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Cypripedium calceolus: prächtigste Orchidee Bayerns

Die Blüte des Gelben Frauenschuhs kennt wohl jeder. Hier erfahren Sie mehr über die Lebensweise der schönen Blume.

Nicht ohne Grund hat der Gelbe Frauenschuh (Cypripedium calceolus) seine Blüte herausgeputzt. Der auffällig zitronengelbe, bauchige „Schuh“ – auch Labellum oder Lippe genannt – soll Bestäubern ein prall gefülltes Nektarsäckchen vortäuschen. Angelockt von diesem optischen Reiz und dem fein-süßlichen Duft, den die Orchidee verströmt, dringen hungrige Insekten in die Blüte ein. Doch statt der versprochenen Leckereien ist das Blütenblatt von innen mit einem feinen Ölfilm überzogen und spiegelglatt. Die Insekten rutschen in das Innere der sogenannten Kesselfalle hinein und kommen nicht wieder heraus – jedenfalls nicht über den Eingang.

An dieser Stelle greift die wilde Schönheit wieder tief in die Trickkiste: Sie eröffnet den Insekten einen Weg über den „Hinterausgang“. Dieser führt zunächst an der Narbe vorbei, die das Insekt quasi im Vorbeigehen bestäubt. Anschließend drückt sich die „Gefangene“ an den Staubblättern vorbei und bekommt auch noch neuen Pollen mit auf den Weg, bevor sie zur nächsten Blüte weiterfliegen darf. 

Die bestäubenden Insekten, meistens kleine, erdbewohnende Andrena-Sandbienen, werden übrigens nicht nur getäuscht, sondern auch betrogen: Die auf dem Blütenboden in Reihen angeordneten Haare wurden früher fälschlich als „Futterhaare“ gedeutet. Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass die Orchidee weder an den Haarreihen noch an anderen Organen der Blüte Zucker oder andere Nährstoffe anbietet. Zudem gehen die Insekten nicht nur leer aus, sie befinden sich oft auch noch in Todesgefahr. Im Kessel des Frauenschuhs lauern gerne Raubspinnen und warten auf Futter.

Samen, leicht wie der Wind

In Mitteleuropa beginnt die Blütezeit des Cypripedium calceolus Mitte Mai und dauert, je nach Standort, bis Ende Juni. Die Anzahl der Samen pro Blüte ist beeindruckend: In einer einzigen, vier bis fünf Zentimeter großen Kapselfrucht reifen zwischen 6.000 und 17.000 winzige, keimfähige Samen heran, die echte Flugweltmeister sind. Sie sind so leicht, das der Wind sie bis zu zehn Kilometer weit tragen kann.

Was lange währt, wird richtig gut!

Am neuen Wuchsort benötigen die kleinen Frauenschuhsamen Hilfe: Wegen der „Massenproduktion“ konnte die Mutterpflanze dem einzelnen Samen praktisch keine Nährstoffe mit auf den Weg geben. Unterstützung erhalten die Samen durch einen Wurzelpilz, einen Mykorrhizapilz der Gattung Rhizoctonia. Dieser stellt den kleinen Frauenschuhsamen die dringend benötigten Nährstoffe zur Verfügung. Doch gut Ding will Weile haben: Die Topmodels unter den Blühpflanzen lassen sich richtig viel Zeit. Erst nach drei bis fünf Jahren treibt aus der Sprossachse ein grünes Laubblatt. Diese Entwicklungsphase wird daher auch als Einblattstadium bezeichnet. Danach dauert es in der Regel weitere ein- bis vier Jahre, bis der Gelbe Frauenschuh seine Hauptattraktion, seine Blüten preisgibt. Die ausgewachsenen Pflanzen leben weitgehend unabhängig von Wurzelpilzen und ernähren sich autotroph, das heißt, sie gewinnen ihre Bau- und Reservestoffe ausschließlich aus anorganischen Stoffen, beispielsweise durch Photosynthese.

Cypripedium calceolus: Ein Leben im Untergrund

Als Orchidee gehört der Gelbe Frauenschuh zu den sogenannten ausdauernden krautigen, also nichtverholzenden Pflanzen. Der oberirdische Teil stirbt zum Ende der Vegetationszeit ab, aber die Orchidee kann über viele Jahre hinweg, zum Teil sogar über 20 Jahre lang, immer wieder neu austreiben und blühen, wenn die Bedingungen günstig sind. Im Gegensatz zu den meisten anderen Orchideenarten besitzt Cypripedium calceolus keine Knolle als unterirdisches Speicherorgan, sondern ein Rhizom, also eine unterirdische Sprossachse. Daher nennt man ihn auch Rhizom-Geophyt – ein Frühblüher (Geophyt), der über seine unterirdische Sprossachse im Frühjahr austreibt.  Die Sprossachse des Frauenschuhs vermag aber noch anderes: Bei günstigen Standortbedingungen kann sie mehrere oberirdische Sprosse bilden. Mithilfe dieser vegetativen Vermehrung kann eine einzige Pflanze größere Horste mit vielen Blüten bilden.