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Vom Umgang mit "Unkraut"

Das liebe „Unkraut“ bringt so manchen Gartenbesitzer auf die Palme: Schon wieder kämpft sich der Ampfer durch die Betonsteinplatten, im Kies sprießen kleine Gräser und rund um die Sträucher zieht der Giersch seine Spuren. Was also tun, wenn wir nicht zur Giftspritze greifen wollen? Welche Alternativen gibt es? 

Huflattich (Foto: Tobias Erras/BN)

Haus- und Kleingärtner hantieren eifrig mit der Giftspritze: Über 500 Tonnen Pestizide werden in Deutschland in privaten Gärten verteilt. Das besondere Problem dabei ist, dass es keine behördliche Kontrolle gibt. Eine Überdosierung nach dem Motto „Viel hilft viel“ ist trotz Haushaltspackungsgröße leicht möglich und kann fatale Folgen für die nähere Umwelt haben.

Wildpflanzen haben im Garten eine große Bedeutung

Eine Fülle von Tierarten ist auf das so genannte „Unkraut“ angewiesen. Der Begriff an sich ist irreführend, denn jede Pflanze hat im natürlichen Wirkungsgefüge ihren Platz und damit ihre natürliche Daseinsberechtigung. „Unkraut“ an sich gibt es also nicht. Stattdessen finden andere Lebewesen im „Unkraut“ Wohn- und Rückzugsraum und nutzen es als Nahrungsquelle.

So ernähren sich beispielsweise die Raupen des beliebten Tagpfauenauges fast ausschließlich von Brennesselblättern. Ganz einfach ausgedrückt heißt das: Gibt es  keine Brennesseln mehr, verschwindet auch das Tagpfauenauge. Es ist also immer ein Dienst an der Artenvielfalt, im eigenen Garten wilden Pflanzen Lebensraum zu bieten, sei es auch lediglich in einer kleinen Ecke am Gartenrand.

Doch können auch Sie direkt von diesen Pflanzen profitieren: Die jungen Blätter von Brennessel und Giersch können als Spinat zubereitet werden, Gänseblümchenblätter sind z.B. schmackhafte Beikräuter im Salat. Auch sind viele Wildkräuter wie Klatschmohn, rote Taubnessel und Löwenzahn bunte Tupfer unter Sträuchern in Blumenbeeten oder zwischen Gemüse und somit auch ästhetisch ein Gewinn. 

Deshalb halten Sie vor jedem Griff zur Giftspritze kurz inne: Wo muss der Bewuchs wirklich entfernt werden, wo hat er Platz und trägt zur Verschönerung und zum Blühangebot bei? Ist der eine oder andere „Farbklecks“ im Rasen nicht sogar eine optische Bereicherung und wäre es nicht auch  wünschenswert, wenn Wildpflanzen  viele Schmetterlinge in Ihren Garten locken würden? 

Wenn doch einmal Pflanzen weichen müssen

Tagpfauenauge auf Aster (Foto: murxxx/clipdealer.de)

Dann verwenden Sie auf keinen Fall „Unkraut“-Vernichtungsmittel! Solche "Herbizide" zerstören nicht nur die Vielfalt, sondern schädigen auch die Umwelt und letztlich Sie selbst als Anwender. Insbesondere glyphosathaltige Mittel wie „Roundup“ und andere Unkrautvernichter sind in den letzten Jahren zunehmend in Verruf geraten. Die Herstellerfirmen und die Zulassungsbehörden sagen zwar, diese Mittel seien nicht gesundheitsschädlich. Eine Vielzahl unabhängiger Studien zeigt aber, dass sie es sehr wohl sind. Dem Einsatz dieser umwelt- und gesundheitsschädlichen Stoffe kann man jedoch mit naturverträglichen Alternativlösungen einfach aus dem Wege gehen: 

  • Bepflanzung sensibler Bereiche: Eine gute Möglichkeit, zu verhindern, dass Fugen und Rillen z.B. bei Garagenauffahrten von Wildpflanzen bewachsen werden, ist es, diese Rillen mit trockenheitsresistenten und trittfesten Arten zu bepflanzen. Während in einer Zwischenraumbefüllung aus Kies oder Sand relativ bald Wildpflanzen Einzug finden werden, können robuste Pflanzen wie etwa Fetthennen die hier unerwünschten Wildarten zurückhalten. Geeignete Unterarten dieser Pflanzengattung sind beispielsweise Exemplare mit wohlklingenden Namen wie Oregon-Fettblatt (Sedum oreganum), Felsenfetthenne (Sedum rupestre), Silberspatel-Sedum (Silberspatel-Sedum) und  Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre). Diese können in fast jedem Gartenfachmarkt erworben werden. Vor allem bei größeren Flächen wäre eine Bepflanzung durch Bodendecker sowohl zielführend als auch optisch sehr ansprechend.
  • Handarbeit: Unerwünschten Pflanzen kann man natürlich auch ganz klassisch durch Jäten zu Leibe rücken. In Einzelfällen ist auch Abflammen eine Option zur Pflanzenbeseitigung, die dem Versprühen von Pestiziden auf jeden Fall vorzuziehen ist.
  • Bodenabdeckung: Bereiche z.B. unter Hecken können mit Rindenmulch oder Stroh befüllt werden, dieser lässt nur wenige Pflanzen durchkommen, verbessert als natürlicher Dünger die Bodenqualität und speichert gleichzeitig Feuchtigkeit.
  • Der Verbreitung im Garten vorbeugen: Wild wachsende Pflanzen, die man dort nicht haben möchte, sollte man noch vor ihrer Blüte abjäten, so dass sie sich nicht im nächsten Jahr durch Samenflug weiter im Garten ausbreiten können. Falls man nicht viel Zeit hat, kann man auch einfach nur die Blütenköpfe der jeweiligen Pflanze abzupfen.
  • Konkurrenzfähige Arten: Sät man Rasensorten an, die sehr durchsetzungsfähig sind, spart man sich das Bekämpfen von Unkraut, da es der Rasen gar nicht erst hochkommen lässt. Hierfür geeignet wäre beispielsweise das Deutsche Weidelgras (Lolium perenne), das auch auf Sportplätzen Verwendung findet.
  • Wenn Sie Flächen neu anlegen, können Sie im Boden ein Unkrautvlies verlegen, dass das Wachstum an der betreffenden Stelle verhindert.