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Grünland in Gefahr

Bund Naturschutz (BN) fordert einheitliche Flächenprämie, auch für Grünland und Ackerfutterbau

26.05.2003

Die von der EU-Kommission geplante Ausweitung der Milchmengen in Europa in Verbindung mit einer Senkung der Interventionspreise bei Molkereiprodukten wird zu einem weiteren Preisverfall bei Milch führen. Der Bund Naturschutz (BN) befürchtet als Folge dieser Entwicklung einen beschleunigten Strukturwandel bei kleinen und mittleren Milchviehbetrieben in Bayern. Als Folge der Betriebsaufgabe rechnet der BN mit einem drastischen Rückgang der Grünlandbewirtschaftung, was weitreichende negative ökologische Folgen hätte. "Wie es in der Milchwirtschaft weitergeht, ist deshalb eine zentrale Frage für den Naturschutz", so Prof. Dr. Hubert Weiger, Landesvorsitzender des BN. "Grünland hat eine große Bedeutung für den Artenschutz, für den Erosions- und Trinkwasserschutz, aber auch für die Kulturlandschaft und den Tourismus. Wenn der Erhalt von Grünland nicht durch Nutzung gesichert wird, sind auch alle Hochwasserschutzprogramme zum Scheitern verurteilt", so Weiger weiter.
Der Bund Naturschutz setzt sich deshalb gemeinsam mit anderen Umweltverbänden und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (abl) für eine ökologischere Ausrichtung der EU-Agrarpolitik ein. Hauptforderungen sind, die Benachteiligung von Grünland gegenüber Ackerkulturen aufzuheben und keinesfalls die Milchquote in der EU auszuweiten.


Prämiengestaltung der EU - Agrarpolitik

In den von der EU-Kommission Ende Januar 2003 vorgelegten Legislativvorschlägen zur EU-Agrarpolitik (Mid-term-review) wurden eine generelle Entkopplung der Direktzahlungen, Mittelkürzungen mit teilweiser Umwidmung für Agrarumweltprogramme (Modulation) sowie Veränderungen bei den Marktordnungen vorgeschlagen. Für den Milchmarkt ist die Richtpreissenkung für Magermilchpulver und Butter um insgesamt 28 % vorgesehen. 90 Prozent der bisherigen Prämien sollen in eine entkoppelte Betriebsprämie umgewandelt werden, die jedoch aus dem bisherigen Prämienvolumen der Betriebe abgeleitet werden soll.
Damit würde die vom BN schon bisher kritisierte ungerechte Verteilung der EU-Ausgleichszahlungen an große und an umweltbelastend wirtschaftende Betriebe fortgeschrieben. Der erosionsanfällige und düngungs- sowie spritzmittelintensive Maisanbau wurde bisher mit 474 "/ha unterstützt, während Grünland und Ackerfutterbau mit umweltschonendem Leguminosenanbau, wie z.B. Luzerne, mit ihren positiven Auswirkungen auf Bodenfruchtbarkeit, Grundwasserschutz und Artenvielfalt leer ausgingen.

So läge bei einer betriebsbezogenen Prämie auf Grundlage der letzten Jahre nach den Berechnungen der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Bayern die Prämienhöhe bei ca. 15 % der Referenzflächen bei einem Wert von über 600 "/ha, bei 5 % davon sogar über 800 "/ha, und in Ausnahmefällen sogar über 1.500 "/ha. Diese hohen Prämienansprüche haben bisher vor allem Betriebe mit Bullenmast auf der Basis von Maissilage erhalten.
Bei gleichmäßiger Prämienumrechnung auf alle Flächen unter Einbeziehung des Grünlandes ergäbe sich dahingegen im Durchschnitt des Bundesgebietes ein Zahlungsanspruch von 354 "/ha.

Würden die Prämienzahlungen regional statt betriebsbezogen eingesetzt und alle Flächen einbezogen, käme es zu einer Umverteilung der Fördermittel, die die 5 % der Bullenmastbetriebe besonders stark treffen würde. Stärkere Prämienzuwächse wären hingegen auf Grünlandstandorten mit geringerer Viehbesatzdichte zu erwarten.

Der BN fordert eine Neuverteilung der Prämien, um die Benachteiligung der ökologisch wertvolleren Grünland- und Mittelgebirgsregionen aufzuheben und die umweltabträgliche Intensivlandwirtschaft zu beenden. Die Zahlungen der EU sollen nach Auffassung des BN künftig an ökologische Mindeststandards gekoppelt werden, und in ihrer absoluten Höhe an die am Betrieb vorhandenen Arbeitsplätze ausgerichtet werden.




