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Frauenschuh in Bayern: Ganz schön selten!

Der Frauenschuh ist die wohl attraktivste Orchidee Deutschlands und leider auch in Bayern selten geworden. Die schöne Blume mit der pantoffelförmigen Blüte mag lichte Wälder. Dass sie diese und weitere „Lieblingsstandorte“ weiterhin findet, dafür sorgt der BUND Naturschutz (BN).

Ein Gelber Frauenschuh – auch in Bayern selten
Namensgeber der Orchidee ist die große, zitronengelbe Blüte (Foto: fujipe/fotolia.com)

Außergewöhnlich schön und sagenumwoben ist der Gelbe Frauenschuh (Cypripedium calceolus), oft auch einfach nur Frauenschuh genannt. Das zitronengelbe, pantoffelförmige und bis zu vier Zentimeter große untere Blütenblatt ist unverkennbares Merkmal und Namensgeber dieser Orchidee. Vier purpurfarbene bis schokoladenbraune Blütenblätter umgeben die auffällige Lippe. Sie sind breit abstehend, spitzlanzettlich geformt und oft leicht gedreht.

Die auffällige Blüte des Frauenschuhs kann bis zu acht Zentimeter groß werden und ist damit die größte Blüte unserer heimischen Orchideen. Meistens sitzt eine Blüte alleine am Ende des zehn bis 60 Zentimeter langen, gebogenen und behaarten Stängels. Doch unter guten Wuchsbedingungen können hier auch zwei, drei, selten sogar bis zu vier der prachtvollen Blüten aufgereiht sein. Drei bis fünf elliptische, nach außen spitz zulaufende, fünf bis 13 Zentimeter lange Laubblätter umfassen den Stängel. Die Blattunterseite ist flaumig behaart und die Blattnerven deutlich sichtbar. Die Blätter sind durch Längsfalten versteift und leiten dadurch das Regenwasser über die Pflanze nach unten ab.

Der Frauenschuh hat viele Namen

Weil der Gelbe Frauenschuh auch im Zusammenhang mit der Jungfrau Maria Erwähnung fand, wird er mancherorts auch Marienschön, Herrgotts-, Jungfernschuh oder Marienfrauenschuh genannt. Anknüpfend an die Blütezeit zwischen Mitte Mai und Ende Juni taufte man ihn auch Pfingstblume. Und sogar „Krimhilds Helm“ sah der Volksmund in der attraktiven Orchidee.

Licht und Kalkboden sind ein Muss

Der Frauenschuh kann eigentlich an recht unterschiedlichen Standorten vorkommen. Als Halbschattenart kommt er vorwiegend in lichtdurchfluteten Wäldern, auf Wacholder-Steppenheiden und auch in Flussauen vor. Voraussetzung sind Kalkboden und genügend Licht. Zu dunkle oder versauerte Standorte meidet der Frauenschuh. Außerdem wächst die Orchidee nur dort, wo es auch Nadelbäume gibt. Zum Gedeihen braucht die Art einen speziellen Mykorrhizapilz, der nur gemeinsam mit Nadelbäumen vorkommt.

Verbreitungsschwerpunkte des Frauenschuhs in Bayern sind die Kalkgebiete der Alpen, des Voralpenlandes, der Fränkischen Alb und der Mainfränkischen Platten. In der Regel finden sich heute eher einzelne Blüten. Doch an den selten gewordenen, noch ungestörten Standorten steht der Frauenschuh oft in größeren Gruppen, sogenannten Horsten, zusammen und bietet dem Besucher einen beeindruckenden Anblick.

Frauenschuh in Bayern: streng geschützt

Nicht nur die intensive Forst- und Landwirtschaft und der Rückgang naturnaher Wälder und alter Waldnutzungsformen, sondern auch der sogenannte „Orchideentourismus“ gefährdet das Vorkommen der prächtigen Blütenpflanze. So graben immer wieder „Orchideenliebhaber“ wild wachsende Pflanzen aus, was bei Vorkommen mit nur wenigen Pflanzen zum Erlöschen des Bestandes führen kann. Andere schauen oder fotografieren zwar nur, bewegen sich aber so unvorsichtig, dass sie Pflanzen zertreten oder den Boden so verdichten, dass es den Orchideen schadet.

Der Frauenschuh steht heute unter besonderem Schutz: Er wird auf der Roten Liste Deutschlands und Bayerns als gefährdet eingestuft und wird in allen Ländern Europas streng geschützt. Um auch die Öffentlichkeit auf Gefährdung und Schutzwürdigkeit des Frauenschuhs aufmerksam zu machen, wählte der Arbeitskreis Heimische Orchideen die wilde Schönheit 1996 und 2010 zur Orchidee des Jahres.