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Wie der BN den Europäischen Frauenschuh schützt

Ob Flächenkauf, Biotopflege, Kartierung oder das Ausarbeiten von Schutzkonzepten: Der BUND Naturschutz hat schon viel für den Schutz der schönen Frauenschuhorchidee erreicht.

Ihren Spenden ist es zu verdanken, dass der BUND Naturschutz (BN) immer wieder Biotopflächen kaufen kann, um Pflanzen wie den Europäischen Frauenschuh – so wird der Gelbe Frauenschuh auch genannt – bestmöglich zu schützen. Überall in Bayern pflegen BN-Aktive in unermüdlicher ehrenamtlicher Arbeit diese Flächen.

So braucht der Frauenschuh beispielsweise eine ausreichende Menge an Licht. Im Halbdunkel gedeiht er nicht. Deshalb müssen Wiesen ein- bis zweimal pro Jahr gemäht oder sehr schonend beweidet werden. Maßnahmen wie dieser widmeten unsere Ehrenamtlichen unzählige Stunden. Und auch in seiner umweltpolitischen und Öffentlichkeitsarbeit leistet der BN eine ganze Menge für den Europäischen Frauenschuh: So kommt der jahrzehntelange Einsatz für die frei fließende Donau selbstverständlich auch den entlang des Flusses vorkommenden Orchideenbeständen zugute.

Ebenso wie die „Wiesenmeisterschaft“, bei der jedes Jahr Landwirte dafür geehrt und darin unterstützt werden, buntes und artenreiches Grünland zu pflegen. Auch das Grüne Band, dem vom BN wesentlich mitinitiierten Biotopverbund entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, ist Heimat vieler Frauenschuhvorkommen.

Der Europäische Frauenschuh in Oberfranken

Neben diesen übergreifenden Artenschutzprojekten gibt es in verschiedenen Regierungsbezirken auch Projekte, die sich ganz speziell dem Schutz des Gelben Frauenschuhs widmen. So hat die Kreisgruppe Bayreuth im Jahr 2011 mit finanzieller Unterstützung durch die Glücksspirale das Projekt „Frauenschuh in Oberfranken und Klimawandel“ gestemmt. Peter Ille, Diplomgeograf und Geschäftsführer der Kreisgruppe, hat für die Studie die botanische Literatur für Oberfranken von 1798 bis heute nach Vorkommen dieser Orchideenart ausgewertet. Er suchte die bekannten Wuchsorte auf, bewertete ihren Zustand und leitete daraus ab, wie diese zukünftig am besten gefördert und gepflegt werden sollen. Bei der Untersuchung ging es aber auch darum, den zukünftigen Einfluss des Klimawandels auf diese spezielle Pflanze einzuschätzen.

Die von Peter Ille an den einzelnen Wuchsorten angelegten Pflanzenlisten zeigten, dass der Frauenschuh wahrscheinlich auch bei weiterem Ansteigen der Temperaturen noch Ende unseres Jahrhunderts in Oberfranken vorkommen wird. Dies war fraglich, weil der Europäische Frauenschuh ursprünglich eine Art der borealen Nadelwälder ist, also der nördlichsten Waldzone der Erde. Peter Ille: „Neben anderen Faktoren wird es aber in erster Linie darauf ankommen, ob es gelingt – weltweit und schnell – die anthropogene Emission von Treibhausgasen merklich zu reduzieren. Waldbauliche Maßnahmen, zum Beispiel initiiert von einem Gebietsbetreuer, könnten in den nächsten Jahrzehnten flankierend sehr hilfreich sein.

Es ist kein Wunder, dass dem BN in Bayreuth diese wichtige Arbeit übertragen wurde. Schon seit Mitte der 1990er-Jahre betreut die Ortsgruppe Betzenstein-Plech den größten Wuchsort des Frauenschuhs in Oberfranken. Mit großem Erfolg: Durch gezielte Pflege konnten die Aktiven die Anzahl der Blüten dort von 400 auf 1.200 steigern. Einen weiteren Wuchsort im südlichen Landkreis Bayreuth kaufte der BN mithilfe des Landratsamtes Bayreuth. Auch dort hat sich durch die gute Biotoppflege die Anzahl der Pflanzen in den letzten zehn Jahren mehr als verzehnfacht.

