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Teichelberg: Verheerender Angriff auf Naturwaldreservat abgewehrt

Der Hanklbrunnen sprudelt nicht mehr. Noch bis in die achtziger Jahre feierten die Mitterteicher dort das Hanklbrunnenfest und erzählten sich die Sage von den "Hankerln". Doch die gefasste Quelle am Fuße des Großen Teichelbergs ist trockengefallen. Ursache ist nicht der Klimawandel, es ist der riesige Steinbruch auf der anderen Seite des Teichelbergs, in dem die Basalt AG über viele Jahrzehnte Basalt abgebaut hat. So ist der Berg buchstäblich "ausgelaufen": Viel Wasser fließt nach der abgebaggerten und abgesprengten Seite ab. Nicht nur dem Hanklbrunnen, dem gesamten Teichelberg samt seinem wertvollen Naturwaldreservat "Gitschger" fehlt es an Feuchtigkeit.

In eindrucksvollen Broschüren preist sich die Basalt AG, die zum Neusser Werhahn-Konzern gehört, als ein Unternehmen, dem Natur und Ökologie am Herzen liegen. Biologinnen und Landschaftsökologen präsentieren darin attraktiv bebilderte Studien, die zeigen sollen, zu welchen Juwelen des Artenschutzes sich die aufgelassenen Steinbrüche und Abbauflächen entwickelt haben. Und der Vorstand wird nicht müde zu betonen, wie sehr ihm und seiner Firma die Umwelt am Herzen liegt. Nur in Fußnoten wird erwähnt, dass dies keine freiwilligen Leistungen sind: Aufgrund von Gesetzen und behördlichen Auflagen sind Steinbruchbetreiber zur Renaturierung ihrer Abbauflächen verpflichtet.

Die Kreisgruppe Tirschenreuth lernte die Basalt AG von einer anderen Seite kennen. Obwohl der Große Teichelberg als Naturschutzgebiet, FFH-Gebiet und Naturwaldreservat dreifach geschützt und eigentlich absolut unantastbar ist, versuchte die Basalt AG im Jahr 2010, durch die Hintertür des Bergrechts doch noch eine Abbaugenehmigung für weitere 37 Hektar zu bekommen – ein massiver Eingriff, bei dem die gesamte Bergkuppe abgetragen und das Kerngebiet des Naturwaldreservats zerstört worden wäre. Und das, obwohl sich in nächster Nähe am sogenannten Hirschentanz über 100 Hektar große Basaltvor-kommen befinden, mit deren Abbau die Naturschützer hätten leben können.

Der Antrag war der offene Bruch eines Kompromisses zwischen Basaltabbau und Naturschutz, auf den man sich Anfang der neunziger Jahre verständigt hatte. Damals waren der Basalt AG zum großen Bedauern des BN noch einmal 26 Hektar für den Abbau zugestanden worden, die verbliebenen 115 Hektar des Naturwaldreservats waren 1996 zum Naturschutzgebiet und 2006 auch zum europäischen FFH-Schutzgebiet erklärt worden. Die Berufung auf das Bergrecht war deshalb tückisch, weil das Bergrecht, noch aus Bismarcks Zeiten stammend, der Rohstoffsicherung Vorrang vor dem Naturschutz einräumt.

Für die Tirschenreuther Naturschützer war dieses Ansinnen ein Skandal, zumal sich die Flächen im öffentlichen Eigentum befinden. Sie protestierten heftig und beharrlich – über 20 Jahre lang. Gemeinsam mit den Bayerischen Staatsforsten führten sie alljährlich Wanderungen auf den Teichelberg und durch das Naturwaldreservat durch, für das normalerweise ein Betretungsverbot gilt. Damit wollten sie der Bevölkerung bewusst machen, welches Juwel da vor ihrer Haustür lag.

Josef Siller, der Vorsitzende der Kreisgruppe, nahm die Bayerische Staatsregierung in die Pflicht: "Wie kann der Freistaat Bayern es zulassen, dass auf eigenem Grund ein wertvolles Naturschutzgebiet zerstört wird?", fragte er öffentlich und warnte: "Wenn der Teichelberg fällt, dann ist kein Naturschutzgebiet mehr sicher." Für den BN-Landesverband machte Hubert Weiger klar: "Wir sind bereit, gegen jeden weiteren Basaltabbau durch alle gerichtlichen Instanzen zu klagen."


