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Wengleinpark: Naturschutz persönlich gestalten

Vor etwa 100 Jahren ließ Carl Wenglein in Eschenbach im heutigen Landkreis Nürnberger Land einen Naturpark anlegen. Besonders wichtig war ihm dort der Vogelschutz. In den 1960er-Jahren kaufte der BUND Naturschutz (BN) das Gelände, es wird seither von BN-Mitgliedern gepflegt und betreut.

Eines der ältesten Naturschutzgelände Bayerns geht auf die private Initiative des Schwabacher Fabrikanten Carl Wenglein (1882 – 1935) zurück: der Wengleinpark in der Hersbrucker Alb, genauer in Eschenbach 7 km nordöstlich von Hersbruck.

Die Spuren seiner Gedankenwelt begegnen uns gleich am Dorfrand von Eschenbach: Vor uns liegt leicht ansteigend der frühere Hutanger. Er war zu Wengleins Zeit in den 1920er-Jahren noch von Kühen beweidet, ein Teil der Landschaft, die Wenglein erhalten wollte. Rechts erheben sich ein ritterburgartiger Turm und eine massive Mauer aus mächtigen Steinquadern, von Wenglein selbst als „Heroldturm“ und „Basteimauer“ bezeichnet und gebaut, weil „eine schöne Landschaft der Gestaltung durch den Menschen bedarf.“

So dachte jedenfalls der erfolgreiche Industrielle. So handelte er auch, als er mit eigenen finanziellen Mitteln den Park im Umfeld der Sommervilla seiner Familie anlegte. Ursprünglich wohl zur Erholung seiner kranken Tochter geplant, wurde die Anlage nach und nach hangwärts zur Hochfläche der Alb auf etwa sechs Hektar erweitert.

Zur „Gestaltung durch den Menschen“ zählte auch das dichte Wegenetz, mit dem Wenglein seinen Park ausstattete, ebenso wie die zahlreichen Ruheplätze, die Aussichtspunkte, die Hütten im „Berchtesgadener Stil“ und das Alpinum.

Herangehensweise an den Artenschutz bisweilen zweifelhaft – Highlight Vogelparadies

Er scheute sich nicht, dafür Pflanzen aus den Alpen, aber auch aus entfernteren Gebirgen bis nach Usbekistan ausgraben und in seinen Park einpflanzen zu lassen. Dies brachte ihm auch damals schon die Kritik von Fachleuten bis hin zu gerichtlichen Auseinandersetzungen ein. Selbst Gämsen wollte er ansiedeln, was ihm dann schließlich untersagt wurde.

Doch er bemühte sich auch um heimische Arten. So wollte er den selten gewordenen Apollo-Falter wieder ansiedeln, indem er die Plätze mit den Futterpflanzen besonders pflegte und Raupen aussetzte, ein Versuch, der leider nur anfangs von Erfolg gekrönt war. Auch das Anpflanzen seltener Orchideen und Alpenpflanzen, das uns heute absurd erscheint, betrachtete er als Schutz vor dem Aussterben dieser Arten.

Besonders am Herzen aber lag ihm der Vogelschutz, den er als notwendig für das Weiterbestehen der Menschheit hielt. „Sieben Jahre ohne Vögel bedeutet die Vernichtung der menschlichen Rasse“ ließ er im Berchtesgadener Anzeiger am 20.4.1933 veröffentlichen. Mit vielerlei Nisthilfen und Futtereinrichtungen schuf er ein wahres Vogelparadies. Von 43 Vogelarten wurde berichtet.

Seinen Park nannte der Naturmäzen durchaus selbstbewusst „Carl-Wenglein-Naturschutzgelände Eschenbach“. Den verschiedenen Plätzen und Bauten gab er Namen von Familienmitgliedern, Freunden, bekannten Persönlichkeiten oder Bezügen zu seinen Fabriken. Er sorgte auch dafür, dass über seinen Park in Zeitungen und Illustrierten positiv berichtet wurde, schrieb selbst Artikel oder setzte Freunde dafür ein. So wurde Eschenbach mit seinem Naturschutzgelände als „Vogeldorf“ ein beliebtes Ziel für Touristen, die von weit her mit Postbussen anreisten.

Wenglein war das nur recht. Er wollte seine Erkenntnisse ja den Menschen nahebringen und hielt dazu seinen Park für sie offen. Angeblich saß er an Sonntagen oft versteckt im Heroldturm und zählte die Besucher in seinem Park.

Als Carl Wenglein 1935 starb, begann der Verfall seines Naturschutzgeländes. Der BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN) kaufte den Wengleinpark 1966. Seit 1976 betreut die Hersbrucker Ortsgruppe das Gelände zusammen mit dem „Naturschutzzentrum Wengleinpark e.V.“, der aus der Ortsgruppe hervorging.

Hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter stellten einen Teil der Wege wieder her und setzten die Hütten instand, die zunehmend verfielen. Geld für die Erhaltung stellt der BN zur Verfügung. 1987 wurde das „Naturschutzzentrum Wengleinpark“ als Bildungsstätte eröffnet, die vor allem für Kinder- und Jugendgruppen sowie zur Lehrerfortbildung dienen soll.

Mit freundlicher Genehmigung des Bergverlags Rother entnommen aus dem Wanderführer "Gerettete Landschaften" von Winfried Berner und Ulrike Rohm-Berner

Weitere Informationen von der BN-Kreisgruppe Nürnberger Land