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Nationalparke schaffen Arbeitsplätze

Nationalpark Steigerwald als Motor für die Regionalentwicklung

28.07.2010

Im Mittelpunkt eines gut besuchten Seminars am 17.07. in Ebrach im Steigerwald stand die Frage inwieweit Nationalparks in Deutschland sich positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung der Nationalparkregionen auswirken. Die Referate von Wissenschaftlern und Praktikern aus verschiedenen Nationalparkregionen belegten die hervorragenden Chancen, die gerade Nationalparke für strukturschwache Regionen wie dem Steigerwald bieten. „Wir freuen uns, dass so zahlreiche Bürgermeister, Stadt-, Gemeinde- und Kreisräte unserer Einladung gefolgt sind, um sich ein Bild von den wirtschaftlichen Vorteilen eines Nationalparks zu machen“, so Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes Naturschutz (BN) im Namen der veranstaltenden Verbände. Der BN fordert für den Steigerwald eine umfassende Diskussion aller Schutzgebietsvarianten auf der Basis eines neutralen Gutachtens.

 

Professor Hubert Weiger stellte in seinem einleitenden Referat die Unterschiede zwischen den Schutzgebietskategorien Naturpark, Biosphärenreservat und Nationalpark heraus. Um das Ziel „besserer Schutz der Buchenwälder“, worüber parteiübergreifende Einigkeit besteht, zu erreichen, ist ein Nationalpark die am besten geeignete Schutzkategorie. Naturparke bringen aus naturschutzfachlicher Sicht keinen besseren Schutz der Buchenwälder, und Biosphärenreservate sollen großflächig hauptsächlich Kulturlandschaften geschützt und nicht die natürliche Waldentwicklung.

 

Professor Hubert Job von der Universität Würzburg, einer der renommiertesten Forscher Deutschlands im Bereich Regionalentwicklung in Schutzgebieten, berichtete von Studien in den deutschen Nationalparken. Danach besuchen jährlich etwa 51 Millionen die 14 deutschen Nationalparke und geben dort etwa 2,1 Milliarden € aus. Dies entspricht etwa 69.000 Vollzeitarbeitsplätzen. Job hob das Alleinstellungsmerkmal der Marke „Nationalpark“ hervor, was ein positives Image für die Region schafft. Aufgrund ihres rechtlichen Status können Nationalparke nicht nachgeahmt werden und sind selten. Das verschafft den Nationalparkregionen einen Wettbewerbsvorteil, den sie allerdings unterschiedlich nutzen.

 

Lukas Laux, Umweltbildungsbeauftragter vom Nationalpark Bayerischer Wald, berichtete von den vielfältigen Aktivitäten im Bereich der Umweltbildung, die von vielen Touristen, aber auch vielen Einheimischen und Schulklassen genutzt werden.

 

Dr. Winfried Potrykus von der Naturforschenden Gesellschaft Bamberg verglich in seinem Vortrag die Entwicklung des Tourismus in den Gemeinden um den Alt-Nationalpark Bayerischer Wald und in den Naturpark-Gemeinden rings um den diskutierten „Nationalpark Steigerwald“. Beide Gebiete sind von der Waldfläche und Einwohnerzahl vergleichbar. Seit etwa 40 Jahren besteht der (Alt-) Nationalpark Bayerischer Wald und seit 37 Jahren der Naturpark Steigerwald. Nach den amtlichen Statistiken nahmen die Übernachtungen nach der Nationalparkausweisung von 1970 bis 1980 im Bayerischen Wald um über 170 % zu. Die Übernachtungszahlen sind in den Nationalparkgemeinden im Bayerischen Wald heute etwa 10-mal so hoch wie in den entsprechenden Gemeinden im Naturpark Steigerwald. Wie wenig der Naturparkstatus für die Tourismusentwicklung gebracht hat zeigt auch die Emnid-Studie „Franken im Meinungsbild der Deutschen“, 2000-2009 aus dem Geschäftsbericht 2009 des Tourismusverbands Franken. Danach liegt der Steigerwald beim Bekanntheitsgrad und Besuchsgrad im hinteren Bereich der 15 fränkischen Tourismusregionen. Die Steigerwaldlandkreise schneiden ebenso im Regionalranking bei den Gästeübernachtungen schlecht ab. So liegen z.B. die Landkreise Schweinfurt bzw. Haßberge deutschlandweit auf Platz 378 bzw. 275. Dagegen sind unter den TOP-50-Landkreisen in Deutschland 30 Nationalparklandkreise vertreten!

