchidee, die auch als Fingerwurz bezeichnet wird, ist ein sogenannter Knollengeophyt. Ihre dreiteilig-fingerförmige Knolle überdauert den Winter und dient ihr als Speicherorgan. Der Artname  majalis kommt aus dem Lateinischen und bedeutet im Mai blühend.

Systematik

  • Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)
  • Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)
  • Klasse: Einkeimblättrige (Monocotyledoneae)
  • Familie: Orchideengewächse (Orchidaceae)
  • Gattung: Knabenkraut (Dactylorhiza)