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Zum Tag des Waldes am 21.3.; Der Wald stirbt von oben und von unten

Viele Wälder Bayerns sind stark geschädigt, deutschlandweit sind 600.000 Hektar abgestorben. Zum „Waldsterben von oben“ durch die Klimaerhitzung kommt ein „Waldsterben von unten“ durch Rehe und Hirsche, die den Waldaufwuchs regelrecht auffressen. BN fordert Jagdminister Hubert Aiwanger auf, junge Bäume besser vor diesem Verbiss zu schützen, weil nur dann klimaresiliente Wälder aufwachsen können.

19.03.2024

Die Waldschäden haben in Bayern in der Folge des Hitze- und Dürrejahr 2018 deutlich zugenommen. Nach dem Waldzustandsbericht 2023 sind fast 90 Prozent der Bäume geschädigt, über 38 Prozent weisen deutliche Schäden auf. „So sind im Frankenwald die Wälder auf etlichen 1.000 Hektar abgestorben. Siedlungen sind damit nicht mehr vor Hochwasser nach Starkregen geschützt“, so der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner. „Das hätte niemand noch vor wenigen Jahren für den kühlen und niederschlagsreichen Frankenwald so erwartet. Das kann bei einer ungebremsten Klimakrise überall in Bayern passieren. Was nicht wie im Frankenwald passieren darf, ist, dass es auf großen Flächen keine Waldverjüngung gibt, weil Rehe und Hirsche die jungen Bäume auffressen.“

Der BN fordert, die Wälder, insbesondere naturnahe Wälder und deren Böden, als Kohlenstoffspeicher bestmöglich zu erhalten. Dazu müssen neben einer naturnahen, schonenden Waldbewirtschaftung vor allem Wildbestände auf ein Maß reduziert werden, so dass der Wald von selbst wachsen kann. Vor allem müssen diejenigen Baumarten aufwachsen können, die an die Extreme der Klimakrise am besten angepasst sind. Dies sind vor allem Eichen, Buchen, Weißtannen, Ahornarten, Linden und Kirschen, die besonders stark vom Verbiss betroffen sind.

„Ich appelliere eindringlich an Jagdminister Hubert Aiwanger, die künftigen Rahmenbedingungen für die Abschüsse von Rehen und Hirschen so festzulegen und auch durchzusetzen, dass ein junger stabiler Mischwald ohne Zaun aufwachsen kann“, so Mergner. Etliche positive Beispiele in allen Regierungsbezirken zeigen, dass dies machbar ist, wenn die Abschüsse entsprechend deutlich erhöht wurden. So z.B. in der Jagdgenossenschaften Kay (Landkreis Traunstein), Wernfels (Landkreis Ansbach), Hartpenning (Landkreis Miesbach), Angersdorf-Lohbruck (Landkreis Rottal-Inn), in der Stiftung Juliusspital Würzburg (Landkreis Main-Spessart, Bad Kissingen), in den Stadtwäldern Bamberg oder Immenstadt oder auch in BaySF-Forstbetrieben wie Neureichenau, Ruhpolding oder Berchtesgaden. Aber in der Mehrzahl der Wälder und der Jagdreviere in Bayern funktioniert die Jagd nicht so wie sie sollte und damit gelingt auch die Waldverjüngung klimaresilienter Baumarten nicht.

Hintergrundinformation zur Waldverjüngung und Abschussplanung:
Aktuell nehmen in ganz Bayern die Forstbehörden die Waldverjüngung und die Verbissquoten nach Baumarten auf. Danach wird Anfang 2025 festgelegt, wieviel Rehe und Hirsche erlegt werden. Zuletzt wurde 2021 die Waldverjüngung durch die Forstbehörden auf über 21.000 Verjüngungsflächen mit über 2,1 Millionen Bäumchen untersucht. Für die Hälfte der 750 Hegegemeinschaften, zu denen die 12.000 Jagdreviere in Bayern zusammengefasst sind, wurde zu hoher Verbiss festgestellt. In vielen Fällen hat sich die katastrophale Situation seit vielen Jahren nicht gebessert.