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Die Eibe in Bayern

Die Eibe, eine einstmals häufige Nadelbaumart, ist mittlerweile nicht nur in Bayern, sondern in ganz Europa eine Rarität. Der BUND Naturschutz setzt sich für diesen Methusalem unter den Baumarten ein. 

Sie ist alt, uralt sogar. Schon vor 150 Millionen Jahren kam die Eibe vor und ist damit die älteste in Europa heimische Baumgattung. Früher wurde ihr sogar ewiges Leben angedichtet – und mehr als 1.000 Jahre kann sie tatsächlich werden. Vielleicht, weil sie sich für alles Zeit lässt. Im Schatten ihrer schnellwüchsigen und lichthungrigen Kollegen kann die Eibe Jahre und Jahrzehnte ausharren. Keine andere Baumart ist besser auf ein Leben im Dämmerlicht des Kronendachs eingestellt. Mit etwa 20 Metern maximaler Höhe reicht sie zwar nicht an ihre hoch aufgeschossenen Waldnachbarn heran. Dafür ist sie die Baumart mit dem längeren Atem. Sie kann mehr Schatten ertragen als jede andere in Europa. Im Notfall verharrt sie fast ohne zu wachsen jahre- und jahrzehntelang im Schatten ihrer schnellwüchsigen Nachbarn. Ändert sich die Situation, beispielsweise durch Fällungen oder Windwurf, nutzt sie ihre Chance und wächst dem Licht entgegen.

Zu langsam für den Wirtschaftswald

Diese Stärke der Eibe – ihr langsamer Wuchs – ist heute ihre Achillesferse. In den auf schnelle Rendite getrimmten Wirtschaftswäldern hat sie kaum eine Chance. Bis zu 25 Jahre müssen junge Eiben mit Zäunen oder anderen Maßnahmen vor hungrigen Rehen geschützt werden, damit sie „aus dem Äser herausgewachsen sind“ wie die Forstleute es ausdrücken. Das heißt, bis sie groß genug sind, damit Rehe nicht immer wieder ihre obere Spitze abknabbern und sie damit am weitere Wachstum hindern können. Das ist vielen Waldbesitzern zu teuer und umständlich und so schwinden die Vorkommen der Eibe in unseren Wirtschaftswäldern immer weiter. 

So schützt der BN die Eibe in Bayern

Im Freistaat gibt es trotz alledem noch schöne Bestände der Eibe. Einer der bekanntesten ist sicher der Paterzeller Eibenwald nahe dem oberbayerischen Weilheim. Mit über 2.000 älteren Exemplaren ist er einer der größten in ganz Deutschland. Die Aktiven der BN-Kreisgruppe Weilheim setzen sich seit Jahrzehnten mit viel Engagement für den Erhalt dieses Kleinods ein. Ein weiteres großes Vorkommen findet sich in den Wäldern der Weltenburger Enge bei Kelheim. Dass die Eibe hier eine Zukunft hat, liegt auch an Erwin Engeßer, dem dortigen Forstbetriebsleiter und BN-Mann. Wichtige Arbeit leisten auch die Mitglieder der BN-Kreisgruppe Nürnberger Land. In mehrmonatiger Geländearbeit haben sie Eibenvorkommen in den Wäldern um Hersbruck aufgespürt. In einem Gebiet von etwa 400 Quadratkilometern konnten sie an 23 Stellen Eiben nachweisen und kartieren und somit eine erste Grundlage für ihren besseren Schutz schaffen. Der BUND Naturschutz setzt sich außerdem seit langem dafür ein, die Wilddichten in unseren Wäldern so niedrig zu halten, dass seltene und langsam wachsende Baumarten wie die Eibe sich natürlich verjüngen können und so eine Zukunft in Bayern haben.

Bundesweite Schutzbemühungen

Auch der Staat hat mittlerweile verstanden, dass es für die Eibe „kurz vor zwölf ist“. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hat 2012 erstmals eine deutschlandweit einheitliche Inventur der Eibenbestände durchführen lassen. Das Ergebnis: Obwohl sich die zahlreichen Kulturformen in Gärten und Friedhöfen großer Beliebtheit erfreuen, ist die Wildform der Eibe mit bundesweit 60.000 erfassten Exemplaren nicht nur selten, sondern teilweise sogar in ihrem Vorkommen bedroht. Das Gros der Bäume fanden die Wissenschaftler in Thüringen (33.000) und Bayern (15.000).

Mit der bundesweiten Erfassung kann nun besser entschieden werden, wo der Schutz der Eibe am besten ansetzen muss. Laut Studie gibt es große genetische Unterschiede zwischen nördlichen und südlichen Vorkommen. Die wichtigsten Standorte im Norden und Süden des Landes müssen deshalb geschützt und verjüngt und die vereinzelten Vorkommen mit »Trittsteinen« besser verbunden werden.