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Wasseramsel

 

Die Wasseramsel

Wasseramseln leben an schnell fließenden Flüssen und Bächen. Hier finden sie ihre Nahrung: im Wasser lebende Larven von Stein-, Eintags- und Köcherfliegen. Sie pirschen am Ufer entlang, schwimmen auf dem Wasser oder tauchen und laufen auf dem Gewässergrund, um an ihre Beute zu gelangen. Ihre großen, kräftigen Füße und Zehen erlauben einen guten Halt auf Steinen, auch in stärkerer Strömung.

Die Wasseramsel dichtet ihr Gefieder mit dem Sekret ihrer Bürzeldrüsen wasserundurchlässig ab. Die Tauchgänge können bis zu 30 Sekunden dauern und in eine Tiefe von 1,50m reichen. Unter Wasser öffnen Wasseramseln dann ihre Flügel und senken den Kopf gegen die Strömung; diese fließt über den Rücken des Vogels und drückt ihn so auf den Gewässergrund, während er unter Steinen und zwischen Wasserpflanzen nach Nahrung sucht.

Selbst sie Wintermonate verbringt die Wasseramsel in ihrem Brutrevier, zumindest solange die Bäche nicht zufrieren. Hier ist der Tisch für die Wasseramsel im Winter reich gedeckt, denn viele Bachinsektenlarven befinden sich auf dem Gewässergrund oder an den überströmten Steinen. Auch im Frühjahr steht genügend eiweißreiches Futter für die Aufzucht der Jungen zur Verfügung.

Wasseramseln sind extrem eng an ihren Lebensraum gebunden und nur selten abseits von Fließgewässern anzutreffen. Vorzugsweise besiedeln sie mindestens zwei Meter breite, schnell fließende, ganzjährig kühle, sauerstoffreiche und wenig verunreinigte Bäche und Flüsse mit kiesigem Grund, eingestreuten Felsbrocken und bewaldeten Ufern. Wichtig für eine Besiedlung ist außerdem ein ausreichendes Nahrungsangebot, das ganzjährig nur in sauberen Gewässern vorhanden ist. Überlebenswichtig sind geeignete Neststandorte, Sicherheit vor Hochwasser, ungestörte Übernachtungsmöglichkeiten sowie eine durchgängige, auch in trockenen Jahren vorhandene Wasserführung.

Brut
überdachten Moosnester bauen die Vögel in Höhlungen in der Uferböschung. Das Gelege besteht aus 4-5 Eiern, die zwischen März und Mai bebrütet werden. Die Jungen verlassen das Nest, bevor sie richtig fliegen können und werden von den Eltern noch weiterhin gefüttert.

Statur
Diese singdrosselgroßen (~18cm) Vögel der Fließgewässer erinnern in ihrer Gestalt an Zaunkönige, halten ihren Schwanz aber nicht gestelzt. Die Vögel lieben Wasserfälle, Strudel und steinige Ufer. Häufig lassen sie sich auf einem Felsen nieder, der aus dem Wasser ragt. Typisch dabei sind ihre knicksenden Bewegungen.

Schutz
Nachdem Abwässer aus der Industrie, Haushalten und Landwirtschaft effizient geklärt und dort, wo Fließgewässer und Auen renaturiert wurden, haben sich die Wasseramseln wieder in ihren Lebensräumen angesiedelt. Um den auch heute noch vorhandenen Mangel an natürlichen Bruthöhlen auszugleichen, werden erfolgreich halboffene Nistkästen unter Brücken aufhängt.
Gefährdung in Bayern: Rote Liste Bayern (2005): ungefährdet. Hauptgefährdungsursachen: verschmutzte und begradigte nahrungs- und strukturarme Fließgewässer


Quellen:

Vögel in Garten und Park, H.-M. Busch, 2005, BLV Buchverlag GmbH & Co. KG München; Singvögel, V. Straaß & C.-P. Lieckmann, 2005, BLV Buchverlag GmbH & Co. KG München; Vogelverhalten, S. Moss, 2004, Franckh-Kosmos Verlag GmbH & Co., Stuttgart; Die Kosmos Vogelenzyklopädie, P. Hayman & Rob Hume, 2003, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co., Stuttgart, Bundesamt für Naturschutz