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Artenschutz und Biodiversität in Bayern

Auf der ganzen Welt schwindet die Artenvielfalt. Biotop- und Artenschutz sind unerlässlich, um einen funktionsfähigen Naturhaushalt zu erhalten. Dabei geht es nicht um verträumte Naturromantik, sondern um die grundsätzliche Sicherung der Lebensgrundlagen auf diesem Planeten, inklusive der Renaturierung von Ökosystemen und der Wiederansiedlung von Tier- und Pflanzenarten.

Das Aussterben von Arten hat sich in den vergangenen zwei Jahrhunderten drastisch beschleunigt.

Das weltweite Aussterben von Tier- und Pflanzenarten ist vielfach dokumentiert und belegt. Ebenso unstrittig ist die Tatsache, dass in erster Linie menschliches Verhalten für den Rückgang verantwortlich ist. Aktuell sterben jeden Tag 20 bis 50 Arten aus. Diese Entwicklung ist für Experten nur mit dem Massensterben vor 250 Millionen Jahren vergleichbar, als etwa 90 Prozent aller damaligen Arten ausstarben, sowie mit dem Wechsel von Kreidezeit zu Tertiär vor rund 65 Millionen Jahren – damals konnten die Dinosaurier nicht überleben.

Für das Leben und Überleben auf dem Planeten Erde ist die Biodiversität ein unverzichtbarer Faktor. Zum Begriff „Artenschutz“ mögen einem als Erstes das afrikanische Breitmaulnashorn oder die Wiederansiedlung der Wildkatze in Bayern in den Sinn kommen, doch es geht um viel mehr: In einem Ökosystem hat jede Art seinen Platz, ob Pflanze oder Tier, der Ausfall einer Art zieht stets größere Kreise und wirkt sich auf andere Arten aus. Die Gesamtheit der Folgen ist kaum abzuschätzen, die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes zu erhalten ist jedoch nicht nur Voraussetzung zum Erhalt der Lebensgrundlagen des Menschen (von Ernährung bis zu Medikamenten) sondern auch eine moralische Verpflichtung. Artenschutz fokussiert auf die größten Gefährdungspotenziale für die Biodiversität:

  • Lebensraumverlust
  • Zerschneidung von Lebensräumen
  • Landwirtschaft
  • Forstwirtschaft
  • Eintrag von Nähr- und Schadstoffen
  • Invasive Arten
  • Klimawandel

Was ist Artenschutz?

Der Artenschutz dient dem Erhalt der biologischen Vielfalt und umfasst alle naturschutzrechtlichen und pflegerischen Maßnahmen um gefährdete oder bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu schützen. Eine Nachbardisziplin ist der sogenannte Biotopschutz zur Erhaltung der Vielfalt an Ökosystemen. Durch Arten- und Biotopschutz soll das Artensterben aufgehalten werden. Wichtig: Beim Artenschutz geht es nicht um einzelne Pflanzen- oder Tierindividuen, sondern um den Erhalt von Populationen – die in aller Regel wild vorkommen. Artenschutz unterstützt den „Schutz der genetischen Vielfalt“, wie er zum Beispiel auch über Saatguttresore oder Zuchtprogramme in zoologischen Gärten verfolgt wird, er ist aber nicht sein Hauptanliegen.



Vom internationalen Abkommen bis zum lokalen Einsatz

„Think globally, act locally“ lautet auch die Devise für wirksamen Artenschutz. In den Weltmeeren und dem tropischen Regenwald mag die höchste Artendichte zu finden sein, doch beim Artenschutz geht es um jede Region. Schließlich sind die meisten Arten auf bestimmte klimatische und geografische Lebensräume angewiesen. Das Bundesamt für Naturschutz zählt für Deutschland 30 Hotspots der Artenvielfalt, die elf Prozent der Landesfläche ausmachen, fünf Hotspots liegen in Bayern. Diese mögen im besonderen Fokus von Artenschutzmaßnahmen stehen, doch auch die übrigen Biotope – die mitunter sehr klein sein können – dürfen nicht aus dem Blick geraten. Zu den Instrumenten für den Artenschutz zählen daher neben dem Schaffen von Naturschutzgebieten oder Nationalparks, der Renaturierung und Wiederansiedlung auch planerische Instrumente wie Umweltgutachten oder wissenschaftliche wie die Biotopkartierung. Artenschutz ist auf jeder Ebene zu finden, er umfasst:

  • Internationale Vereinbarungen wie das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (1973), die Ramsar-Konvention (1971) oder die Alpenkonvention (1991)
  • Europäische Gesetzgebung wie FFH-Richtlinie und Natura 2000
  • Nationale Gesetze wie das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)
  • Gesetze der Bundesländer wie das Bayerische Naturschutzgesetz (BayNatSchG) oder der Alpenplan
  • Förderprojekte unter anderem von Ministerien, Naturschutzzentren oder NGO, etwa der Glücksspirale
  • Ehrenamtliche Arbeit in Naturschutzorganisationen wie dem BUND Naturschutz, von der Krötensammelaktion bis zur Öffentlichkeitsarbeit