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Schutz der Weidetiere nur mit Herdenschutz möglich

Mit völligem Unverständnis und harter Kritik reagiert der BUND Naturschutz auf die Forderung nach leichteren Abschüssen von Wölfen in Bayern durch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.

04.03.2021

„Ein wirksamer Schutz der Weidetiere geht nur mit Herdenschutzmaßnahmen. Mit der bayerischen Förderrichtlinie für Investitionen in den Herdenschutz bekommen Weidetierhalter die Kosten zu 100 Prozent erstattet. Damit können Wolfsrisse wie die der letzten Tage vermieden werden. Der Wolf gehört als heimisches Wildtier ebenso zu Bayern wie die Weidetierhaltung, der wir vielerorts die Erhaltung seltener Tiere und Pflanzen und landschaftliche Vielfalt und Schönheit zu verdanken haben.  Hätten das Landwirtschaftsministerium und die Landwirtschaftsverwaltung den Herdenschutz in den letzten Jahren nicht gemeinsam mit dem bayerischen Bauernverband blockiert, wären die Wolfsrisse wohl vermeidbar gewesen“, so BN-Vorsitzender Richard Mergner. 

Der Anlass für die Forderungen von Kaniber waren vermutlich die Risse der letzten Tage an Gehegewild im Landkreis Bayreuth, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Wölfe zurückzuführen sind. In ihrer Pressemitteilung wird allerdings verschwiegen, dass die Gehege nicht wolfsabweisend gezäunt waren. Dies trifft auch für die anderen bisherigen Risse in Bayern in 2021 und den Vorjahren zu. „Aus den erfolgten Rissen eine Notwendigkeit abzuleiten, Wölfe einfacher „entnehmen“, also töten, zu müssen, negiert nicht nur die tatsächlichen Schutzmöglichkeiten durch Herdenschutzmaßnahmen, sondern widerspricht den Vorgaben des bayerischen Aktionsplans Wolf“, so BN-Landesbeauftragter Martin Geilhufe.

Der Plan ist seit 2018 Grundlage des bayerischen Wolfsmanagements und wurde in einem langjährigen Abstimmungsprozess ihres eigenen Ministeriums mit dem Umweltministerium und unter breiter Beteiligung von Interessengruppen aus Landwirtschaft und Naturschutz erstellt. Im Plan ist eindeutig geregelt, dass Entnahmen von Wölfen erst dann möglich sind, wenn ordnungsgemäßer Herdenschutz überwunden wurde.

Der reflexhafte Ruf nach Abschüssen nach Rissereignissen wiegt Weidetierhalter in dem falschen Glauben, dass mit vereinfachten oder vermehrten Abschüssen ihre Tiere vor Wolfsangriffen geschützt werden können und Herdenschutz nicht notwendig oder zielführend sei. Doch da der Wolf in wenigen Tagen Hunderte von Kilometern wandern kann, ist auch beim Abschuss einzelner Tiere jederzeit und überall in Bayern das Auftauchen von Wölfen und damit Risse möglich. Die bisherigen Risse an Weidetieren in Bayern sind überwiegend nicht von sesshaften Wölfen, sondern von wandernden Einzeltieren verursacht. Nur durch Abschuss aller Wölfe in Bayern und den Nachbarländern -also einer erneuten Ausrottung - gäbe es keine Risse mehr. Mit der Abwertung der Schutzmöglichkeiten durch Herdenschutz nimmt Kaniber daher vermehrte Risse in der Weidehaltung in Kauf und erweist damit der Weidetierhaltung in Bayern einen Bärendienst. Darüber hinaus verschweigt sie, dass auch in den wenigen europäischen Ländern, in denen der Wolf bejagt wird, flächendeckend Herdenschutz betrieben wird und betrieben werden muss.

Der BN beteiligt sich daher zusammen mit Tierhalterverbänden in Bayern am internationalen Projekt „LIFEstockprotect“ (englisch für „Herdenschutz“), in dem das Herdenschutzwissen von Weidetierhalter/innen verbessert wird. Ein Fokus des Projekts in Bayern, Österreich und Südtirol liegt auf dem Alpenraum, da dort der Herdenschutz erschwert ist.

Alles über den Wolf in Bayern

Weitere Informationen zum Herdenschutzprojekt