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ICE-Trasse: BN fordert Bahnausbau In der Fläche statt Prestigeprojekte

Zusammen mit der 1992 gegründeten Bürgerinitiative "Das Bessere Bahnkonzept" hat der BUND Naturschutz in der Planungs- und Bauphase über 27 Jahre den Bau der ICE-Trasse (heute: Schnellfahrstrecke) zwischen Nürnberg und Erfurt kritisiert und dabei vor allem auf die nicht ausgleichbaren Schäden im Maintal, im Banzer Hügelland, im Lichtenfelser Forst, im Itztal, am Grünen Band und im Thüringer Wald und den exorbitanten Flächenverbrauch hingewiesen. Ebenso wurden die Kosten für den Bau der Schnellfahrstrecke und die Folgen für die Bahn im ländlichen Raum massiv angeprangert.

08.12.2017

Am 10. Dezember 2017 wird die Neubaustrecke zwischen Ebensfeld und Erfurt, die teuerste Bahnstrecke Deutschlands, in Betrieb gehen. Sie war das letzte noch fehlende Teilstück der neuen ICE-Trasse München-Berlin. Die schlimmen Befürchtungen der Verbände bezüglich des Flächenverbrauches, der Bauzeit (Fertigstellung ursprünglich 2008 geplant) und der Kosten haben sich nicht nur bewahrheitet, sondern sind sogar im negativen Sinne übertroffen worden.

Im Rahmen einer Pressefahrt zwischen Ebensfeld und Landesgrenze stellte der BUND Naturschutz die Bilanz der jahrzehntelangen Auseinandersetzung um dieses Verkehrsprojekt vor.

Die Schwarz-Gelbe Bundesregierung hatte 1991 die „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ ohne ein nachhaltiges Verkehrskonzept, ohne Alternativenprüfung und mit Rechtsabbau durch Beschleunigungsgesetze beschlossen. „Wie bei der Auseinandersetzung um den Rhein-Main-Donau-Kanal oder Stuttgart 21 setzten sich die Bauindustrie und einzelne Bauverwaltungen mit ihren milliardenschweren Wunschprojekten durch“, so der BN-Vorsitzende Hubert Weiger. „Die ICE-Trasse ist ein flächenfressendes, die Landschaft zerstörendes Prestige-Projekt, das mit mindestens 5,3 Milliarden Euro nicht nur extrem teuer ist, sondern den Ressourcenverbrauch weiter forciert. Die Chance, der Bahn Vorrang vor dem Flugverkehr und der Straße zu geben wurde politisch nicht genutzt. Das vom BUND und Bürgerinitiative vorgestellte „Bessere Bahnkonzept“ mit Ausbau, Modernisierung und kürzeren Neubauabschnitten, das erheblich mehr Menschen und Güter auf die Bahn gebracht hätte, hatte gegen die Gigantomanie keine Chance. Trotzdem war unser Einsatz nicht umsonst, weil wir in den Verfahren und auch vor Gericht einige Verbesserung durchsetzen konnten. Und heute stehen unsere Forderungen nach einer zuverlässigen Tür-zu Tür Verbindung und einem Deutschland-Takt auf der Schiene statt maximalem Tempo zwischen wenigen Metropolen ganz oben auf der politischen Agenda“, erklärte Hubert Weiger.

„Der Beschluss zum Bau der Schnellbahntrasse hat zur Folge, dass zwar wenige Oberzentren schneller erreicht, der ländliche Raum aber von der Bahn immer weiter abgehängt wird“, kritisierte der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner. Immerhin leben 75 Prozent der Bevölkerung in Orten mit weniger als 50 000 Einwohnern. Das Versagen der Verkehrspolitik wird schon daran deutlich, dass auf der Eisenbahnhauptstrecke kurz vor Bayreuth eine eingleisige, nicht elektrifizierte Schiene neben einer sechsspurigen Autobahn verläuft", so Mergner, der auch Sprecher des BUND-Arbeitskreises Verkehr ist.

„Als wir 1992 die Bürgerinitiative „Das Bessere Bahnkonzept“ als Dachverband von zehn bereits entstandenen Bürgerinitiativen gründeten, ging es uns um den gesamten rund 190 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Nürnberg und Erfurt. Es war früh erkennbar, dass hauptsächlich die Querung des Thüringer Waldes mit der Neubautrasse, aber auch das Zerschneiden der Landschaft in Oberfranken zwangsläufig mit gewaltigen Natureingriffen verbunden ist und die Trassenführung durch hochwertige Landschaften führt und so zu deren Zerstörung beiträgt. Aber auch in Fürth, Erlangen, Forchheim und Bamberg war absehbar, dass es zu massiven Eingriffen kommen werde. Wo die Baumaßnahmen bereits vollendet wurden, hat sich leider alles bewahrheitet", so der damalige Vorsitzende Heinz Schielein.

Es war absehbar, was nun im Rückblick Gewissheit geworden ist: wertvollste Kulturlandschaften und Biotopflächen wurden ohne Not für dieses Prestigeprojekt geopfert und sind unwiederbringlich verloren, nicht nur für Tiere und Pflanzen, sondern auch für Erholungssuchende und Naturliebhaber.

So gibt es 26 Jahre nach Verabschiedung des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit (VDE) im Deutschen Bundestag nicht nur keinen Anlass zum Jubeln, sondern ganz im Gegenteil die Feststellung: Die Trassenführung steht beispielhaft für ein unsinniges und naturzerstörendes Prestigeprojekt der damaligen schwarz-gelben Bundesregierung. Der politische Traum, einen Teil zu einer europäischen Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Palermo in Italien und Berlin beizutragen, wurde zum ökologisch-ökonomischen Alptraum.

Der BUND Naturschutz fordert, aus diesem erneuten Desaster endlich die Konsequenzen zu ziehen, auf flächenfressende Prestigeprojekte zu verzichten und sofort mit dem Flächensparen zu beginnen sowie außerdem auch bewusster mit den Steuergeldern der Bürger umzugehen, so wie der BUND Naturschutz es schon bei der Strecke München-Nürnberg richtigerweise gefordert hatte.

Die ICE-Neubautrasse ist ein ökologisches und ökonomisches Desaster und zugleich ein mahnendes Beispiel, das sich auf keinen Fall wiederholen darf. Feuchtgebiete, Heckenstrukturen, Wiesen, Äcker, Wälder sind verschwunden und somit auch der Lebensraum besonderer Tierarten. Planerische "Erfolge" haben nur dort stattgefunden, wo die Lebensräume erhalten blieben. Die Ausgleichsmaßnahmen sind sogar vollkommen hinter den Erwartungen der Planer selbst zurückgeblieben. Dies beweist, dass derartige Eingriffe nicht beherrschbar sind. Der BUNDN fordert die Bahn AG und die Bundesregierung auf, endlich ihrer Verantwortung für den Umweltschutz nachzukommen und einen Kurswechsel bei der Planung des Verkehrs der Zukunft einzuleiten, dem Streckenausbau in der Breite den Vorzug vor Hochgeschwindigkeitsstrecken und der Schiene absoluten Vorrang vor der Straße einzuräumen. Dies ist gerade im Hinblick auf andere geplante Großprojekte unabdingbar, da diese auch mit der angeblichen Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit gerechtfertigt werden.

Für Rückfragen:

Tom Konopka, Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken Telefon 0911 81878-14