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Der Wolf in Bayern, Deutschland und Europa

Einst war der Wolf das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde und auf der gesamten Nordhalbkugel beheimatet. Nachdem ihn der Mensch zu Beginn des 20. Jahrhunderts vielerorts ausgerottet hat, kehrt das geheimnisvolle Tier nun in viele seiner angestammten Lebensräume zurück. 

Es gibt endlich wieder Wölfe in Deutschland, hier zwei Welpen des sächsischen Seenland-Rudels
Endlich wieder zuhause in Deutschland: Zwei Welpen des sächsischen Seenland-Rudels (Foto: S. Koerner/lupovision.de)

Wie bei Bär und Luchs auch, ist die Geschichte des Wolfes eine Geschichte der Verfolgung und Ausrottung. Bis etwa zum 17. Jahrhundert besiedelten Wölfe ganz Europa, Asien, Nordamerika und Teile Nordafrikas. Doch mit der Entwicklung der Land- und vor allem der Herdenwirtschaft erging es ihnen wie den großen Kollegen Bär und Luchs: Sie wurden gnadenlos verfolgt.

Zugleich nahm ihre Beute, die wildlebenden Huftiere, durch die intensive Bejagung dramatisch ab. Seinen zahlenmäßigen Tiefstand erlebte der Wolf zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In vielen Gebieten West- und Mitteleuropas galt er als ausgerottet. Der letzte frei lebende Wolf in Bayern wurde schon 1882 im Oberpfälzer Fichtelgebirge geschossen. In Deutschland traf es das letzte Tier 1904 in der Lausitz.

Der Wolf in den Alpen und Bayern

In den italienischen und französischen Südalpen haben sich mittlerweile grenzüberschreitend etwa 35 Wolfsfamilien mit 200 bis 250 Tieren etabliert. Von diesem Vorkommen wandern immer wieder einzelne Wölfe nach Norden und Osten in den Alpenbogen hinein. In der Schweiz leben derzeit 15 bis 20 Wölfe (Stand: 8/2015). Der bayerische Alpenraum gehört also klar zu den möglichen und besonders geeigneten Wolfsgebieten. Auch aus anderen Bundesländern oder aus Osteuropa können Wölfe nach Nord- und Ostbayern zuwandern. Bayern ist damit Wolfserwartungsland.

Bisherige Wolfsbesuche in Bayern

2006 haben Experten den ersten Wolf in Bayern genetisch gesichert nachgewiesen. Es handelte sich um ein durchwanderndes Männchen aus dem Mittelmeerraum, das bei Starnberg überfahren wurde. Von Dezember 2009 bis Januar 2011 hielt sich dann ein männlicher Wolf italienischer Herkunft im Großraum Mangfallgebirge auf. Besuche und auch längere Aufenthalte des heimlichen Jägers finden in Bayern also regelmäßig statt: So registrierte das Landesamt für Umwelt (LfU) von 2006 bis 2014 insgesamt sieben Wolfsnachweise. In 2015 waren es dann allein bis Oktober fünf. Diese Zahlen legen nahe, dass immer öfter Wölfe ihre potenzielle neue Heimat Bayern erkunden. Ein standorttreuer Wolf, also einer, der sich über längere Zeit im gleichen Gebiet aufhält, ist derzeit in Bayern aber nicht bekannt (Stand: 9/2015). 

Der Wolf in Deutschland

Wölfe in Deutschland: Karte der nachgewiesenen Wolfsterritorien in der Bundesrepublik, Stand 2014/2015
Quelle: LUPUS – Institut für Wolfmonitoring und -forschung

Im Nordosten Deutschlands ist der Wolf mittlerweile wieder fester Bestandteil der Natur. Er ist seit Mitte der 1990er-Jahre aus Polen in die neuen Bundesländer eingewandert. Schon zuzeiten der DDR hatte es in dieser Region immer wieder Wolfsbesuche gegeben. Damals durfte der große Beutegreifer jedoch ganzjährig gejagt werden. Mindestens 28 Wölfe kamen so seit 1948 ums Leben. Erst mit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 genoss der Wolf in ganz Deutschland strengen Schutz. Seine Zeit war gekommen: Zehn Jahre dauerte es noch, dann kamen in Deutschland im Jahr 2000 nach mehr als 100 Jahren endlich wieder Wolfswelpen zur Welt.

