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Agrarausschuss des Landtags zum Wolf

Weidetierhalter brauchen pragmatische Lösungen statt politischer Stimmungsmache

28.02.2019

Gestern hat der Agrarausschuss des Landtags ein Fachgespräch zum Thema Wolf durchgeführt. Geladen waren wolfskritische Verbände aus der Landwirtschaft, aber keine Vertreter des Naturschutzes. „Genau eine Woche, nachdem Ministerpräsident Söder sich mit dem Runden Tisch anlässlich des Volksbegehrens zum Dialog zwischen Naturschutz und Landwirtschaft bekannt hat, gerät die Staatsregierung schon wieder ins alte Fahrwasser und lässt den Artenschutz außen vor. Es wäre auch beim Wolf besser, miteinander und nicht übereinander zu reden“, kommentiert Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz und weiter: „Statt wirkungslose Maßnahmen wie die Bejagung zu diskutierten, muss mit Nachdruck daran gearbeitet werden, die zusätzliche Last der Herdenschutzkosten von den Schultern der Weidetierhalter zu nehmen.“
Der Wolf ist eine streng geschützte Tierart, die ein Recht auf Heimat in Bayern hat. Das Nebeneinander von Wölfen und Weidetierhaltung ist möglich, ausreichend elektrifizierte Zäune bieten in der Regel bereits ab 90 Zentimeter Höhe einen guten Schutz vor Wolfsangriffen und Herdenschutzhunde sind auch dort einsetzbar, wo der Zaunbau erschwert ist. Wolfssichere Zäune verursachen allerdings deutlich höheren Arbeitsaufwand und damit Kosten bei Aufbau und In-standhaltung. Für die Förderung dieser Kosten durch Herdenschutz-Förderprogramme gibt es bisher von der EU kein grünes Licht. Der BN fordert von der Staatsregierung, sich dafür in Brüssel im Schulterschluss mit anderen Landes-regierungen sowie der Bundesregierung einzusetzen, statt für den Herdenschutz wirkungslose Alibi-Aktivitäten wie Bejagung und Bestandsregulierungen zu diskutieren.
Viele betroffene Weidetierhalter sind willens, ihre Tiere mit Zäunen und gegebenenfalls auch Herdenschutzhunden vor Wolfsangriffen zu schützen. Die auch durch die Landwirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte schwierige ökonomische Lage der Weidetierhaltung, insbesondere der Schafhaltung, lässt aber keine zusätzlichen Ausgaben für Herdenschutz zu. Die längst überfällige Förderrichtlinie für Präventionsmaßnahmen muss endlich kommen und die entsprechenden Mittel sofort bereitgestellt werden. Neben dem Geld fehlt aber bei vielen Tierhaltern auch das Herdenschutz-Know-How. Deswegen muss an den Landwirtschaftsäm-tern jetzt eine „Beratungsoffensive Herdenschutz“ gestartet werden.
Der Herdenschutz in den Alpen ist tatsächlich eine besondere Herausforderung, denn der Zaunbau ist dort vielerorts deutlich erschwert und z.T. nicht möglich. Auch in der Schweiz, wo man bereits auf mehrjährige Erfahrungen mit dem Wolf zurückgreifen kann, gelang der Aufbau eines erfolgreichen Herdenschutzsystems nicht von heute auf morgen. Umso wichtiger ist es, mit Maßnahmen wie verbesserter Zäunung, Behirtung, gelenkter Beweidung, der Zusammenlegung von Kleinherden und/oder dem Einsatz von Herdenschutzhunden so bald als möglich zu beginnen.
Der Abschuss von Wölfen ist kein Ersatz für Herdenschutzmaßnahmen. Auch der Ruf nach „wolfsfreien Zonen“ vor allem im Alpenraum löst keine Probleme bei einer Tierart, die in wenigen Tagen Hunderte von Kilometern wandern kann. Nur wenn keine vorbeugenden Lösungen möglich sind, ist im Einzelfall eine rechtlich und naturschutzfachlich vertretbare Entnahme von auf Weidetieren spezialisierten Wölfen als letztes Mittel möglich.

Für Rückfragen:

Uwe Friedel, BN-Artenschutzreferat, Tel. 0911/57529412, E-Mail: uwe.friedel@bund-naturschutz.de

Prof. Dr. Kai Frobel, BN-Artenschutzreferent, Tel. 0911/8187819, E-Mail: kai.frobel@bund-naturschutz.de

Anlagen:

Bilder von Herdenschutzmaßnahmen in den Schweizer Alpen.

Fotograf:

David Gerke · PM-99-18_Beispiel_Schweiz_Herdenschutz_Behirtung_c_

David-Gerke · PM-99-18_Beispiel_Schweiz_Herdenschutz_Zaun_c_David-Gerke