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Auengrundstück am Sulzbach entwickelt sich schrittweise zum Naturjuwel

Im Rahmen einer Vorstandsbereisung in Niederbayern macht der Landesvorstand des BUND Naturschutz Bayern Halt am Sulzbach zwischen Emmersdorf und Uttigkofen. Dort entwickelt sich das 2020 angekaufte Grundstück zum Hotspot der Artenvielfalt. Erste Maßnahmen zeigen Wirkung.

03.11.2022

Auf dem knapp 7 Hektar großen Grundstück, das die BN Kreisgruppen Rottal-Inn und Passau mit großer Unterstützung der Kreisgruppe Dingolfing-Landau vor zwei Jahren mit Hilfe des Naturschutzfonds gekauft haben, soll die Natur Raum bekommen. Entstehen soll ein echter Rückzugsort für Pflanzen und Tiere im Landkreis Rottal-Inn – aber auch im Landkreis Passau, denn durch das BN-Grundstück verläuft die Landkreisgrenze. Die Pflege des BN wird von den Landschaftspflegeverbänden Rottal-Inn und Passau unterstützt und von der Regierung von Niederbayern gefördert.

„Hier ist Platz für eine der Feuchtflächen, die leider mit dem Druck der Nutzung und Intensivierung überall sehr selten sind. Dabei sind sie Gold wert. Hier bilden sehr unterschiedliche Bereiche auf kleiner Fläche ein echtes Lebensraum-Mosaik. Und zusätzlich besteht hier viel Möglichkeit, Wasser in der Fläche zu halten – das ist gut für die Grundwasserneubildung. Der Landkreis hat hier ein Naturjuwel, für das wir mit unseren Maßnahmen nur etwas Starthilfe leisten“, so Rudi Tändler, der im Auftrag der Kreisgruppen die Fläche managt und sehr viel Zeit im Auwald verbringt.

„So funktioniert Naturschutz in der Fläche. Die Entwicklung von kleinen Bächen und Gräben ist die sinnvolle lokale Ergänzung zur Renaturierung der großen niederbayerischen Flüsse wie Inn, Isar oder Donau. Unsere Kreisgruppen tragen hier zum Biotopverbund bei“, so Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz.

Die gekaufte Fläche soll nun schrittweise in den nächsten Jahren wieder zu einem naturnahen, kulturlandschaftlich vielschichtigen Auen-Lebensraum in allen Aufbau- und Zerfallsstadien entwickelt werden. Entscheidend ist dabei, dass die natürliche Dynamik des Wassers, die typisch und prägend für Auenbereiche ist, wieder wirken kann, sprich dass es unregelmäßig zu Überschwemmungen in der Fläche kommen kann. Die Voraussetzungen am Sulzbach sind gut: Der Bach ist weitgehend unverbaut mit Auwaldsaum und Hochstauden auf beiden Seiten, die Elemente einer klassischen Au sind mit Wiese, Wald und Wasser bereits vorhanden.

Bereits jetzt, nach nur zwei Jahren, ist es zu ersten positiven Entwicklungen gekommen und die ersten Maßnahmen haben sich schon auf der Artenliste niederschlagen: Waldschnepfe, Bekassine sind länger auf der Fläche zu beobachten. Neuntöter, Sumpfrohrsänger und Feldschwirl brüten konstant auf den Flächen. Schwarzstorch, Grau- und Silberreiher sind regelmäßige Nahrungsgäste im Gebiet. Sogar ein Halsbandschnäpper konnte 2022, leider nur zur Durchzugszeit, beobachtet werden.

Erste Erfolge zeigen sich auch in den dauerfeuchten Bereichen mit Großseggen. Hier haben die Aktiven gemäht und den über Jahrzehnte angesammelten Filz herausgerecht und abtransportiert. In den gepflegten Bereichen konnte daraufhin eine Zunahme der Individuen zweier seltener Gold-Hahnenfuß-Arten festgestellt werden – einer Pflanzenart, die ihren Schwerpunkt hier in der Region hat und für die daher eine besondere Verantwortung besteht.

Besonders erfreulich ist für Rudi Tändler auch: „Wir merken, dass wir auch mit den Leuten vor Ort und vor allem den Grundstücksnachbarn gut ins Gespräch kommen. Erste Befürchtungen, dass man die Fläche nicht mehr betreten darf, konnten wir ausräumen. Hier darf man die Fortschritte gerne beobachten. Und der eine oder andere freut sich, hier auch mal eine Bekassine oder einen Eisvogel in Echt zu sehen.“

Für die nächste Zeit gibt es für die Kreisgruppen und die Landschaftspflegeverbände genug zu tun. Zentral in der Mitte liegen zwei ehemals intensiv genutzte Fischteiche, die schrittweise für Amphibien, Reptilien und Insekten, wie etwa Libellen, verbessert werden. Es entstehen unterschiedlich steile Uferböschungen, flachere und tiefere Wasserbereiche, die mit Anschüttungen in Hochstauden-, Großseggen- und Feuchtwiesenbereiche übergehen. Eine Vielfalt an Lebensräumen, die für eine Vielfalt an Wassertieren und Pflanzen attraktiv werden wird. Eisvogel, Mehlschwalbe und Uferschwalbe etwa sollen hier Lebensraum und Nahrung finden.

Aus dem Auwald sollen fremdartige Gehölze wie Fichte oder Balsapappeln und der Knöterich entfernt werden. Was aber bewusst stehen und liegen bleibt ist Totholz. Denn der nutzungsfreie, sehr alte Baumbestand speichert viel CO2 über lange Zeiträume und trägt so auch noch zum Klimaschutz bei. Außerdem bieten die alten Bäume mit ihren Höhlen Spechten (Grün-, Grau-, Schwarz-, Bunt- und Kleinspecht) wertvollen Lebensraum.

„Wir können hier natürlich wunderbar mit dem Biber leben“, so Tändler, der mit den Bibern beeindruckende persönliche Erfahrungen gemacht hat und jedes einzelne Tier aus den drei ansässigen Familien kennt. „Wir sehen die Möglichkeit, einen Lebensraum für den Biber zu schaffen, der hier seine Rolle als ökologischer Baumeister erfüllen kann. Er übernimmt zahlreiche ökologische Aufgaben, die ja immer elementarer werden, quasi kostenlos“, sagt Tändler. Grundsätzlich sucht der BN auch hier nach Ansätzen für Konfliktlösungen und hofft, die Akzeptanz für den Biber mittelfristig erhöhen zu können.

Das Engagement des BN vor Ort kommt nun auch auf einem Schild zum Ausdruck, das der Landesvorstand als Geschenk dabei hatte und vor Ort angebracht hat: dieses Stück Heimat pflegt der BUND Naturschutz Bayern für Sie. Wer mehr wissen will, kann jederzeit die Kreisgruppen kontaktieren.