Im letzten Monitoringjahr (2014/2015) wurden insgesamt 31 Wolfsrudel, acht Paare und sechs territoriale Einzeltiere in Deutschland nachgewiesen (siehe Karte). Diese verteilen sich auf sechs Bundesländer. Zehn Wolfsrudel und ein standorttreuer Wolf leben in Sachsen. Neun Wolfsterritorien liegen ganz im Freistaat Sachsen. Darüber hinaus sind zwei Territorien grenzübergreifend: eines zu Brandenburg und ein weiteres zur Tschechischen Republik. Drei Wolfsterritorien haben nur zu einem kleinen Teil ihr Gebiet auf sächsischer Seite und werden daher in den Nachbarländern.

In vielen anderen Bundesländern werden immer wieder einzelne, nicht standorttreue Wölfe gesichtet. So wurde beispielsweise im Juli 2015 in Baden-Württemberg der erste Wolf seit 150 Jahren nachgewiesen. Er wurde tot an der A5 bei Lahr gefunden.

Tendenz steigend

Die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Wölfe nach Deutschland einwandern, nimmt zu, denn es gibt immer mehr Wolfsnachweise in den Nachbarländern, etwa in Polen, Tschechien, Österreich und der Schweiz. Da Jungwölfe auf der Suche nach einem Partner und einem neuen Revier bis zu 1000 Kilometer zurücklegen, können Tiere aus Norditalien, Frankreich, der Schweiz, Slowenien, Kroatien, der Slowakei, Tschechien und Polen bei uns auftauchen. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat 2009 untersucht, welche Lebensräume in Deutschland sich für den Wolf eignen und berechnet, dass theoretisch etwa 450 Wolfsfamilien (Wolfsrudel) bei uns leben könnten.

Verbreitung weltweit und in Europa

In Nordamerika lebt der Wolf heute, teilweise stark gefährdet, nur noch in Alaska, Kanada und einigen US-Bundesstaaten. In Asien kommen die meisten Wölfe in den dünn besiedelten nordrussischen Regionen, aber auch in Indien, im Iran oder Himalaja vor.

In Europa dreht sich die Situation seit etwa 45 Jahren zum Guten: Wölfe leben mittlerweile wieder in allen Ländern mit Ausnahme der Beneluxstaaten, Dänemark, Ungarn und den „Inselländern“ Irland, Island, Großbritannien, Zypern und Malta. Inzwischen gibt es in Europa wieder etwa 20.000 Wölfe. Die Populationen erstarken und einzelne Wanderer erkunden neue Lebensräume, etwa im oberbayerischen Bergland. Die größte Population gibt es im Balkangebiet, in den baltischen Ländern, den Karpaten, in Spanien, gefolgt von Italien sowie Finnland, Schweden und Frankreich. Auch in einigen Nachbarländern Bayerns leben Wölfe, zum Beispiel in Österreich, der Schweiz und in Tschechien.

Insgesamt haben die europäischen Wölfe wieder die Chance, sich auszubreiten. Die Populationen in Spanien, Italien, Slowenien, Kroatien und der Slowakei nehmen zu. Das liegt vor allem am strengen Schutz, den das Tier mittlerweile in Europa genießt. Die meist hohen Schalenwildbestände (Rehwild, Rotwild, Schwarzwild) sorgen außerdem dafür, dass der Tisch für den Wolf vielerorts gut gedeckt ist. Weitere aktuelle Informationen zur Situation des Wolfes in Europa finden Sie über die Links am Ende der Seite.