Arche Noah der Heimatnatur

Eine Arche Noah nennen die Naturschützer den Teichelberg, weil dort eine unglaubliche Zahl seltener, vom Aussterben bedrohter Arten versammelt ist: Nicht nur so prominente Arten wie Luchs und Wildkatze (mit zwei nachgewiesenen Familien), Schwarzstorch, Uhu, Hohltaube, Kleinspecht und sogar das Auerhuhn, auch unzählige Arten, deren Namen nur Experten kennen: 226 Nachtfalter und 229 Pilzarten, darunter viele Totholzbewohner, 411 erfasste Käferarten, 41 Schneckenarten, davon 12 auf der Roten Liste, weiter 40 verschiedene Waldvögel und 12 Fledermausarten, nicht zuletzt die seltene Bechsteinfledermaus. 

Damit ist der Große Teichelberg für den Artenschutz von nationaler Bedeutung: Für einige der dort lebenden Arten ist er sogar der einzige oder einer der letzten bekannten Lebensräume. Bereits 1978 wur-de dort das 68 Hektar große Naturwaldreservat "Gitschger" ausgewiesen. Seither wurde dort kein Baum mehr gefällt und kein Holz mehr entnommen. Etwa 100 Kubikmeter Totholz gibt es dort pro Hektar – im normalen Wirtschaftswald sind es etwa 5 Kubikmeter. Seine äußerst schutzwürdigen, von uralten Buchen geprägte Hangschuttwälder mit Eichen, Ahornen, Eschen und Linden zählen zu den wertvollsten und artenreichsten Naturwäldern weit und breit: Völlig absurd die von der Basalt AG ins Spiel gebrachte Vorstellung, hierfür ein "Ausgleichsszenario" zu entwickeln.

Nicht nur für den Arten-, auch für den Klimaschutz sind diese Naturwälder von großer Bedeutung. Wie die Förster Wolfgang Schödel und Markus Liegl von den Bayerischen Staatsforsten errechnet haben, sind in der Kernzone etwa 600 bis 700 Tonnen CO2 pro Hektar in den stehenden Bäumen gespeichert, weitere 100 Tonnen im Totholz. Mehr als die doppelte Menge ist darüber hinaus dauerhaft im Humus gebunden. Mit insgesamt rund 2.000 Tonnen pro Hektar liegt er damit am Maximum dessen, was ein alter Wald an Kohlendioxid speichern kann. Schon aus diesem Grund müssten alte Wälder eigentlich absolut unantastbar sein.

Mehr als 20 Jahre kämpften Josef Siller, der langjährige Kreisgruppen-Geschäftsführer Karl Paulus und die Tirschenreuther Naturschützer für die Integrität des Naturschutzgebietes. Der erneute Abbauantrag lag jahrelang beim Bergamt Bayreuth, und es war völlig unklar, wie die Sache ausgehen würde. Völlig überraschend kam im Sommer 2018 dann die Wende: Die Bayerischen Staatsforsten als Flächeneigentümer kündigten den Abbaupachtvertrag mit dem Basaltwerk Pechbrunn. Zum Ende des Jahres 2018 wurde der Betrieb dort eingestellt.

Seit dem Oktober 2018 führt die jährliche Wanderung, die der BN und die Bayerischen Staatsforsten weiterhin gemeinsam organisieren, statt durch die "Bedrohte Arche Noah" nun durch die "Gerettete Arche Noah". Auch hier gilt unser Dank all jenen, die mitgeholfen haben, die Zerstörung des überaus wertvollen Naturwaldreservats und seiner Artenvielfalt so lange aufzuhalten, bis die behördliche Einsicht nachgereift war.


Kleine Chronologie zu „Großer Teichelberg“

1978

Naturwaldreservat „Gitschger“: 69 ha

1996

Ausweisung als Naturschutzgebiet: insgesamt 115 ha

Letzter Kompromiss: 17 ha schützenwerte Waldfläche zum Abbau zugestanden

Das Basaltwerk hatte 15 Jahre Zeit zum Umzug zur Vorrangfläche für Basaltabbau beim nahen „Hirschentanz“.

2006

FFH -Gebiet: europäisches Schutzgebiet und Teil des Netzes „Natura 2000“

2011

Basaltwerk stellt beim Bergamt Nordbayern in Bayreuth den Antrag zur Erweiterung des Basaltabbaus: 37 ha Erweiterungsflächen liegen im rechtsgültig ausgewiesenen Schutzgebiet. Der BN lehnt dies entschieden ab!

Seit 2011 jährliche Exkursionen zur Sensibilisierung der Bevölkerung.

2018

Die Bayerischen Staatsforsten haben als Flächeneigentümer zum Ende des Jahres den Abbaupachtvertrag gekündigt. Das Basaltwerk Pechbrunn stellt am 31.12.2018 nach 130 Jahren Abbau den Betrieb ein.

2020

Festveranstaltung am 4. Oktober mit Prof. Dr. Hubert Weiger, den Bayerischen Staatsforsten und Naturschutzpartnern. Bis Ende 2020 soll für das 50 ha große Steinbruchareal ein Renaturierungsplan vorliegen.