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Stieglitz

 

Steckbrief der Woche: Stieglitz (Carduelis carduelis)

 

Klasse: Vögel (Aves)

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Finken (Fringillidae)

Körperbau und Merkmale

Der Stieglitz ist deutlich schlanker und mit zwölf Zentimetern auch kleiner als sein Verwandter der Spatz. Seine Flügelspannweite beträgt 21 bis 25 Zentimeter, bei einem Gewicht von 14 bis 19 Gramm. Er ist der farbenprächtigste Vertreter der Familie der Finken. In seinem Federkleid finden sich gelbe, rote, weiße und schwarze Federn. Die Altvögel sind durch ihre rote Gesichtsmaske, einem weißen Kopf und einem breiten gelben Streifen am Flügel gut erkennbar. Der Rücken ist hellbraun, der Bürzel weiß. Der gegabelte Schwanz ist schwarz mit weißen Flecken. Der Schnabel ist lang und spitz und ein passendes Werkzeug um an seine Leibspeise, Samen, zu gelangen.

 

Verbreitung und Lebensraum

Den Stieglitz findet man von Westeuropa bis Mittelsibirien, sowie in West- und Zentralasien.  Als Teilzieher überwintern die nördlichen Populationen des Stieglitzes in Süd- und Westeuropa, während die Populationen in den milderen Regionen nicht wandern. Der Stieglitz kommt außerdem auch in Südamerika, Australien, Neuseeland und einigen Inseln Ozeaniens vor – hier wurde er vom Menschen eingeführt.

Stieglitze brüten in lichten Laub- und Mischwäldern, auf extensiv genutzten Streuobstwiesen, Ruderalflächen, Feldgehölzen, Heckenlandschaften und an Flussufern. Wichtig für ihn sind freistehende Bäume und Samen tragende Pflanzen. Im Herbst und Winter ist er vor allem in offenen Landschaften mit stehengebliebenen Stauden, wie zum Beispiel Straßenrändern, zu finden. Im Winter hat man in Deutschland die größte Chance, einen Stieglitz zu Gesicht zu bekommen. Zu dieser Jahreszeit streifen die Stieglitze umher, oft in großen Gesellschaften mit Zeisigen.

 

Entwicklung/Fortpflanzung/Lebensweise

Im Februar oder März beginnen die Stieglitzmännchen mit ihrem Balzgesang. Einige Wochen später leitet dann das Weibchen die Balz ein. Nach der Paarung sucht das Weibchen zusammen mit dem Männchen geeignete Nistplätze und beginnt dann mit dem Bau des Nests. Die Weibchen bauen feste, dicht zusammengefilzte Nester hoch in den Kronen der Laub- und Nadelbäume, meistens auf Astgabeln in den Seitenzweigen. Das Weibchen legt fünf Eier und brütet 12-13 Tage. Es wird in dieser Zeit vom Männchen mit Nahrung versorgt. Die geschlüpften Jungvögel bleiben noch 13-15 Tage im Nest und werden mit Insekten, später auch mit halbreifen Samen gefüttert. Auch nach dem Ausfliegen füttern die Altvögel noch einige Tage. Stieglitze im Norden brüten einmal, Stieglitze im Süden brüten oft noch ein zweites Mal.

Das ganze Jahr über verhält sich der Stieglitz wenig territorial. So verteidigt er zwar den Nestbereich, jedoch kein Revier. Brutgruppen von drei bis fünf Paaren kommen häufig vor. Außerhalb der Brutzeit lebt er in kleinen Gruppen, aber auch in Schlafgemeinschaften mit bis zu 40 Exemplaren, die im Winter mit Schwärmen von Bluthänfling, Girlitz und Grünling vermischt sein können.

 

Nahrung

Der Stieglitz wird auch oft als „Distelfink“ bezeichnet. Hier kommt die Vorliebe des Stieglitzes für Distelsamen zum Ausdruck. Allerdings wurden in seiner Nahrung nicht weniger als 152 verschiedene Pflanzenarten nachgewiesen, darunter verschiedene Distelsorten, aber auch Hirtentäschelkraut, Wegerich, Vogelmiere, Knöterich und Sonnenblumen.  Der Stieglitz holt die Samen meist mit großem Geschick direkt aus den Samenständen der Pflanzen. Während der Brutzeit frisst er auch kleine Insekten, wie zum Beispiel Blattläuse. Er ist durch verschiedene Bewegungsweisen besonders an das Samenfressen angepasst – er pickt Nahrung vom Boden auf, er pickt kopfunter oder seitlich hängend, dünne Pflanzenstängel werden von unten angeflogen, kräftige Stängel werden erklettert. Weiche, unreife Samen werden mit dem Schnabel zerquetscht und sogleich gefressen. Reife Samen befreit der Stieglitz zuerst von den Hüllspelzen. Aus offenen Fruchtständen werden die Samen herausgepickt, etwas tiefer liegende Körner jedoch zuerst gepackt und dann herausgezupft. Bei fester sitzenden Samen erweitert er durch Hin- und Herbewegungen des Schnabels zunächst das Samenbett. Ganz umhüllte, versteckte Samen werden aufgemeißelt. Diese Technik müssen die Jungen erst von den Altvögeln lernen.

 

Gesang

Seinen Namen verdankt der Stieglitz seinem charakteristischem Ruf, einem durchdringendem „didelit“ oder „stigelit“. Der Gesang ist für die Markierung des Nestbereichs von Bedeutung, außerhalb der Brutzeit stärkt er den Zusammenhalt in einer Gruppe mit mehreren Männchen. Mit Ausnahme der Mauserzeit lässt der Stieglitz den Gesang das ganze Jahr über hören. Er wird meist von einer hohen Singwarte vorgetragen, selten im wenig ausgeprägtem Singflug. Der Gesang wird bereits in frühester Jugend durch den Vorgesang des Männchens geprägt.

Gefährdung/Bestand in Europa

Die europäische Stieglitzpopulation macht weniger als die Hälfte der weltweiten Bestände aus. Mit mehr als 12 Millionen Paaren in Europa ist dieser Bestand sehr groß. Da die Populationen im Ganzen stabil sind, wird der Bestand des Stieglitzes in Europa als sicher eingestuft. Auch die Welt Naturschutzunion (IUCN) stuft den Stieglitz als nicht gefährdet ein.

 

Weitere Infos/Übrigens/weiterführende Informationen/Wissenswertes

Der Stieglitz ist ein Symbol für Ausdauer, Fruchtbarkeit und Beharrlichkeit. Wegen seiner Vorliebe zu Disteln („Dornen“) ist er auch ein christliches Symbol für die Passion und den Opfertod Jesu Christi. Er ist Begleitvogel auf vielen Madonnenbildern, in denen er für das Vorwissen über die bevorstehende Kreuzigung steht.

Bis ins 20. Jahrhundert war er wegen seiner lebhaften Färbung ein beliebter Volierenvogel und wurde erst später durch exotische Vögel ersetzt. Im Mittelalter wurde der Stieglitz als Talisman zum Schutz vor der Pest verwendet.

 

Quellen

http://de.wikipedia.org/

http://www.natur-lexikon.com/

Steinbachs Naturführer „Landvögel“, Ulmer Verlag 2001