Schutz des Europäischen Frauenschuhs in der Oberpfalz

In den Wäldern des Oberpfälzer Juras befinden sich Frauenschuhstandorte mit überregionaler Bedeutung. Darüber gab es jedoch lange Zeit kaum Aufzeichnungen, weil Kartierungen im Wald eine Ausnahme darstellen. Die BN-Kreisgruppe Amberg-Sulzbach hat – ebenfalls mit finanzieller Unterstützung der Glücksspirale – die Vorkommen in den Gemeinden Birgland, Illschwang und Ammerthal erstmalig kartiert, umfassend dargestellt und Vorschläge für die Pflege formuliert. Alle Fundorte wurden mittels GPS vermessen und weitere Daten, wie Exposition, Begleitvegetation und Waldstruktur in Standortdatenbögen erfasst.

Insgesamt konnten, auch durch die Mitarbeit des Arbeitskreises Heimische Orchideen, 45 Standorte mit über 8.200 einzelnen Pflanzen aufgenommen werden. Die neuen Informationen stehen nun der Naturschutzbehörde und dem Landschaftspflegeverband für einen besseren Artenschutz zur Verfügung. Sie ermöglichen ihnen, alle Standorte hinsichtlich ihrer Entwicklung zu beobachten und bei einer Verschlechterung, beispielsweise durch Nutzungsänderung in der Forst- oder Landwirtschaft, „Orchideentourismus“ oder Verschattung, rechtzeitig entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Funpark Isartal?

Auch in Oberbayern ist der BUND Naturschutz für den Schutz des Europäischen Frauenschuhs aktiv. Sorgen machen der Kreisgruppe München die Bestände im stark frequentierten Isartal. Das tief in die Landschaft des Voralpenraumes eingeschnittene Tal südlich von München ist eine Schatzkammer der Natur. Der Fluss wird von Schluchtwald- und Auwaldgesellschaften begleitet, in denen viele Tierarten und eben auch seltene Orchideen wie der prächtige Frauenschuh vorkommen. In den kühlen Hangwäldern mit ihren Nagelfluhfelsen haben sich uralte Buchenbestände erhalten, wie es sie sonst nur an noch wenigen Orten in Bayern gibt.

Das Isartal ist für viele Bewohner von Stadt und Landkreis München aber auch ein hoch attraktiver Erholungs- und Freizeitraum. Die Belastung wächst kontinuierlich mit der steigenden Einwohnerzahl. Einfache, natur- und landschaftsverträgliche Erholungsformen wie Joggen, Wandern oder Spazierengehen stellen in der Regel kein Problem dar. Dagegen hat das private, in Vereinen und zunehmend auch kommerziell organisierte Mountainbiken abseits der befestigten Wege bereits große Schäden an Natur und Landschaft angerichtet. An vielen Stellen ist der gesamte ostseitige Talraum von wilden „Trails“ durchzogen. Ursprünglich schmale Fußgängerpfade wurden stark verbreitert, die bodennahe Vegetation zerschnitten oder verdrängt.

Deswegen fordern der BN und andere Münchner Naturschutzverbände:

  • Aufklärung der Bevölkerung
  • Sofortige Sperrung der „wilden“ Isartrails
  • Renaturierung der geschädigten Flächen
  • Verweis der Biker auf die vorhandenen, befestigten Wege mittels auffälliger Hinweistafeln und Flugblattaktionen
  • Direkte Information von Vereinen, in denen Mountainbiker organisiert sind sowie von Unternehmen, die Mountainbike-Touren im Isartal anbieten
  • Sofortiges Ende von Maßnahmen zur Verkehrssicherung entlang der Trails (Baumschnitte, Entfernen von Totholz)
  • Wirksame Kontrollen zur Einhaltung des Wegegebotes

Was Sie tun können

Nur wenn Frauenschuhvorkommen bekannt sind, können sie auch wirksam geschützt werden. Sollten Sie einen Wuchsort der seltenen Orchidee entdecken, geben Sie unseren Spezialisten beim BN einen Hinweis.