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Nordsteigerwald: Dicke Buchen werden massiv abgeholzt

Besorgte Waldbesucher haben den BUND Naturschutz (BN) darüber informiert, dass in den Staatswäldern des Nordsteigerwalds massiv Bäume gefällt werden. Für das betroffene Gebiet wird seit Jahren über die Einrichtung eines Nationalparks diskutiert. „Wir sehen mit großer Sorge, dass gerade die dicksten Buchen konsequent herausgeschlagen wurden und so große Löcher in das schattenspendende Kronendach gerissen werden“, so Ulla Reck vom Freundeskreis Nationalpark Steigerwald.

22.12.2020

„In Zeiten der Klimakrise mit extremer Hitze und Trockenheit ist dies schädlich für den verbleibenden Wald“. „So wird verhindert, dass ein alter Wald mit dicken Bäumen entstehen kann“, beklagt Ralf Straußberger, BN-Waldreferent. „BN und LBV fordern einen sofortigen Einschlagsstopp im Nationalpark-Suchraum, der nur 9 Prozent der Fläche des Naturparks Steigerwald beträgt“, so Martin Geilhufe, BN-Landesbeauftragter und Helmut Beran, Geschäftsführer des Landesbund für Vogelschutz (LBV). Während Rheinland-Pfalz mit einem Einschlagstopp alle alten staatlichen Buchenwälder über 100 Jahre vor den Folgen der Klimakrise schützt, schlagen die Bayerischen Staatsforste gezielt die dicken Buchen raus.

Massive Einschläge schädlich für Walderhalt, Klimaschutz und Biodiversität

Gerade die Buchen vertragen derartige Freistellungen nicht: stark exponierte, sonnenbeschienene Kronenteile sterben ab, die Rinde am Stamm „verbrennt“ regelrecht und die Vitalität schwindet. Dabei sind Buchenwälder wahre „Klimaanlagen“, ihr von Natur aus geschlossenes Kronendach hält sie kühl und feucht. Buchen haben viele Anpassungsstrategien an Trockenheit – vorausgesetzt sie haben Raum und Zeit für eine ungelenkte Entwicklung. Studien zeigen, dass Laubbäume und hier vor allem Buchen einen positiven Einfluss auf die Grundwasserneubildung haben, wovon auch andere Baumarten profitieren. Der Nordsteigerwald mit seinen vielen Mischbaumarten ist besonders geeignet, solche Anpassungsvorgänge in einem Nationalpark zu erforschen und daraus für den Waldbau zu lernen. In nutzungsfreien Wäldern sind die Böden zudem effektivere Wasserspeicher, da sie nicht durch schwere Maschinen verdichtet sind. Alte, biomassereiche Naturwälder sind nachweislich widerstandsfähiger und anpassungsfähiger in der Klimakrise. Sie speichern in den zahlreichen dicken Bäumen und in den Böden mehr Kohlenstoff als Wirtschaftswälder. Sie sind deshalb als natürliche CO2-Senken wichtig für den Klimaschutz und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag für den Erhalt der Biodiversität.