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BN weiter für umweltverträgliche Mobilität im Landkreis Aschaffenburg

Trotz Verzicht auf Klage gegen nachgebesserte Pläne der Ortsumfahrung Pflaumheim

07.08.2020

Der BUND Naturschutz (BN) lehnt die geplante Ortsumfahrung von Pflaumheim weiterhin entschieden ab, wird jedoch keine Klage gegen die Planfeststellung bzw. den Bau der Straße einreichen. Dies ist das Ergebnis intensiver Beratungen im Vorstand der BN-Kreisgruppe Aschaffenburg.

Auch wenn damit keine Rechtsmittel gegen die Planung eingelegt werden, sieht es der BUND Naturschutz als einen Teilerfolg, dass die Pläne aufgrund der Einwendungen erheblich nachgebessert werden mussten. Nichtsdestoweniger setzt sich der BN weiterhin für eine Verkehrswende ein, die den Menschen umweltverträgliche Mobilität gewährleistet.

„Gerade das Beispiel dieser Planung zeigt, dass eine neue Verkehrspolitik notwendig ist, die Mobilität umfassend betrachtet und nicht nur wie bisher überwiegend den Automobilverkehr fördert“, so Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern. Der BN fordert daher sektorenübergreifende „Mobilitätsämter“ statt Straßenbauämter.

So bezweifelt der BUND Naturschutz auch, dass die Planung das vorgesehene Ziel einer drastischen Entlastung der Ortsdurchfahrt wirklich erreicht. „Beispiele von Orten mit Umfahrung zeigen, dass sie immer noch über Gebühr vom motorisierten Verkehr belastet sind. Trotz Umfahrungsstraße sieht man das deutlich innerorts in Großostheim. Wir sehen den weiteren exzessiven Straßenbau als nicht zukunftsfähig, auch weil er die Klima- und Biodiversitätskrise weitgehend ignoriert“, so Dagmar Förster, Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Aschaffenburg.

Trotzdem werden immer neue Straßenbauprojekte in der Region geplant. So soll die B 26 nach Aschaffenburg autobahnähnlich ausgebaut werden. Geplant ist auch, die B 469 bei Großostheim erheblich zu verbreitern, wobei sogar Bannwald geopfert werden soll. Die neuen Straßenbauprojekte sollen zwar Staus vermeiden und führen am Ende zu noch mehr Autoverkehr und zu Problemen an anderer Stelle.

Durch seine intensive Teilnahme am Planfeststellungsverfahren konnte der BUND Naturschutz zwar noch zahlreiche Verbesserungen für Natur- und Umwelt und für die betroffene Bevölkerung erreichen. So mussten in verschiedenen Bereichen Lärmschutz- sowie Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen erheblich verstärkt werden.

Dennoch werden nach einer Realisierung der Ortsumfahrung Pflaumheim zahlreiche Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft sowie von Anwohnern verbleiben: So sind in der hügeligen Landschaft große Erdbewegungen notwendig. Bei den Eingriffen in das Bodenrelief auf insgesamt 11,6 ha wird eine Versiegelung von 4,34 ha vorgesehen.

Auch sind durch die notwendigen Steigungen und Gefälle und teilweisen Dammlagen der geplanten Umfahrung erhebliche Lärmbeeinträchtigungen für die ortsrandnahe Wohnbebauung zu erwarten. Dazu wird auch beitragen, dass mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen durch die geplante Ortsumgehung, u.a. auch für Großostheim und Wenigumstadt, zu rechnen ist.

Die geplante Umfahrung mit einer Länge von fast 5 km durchschneidet landschaftlich sehr schöne Naherholungsgebiete. Dadurch werden diese Areale verlärmt sowie Spazier- und Feldwege zerschnitten.

Geschützte Flächen wie die Schutzzone des Naturparks „Bayerischer Odenwald“ sowie der Landschaftsbestandteil „Alte Bahnlinie“ werden durchschnitten und Lebensräume von streng geschützten Tierarten (Fledermäuse, Steinkauz, Agrarvögeln z.B. Feldlerche u. Rebhuhn, Amphibien, Zauneidechsen u.a.) drohen verloren zu gehen. Problematisch ist auch die Trassenführung durch ein Wasserschutzgebiet.

Einen Überblick über die verkehrspolitischen Vorstellungen des BUND Naturschutz gibt das BN-Positionspapier: „Bessere Mobilität – für die Menschen, für die Umwelt, für Bayern“

https://www.bund-naturschutz.de/mobilitaet.html

Für Rückfragen:

Reinhard Scheuerlein
Regionalreferent
Telefon 0175 462 55 98
Mail: reinhard.scheuerlein@bund-naturschutz.de