Anlage 1

Betriebsdaten Georg Lypold, Talweg 51, 96215 Mistelfeld

Biologische Bewirtschaftung seit 1982
56 ha, davon 29 ha Grünland
9 ha Kleegras
16 ha Getreide

Aussiedlung des Betriebs 1988 begonnen, 1992 beendet

ca. 28 Kühe mit Nachzucht

Milchleistung 4.600 l

Vermarktung als Biomilch an die Molkerei Coburg
Biozuschlag: ca. 3 " 4 Cent



Betriebsdaten Georg Lang, Stadtstr. 6, 96231 Wolfsdorf

32 ha, davon 10 ha Grünland
22 ha Ackerbau, Fruchtfolgeglieder Mais " Weizen im Wechsel
und Wintergerste mit Zwischenfrucht und Raps
1,5 ha Zuckerrüben

20 " 22 Kühe mit Nachzucht

Milchleistung 5.500 l

1,19 GV Viehbesatz/ha

Vermarktung an Molkerei Coburg



Anlage 2:

Die ökologische Bedeutung von Grünland

Artenvielfalt
Grünland gehört zu den artenreichsten Biotoptypen Mitteleuropas
Die standörtliche Vielfalt spiegelt sich durch über 70 unterschiedliche Grünland- Biotoptypen wieder. In Deutschland kommen auf Grünland im weitesten Sinn über 2000 Pflanzenarten vor, das sind mehr als die Hälfte aller Pflanzenarten, die in Deutschland vorkommen. Von den 870 gefährdeten Pflanzenarten sind fast 500 auf extensivem Grünland zu finden.
Mäßig intensive Nutzung fördert die Vielfalt an Pflanzenarten, während die intensive Nutzung zu artenarmen Einheitsgrünlandbeständen führt.

Landschaftsbild
Grünlandregionen sind mit ihrem typischen Landschaftsbild prägend für die Kulturlandschaft. Sie bieten auch die Grundlage für den Tourismus. Ohne die Tätigkeit des Landwirts könnte diese Kulturlandschaft nicht erhalten werden.

Erosions- und Bodenschutz
Grünland erfüllt wichtige Funktionen im Erosions- und Bodenschutz, vor allem in hängigen Lagen sowie in Überschwemmungsbereichen von Flusstälern .

Trinkwasserschutz
Durch das dichtes Wurzelgeflecht und die dauerhafte Pflanzendecke entstehen bei der Grünlandbewirtschaftung keine Nitratprobleme bei ordnungsgemäßer Bewirtschaftung. Im Grünland werden im Vergleich zu Ackerland nur sehr selten Herbizide eingesetzt. Andere Spritzmittel kommen so gut wie gar nicht zum Einsatz.
Grünland hat darüber hinaus eine wichtige Funktion bei der Grundwasserneubildung und Rückhaltung, (Hochwasserschutz) durch die Wasserspeicherkraft im Humus und damit einer verzögerten Wasserabgabe.

Gefährdung
Trotz der Agrarumweltprogramme ist das Grünland in den letzten 2 Jahrzehnten deutlich zurückgegangen
Seit 1970, d.h. in den vergangenen 30 Jahren wurden 40% aller Streuwiesen vernichtet.
1970 betrug die bayerische Grünlandfläche 1,5 Millionen Hektar, 1998 nur noch 1,2 Millionen ha, ein Rückgang um 300.000 ha.
Von 1998 bis 2001 ist ein weiterer Rückgang um ca. 50.000 Hektar zu verzeichnen.
Die Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenarten sind dramatisch (ANL) Mehr als 300 Pflanzenarten des Grünlands gelten als gefährdet.
Die auf den Wiesen brütenden Vogelarten stehen alle auf der roten Liste.
Selbst Kiebitz und Feldlerche, ursprünglich häufige und für das Grünland typische Arten, gingen alarmierend im Bestand zurück.
Durch Entwässerung, aber auch durch nicht standortgerechte Umbruch von Grünland in Hanglagen wurden wertvolle Lebensräume zu Gunsten betriebswirtschaftlicher Kalkulationen aufgegeben. Steigende Hochwasserschäden sind die Spätfolgen auf Grund unzureichender Überschwemmungsareale sowie den beschleunigten Abfluss großer Niederschlagsmengen.

Ursachen
Entwässerung, Aufdüngung, betriebswirtschaftliche Zwänge und Beratung zur Erhöhung der Milchleistung statt Steigerung von Qualität und stabiler Dauermilchleistung aus dem grundfutter
Grenzstandorte wurden aufgeforstet oder die aufwändige, personalintensive Nutzung wird aufgegeben, so dass es zur natürlichen Sukzession mit allmählicher Verbuschung kommt.
Silagenutzung und / in Verbindung mit Cobsproduktion hat zu immer früheren Schnittzeitpunkten geführt, was ebenfalls den Blumen und kräuteranteil reduziert hat
Direkter Flächenverlust durch Flächenüberbauung
Verinselung der Biotope


Aus Naturschutzsicht wünschenswert ist eine Kombination von intensiv und extensiv genutzten Grünlandstandorten.
Die extensiven Standorte können eiweiß- bzw. kräuterreiches "Medizinalfutter" liefern, und damit der Tiergesundheit und Fruchtbarkeit der Tiere dienen.
Sie bieten den Landwirten ein Zusatzeinkommen über Agrarumweltprogramme (Kulturlandschaftsprogramm, Vertragsnaturschutzprogramm)