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BUND Naturschutz fordert Regierung und Kommunen zum Flächensparen auf

Die letzte Woche verabschiedete Änderung des bayerischen Landesplanungsgesetzes bringt nach Einschätzung des BUND Naturschutz in Bayern (BN) keine Fortschritte für den Flächenschutz. Im Gesetzesentwurf wird – wie im Koalitionsvertrag 2018 – nur eine Richtgröße für den Flächenverbrauch von 5 ha pro Tag bis 2030 formuliert. Eine verpflichtende Obergrenze wird es weiterhin nicht geben.

15.12.2020

„Boden ist als Ressource nicht vermehrbar, der rasante Flächenverbrauch schreitet voran. Die bayerische Staatsregierung muss nun von ihren reinen Absichtserklärungen wegkommen. Wir brauchen verbindliche Vorgaben, konkrete Maßnahmen und einen echten Willen, das Problem ernsthaft anzugehen“, so Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BUND Naturschutz.

Der Flächenverbrauch im Freistaat schreitet auf konstant hohem Niveau voran – derzeit rund 11 Hektar pro Tag – und bleibt eines der drängendsten Umweltprobleme, vor allem auch in Niederbayern.

Der Regierungsbezirk ist negativer Spitzenreiter in Bayern:

  • 2018 lag der Verbrauch in Niederbayern bei 770 ha, das sind pro Tag 2,11 ha – fast drei Fußballfelder pro Tag. Niederbayern verbraucht also allein schon knapp die Hälfte der für ganz Bayern vorgesehenen Fläche.
  • 2018 waren damit 11,3 % der niederbayerischen Fläche für Siedlung und Verkehr verbraucht, also vor allem für Industrie, Gewerbe, Straßen und Wohnbau.
  • Besonders viel Industrie und Gewerbefläche haben die Stadt Straubing, Stadt Passau, die Landkreise Dingolfing-Landau, Kelheim, Deggendorf und die Stadt Landshut – sie liegen in diesem Punkt über dem bayerischen und niederbayerischen Durchschnitt. (Quelle: Strukturdaten 2019 / 2020 der Regierung von Niederbayern)
  • 2019 verbrauchte ein Einwohner Niederbayerns durchschnittlich mehr als 6 Quadratmeter. Niederbayern ist damit besonders ineffizient beim Neuverbrauch. (Bayernweit: 3 Quadratmeter, Ländlicher Raum: 4,8 Quadratmeter, Quelle: Infos Flächensparoffensive des Bayerischen Landesamtes für Statistik)

Besonders angespannt ist die Situation im Bereich der Wohnbebauung. Trotz zahlreicher Leerstände und Baulücken in den meisten Kommunen, werden immer wieder neue Baugebiete auf Kosten von Natur und Ackerflächen ausgewiesen.

Der BUND Naturschutz fordert, dass das bayernweite Ziel auf die einzelnen Gemeinden heruntergebrochen werden muss. Die Kommunen sollen weiterhin eigenständig über ihre Entwicklung entscheiden können, müssen allerdings in eine enge Partnerschaft zum Flächenschutz geholt werden.

„Wir brauchen keine nach außen wuchernden niederbayerischen Dörfer mehr, die innen aussterben. Wir brauchen keinen zusätzlichen Verkehr zu Wohnungen und Häusern außerhalb unserer Dörfer. Wir brauchen starke Gemeinden mit einem aktiven Flächensparmanagement. Wir brauchen innovative Ideen und Maßnahmen zur Reduzierung des Flächenverbrauchs und zusätzliche Anreize durch die Staatsregierung. Und wir brauchen die Einsicht, dass Flächenschutz auch Klimaschutz bedeutet“, so Martin Geilhufe.

Die Ansätze für eine zukunftsgerichtete Flächennutzung sind Innenentwicklung vor Außenentwicklung, die Nutzung von Baulücken und Brachflächen statt neuer Ausweisungen, übergemeindliche Konzepte, Ankauf von innerörtlichen Grundstücken, Rücknahme von Bauflächen, Aufwertung von Ortskernen, kostenlose Sanierungsberatung und gute Konzepte für Dörfer mit abnehmenden Einwohnerzahlen.

Von der Bayerischen Staatsregierung erwartet der BUND Naturschutz außerdem – auch aufgrund der voranschreitenden Klimakrise – eine Transformation zu einer umweltfreundlichen Mobilitätspolitik, welche den Schwerpunkt nicht wie bisher auf Straßenneu und -ausbau setzt, sondern konsequent auf die Förderung des ÖPNV. Dies spart Fläche und schützt das Klima.

Verwendete Quellen:

Strukturdaten 2019 / 2020 der Regierung von Niederbayern:

https://www.regierung.niederbayern.bayern.de/media/niederbayern/zahlen_statistiken_karten/strukturdaten2020.pdf

Infos Flächensparoffensive des Bayerischen Landesamtes für Statistik

www.landesentwicklung-bayern.de/fileadmin/user_upload/landesentwicklung/Dokumente/Flaechensparoffensive/Infomails/FSO_Mailing2_Oktober2020.pdf

Für Rückfragen / weitere Informationen:

Rita Rott
Regionalreferentin des BN für Niederbayern
089 / 54 830 112
0175 / 355 9706
rita.rott@bund-naturschutz.de