 

Christina Wibmer arbeitet an der gemeinsamen Projektstelle „Nationalparkverkehrskonzept“ der beiden Nationalparklandkreise Regen und Freyung-Grafenau. Wibmer berichtete vom Ausbau des ÖPNV im Umfeld des Nationalparks Bayerischer Wald mit Igelbus, Bayerwald-Ticket und GUTi, dem neuen Gästeservice Umwelt-Ticket. Bereits kurz nach der Einführung erweist sich das GUTi als voller Erfolg. Wibmer berichtete von den spürbaren Verbesserungen der Verkehrsanbindung im Nationalpark-Erweiterungsgebiet. „Mit dem deutlich erweiterten Fahrgastpotential aus dem Nationalpark-Tourismus ist es gelungen, das ÖPNV-Angebot für die Touristen aber auch die Einheimischen zu sichern bzw. auszubauen“, so Wibmer.

 

Matthias Kirsten, Sachgebietsleiter Regionalentwicklung am Landratsamt Wartburgkreis, zeigte in seinem Beitrag, dass im Umfeld des Nationalparks Hainich in Thüringen die Kommunen in vielfältiger Weise vom Nationalpark profitieren: durch Tourismus, neue Kooperationen und neue Identität.

 

Dieter Hoppe            berichtete als Eigentümer der AngerResidenz in Zwiesel von der Umsetzung seiner erfolgreichen Geschäftsidee. Als Bauingenieur und Softwarentwickler ist es dem Seiteneinsteiger gelungen eine erfolgreiche Appartmentoase im Herzen von Zwiesel einzurichten. „Ausschlaggebend für die Idee und deren erfolgreicher Umsetzung war der „Nationalpark“ vor unserer Haustür. „Wenn es den Nationalpark nicht gäbe, säße ich heute nicht hier“, so Hoppe. Deshalb wirbt er auch als überzeugter Nationalparkpartner für den Nationalpark.

 

Nach der abschließenden Diskussion forderte Hubert Weiger ein umfassendes, neutrales Gutachten, das alle diskutierten Schutzgebietsvarianten und deren Auswirkungen auf den Schutz der Buchenwälder und ihrer Tier- und Pflanzenwelt, auf die Regionalentwicklung, auf Arbeitsplätze, Handwerk, Gastgewerbe, Tourismus unabhängig prüfen muss. Wegen der bestehenden Konflikte soll ein Moderationsprozess begonnen werden. „Wir sind jederzeit zu sachlichen, offenen Gesprächen bereit“, so Hubert Weiger. Der BN würde es deshalb begrüßen, wenn der Verein „Unser Steigerwald“ seine Blockadehaltung aufgeben würde, und bereit wäre über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Schutzkategorien, vom Naturpark bis hin zum Nationalpark, zu diskutieren. Angesichts der vielen, objektiven wirtschaftlichen Argumente, die für einen Nationalpark sprechen, kann es sich eine verantwortliche Kommunalpolitik nicht dauerhaft leisten, das Thema Nationalpark überhaupt nicht ernsthaft zu diskutieren. „Wir halten es deshalb für überfällig, dass sich der Freistaat Bayern in die Diskussionen einbringt und dass die Bevölkerung vor Ort neutral informiert wird“, so Hubert Weiger, „Naturschutz ist Staatsaufgabe“.

 

Ralf Straußberger

BN Waldreferent

0171 / 738 17 24