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Über 10.000 Unterschriften für coronasichere Rad- und Gehwege in Bayern

Bei einer bayernweiten Online-Aktion für coronasichere Rad- und Gehwege und zwei lokalen Petitionen für Pop-Up-Radwege in Nürnberg und Fürth kamen in den vergangenen Monaten über 10.000 Unterschriften zusammen. Im Namen der Unterzeichner*innen haben wir die für Gesundheit, Verkehr, Umwelt und Verkehrssicherheit zuständigen Staatsminister*innen am 16. Dezember 2020 in einem gemeinsamen Brief dazu aufgefordert, Städte und Gemeinden in Bayern dabei zu unterstützen, Fuß- und Radverkehr gerade in Zeiten der Corona-Pandemie mehr Platz zu geben.

15.12.2020

Zahlreiche Städte weltweit haben während der Corona-Pandemie den Straßenraum neu verteilt, um die Einhaltung des Mindestabstands im Fuß- und Radverkehr zu ermöglichen und um zu verhindern, dass Menschen in der Pandemie vom öffentlichen Nahverkehr auf das Auto umsteigen. In den vergangenen Monaten haben wir uns gemeinsam mit ADFC und VCD dafür eingesetzt, dass auch Städte und Gemeinden in Bayern dem Fuß- und Radverkehr gerade in der Corona-Krise mehr Platz geben. 

In Bayern machten Städte wie München, Nürnberg, Fürth oder Ingolstadt in den vergangenen Monaten mit Pop-Up-Radwegen, Sommerstraßen oder Schanigärten zumindest temporär mehr Platz für Fuß- und Radverkehr. Unverständlicherweise wurden selbst erfolgreiche Pop-Up-Radwege in diesen Städten nach einer dreimonatigen Testphase auf dem Höhepunkt der zweiten Corona-Welle wieder abgebaut. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Berlin: Dort wurden inzwischen erste Pop-Up-Radwege in reguläre Radwege umgewandelt.

Doch eine Abkehr von der autozentrierten Verkehrspolitik ist auch jenseits des aktuellen Infektionsgeschehens dringend notwendig. Denn mit der menschengemachten Klimakrise steht in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die Bewältigung einer ungleich umfassenderen globalen Herausforderung bevor. Über 40 % der bayerischen CO2-Emissionen entfallen auf den Verkehrssektor. Tendenz steigend. Eine umfassende Mobilitätswende mit einer Abkehr vom Auto ist daher dringend erforderlich.

Ein weiterer Grund dafür ist die hohe Schadstoffbelastung der Luft durch den Straßenverkehr. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass jährlich rund 6.000 Menschen in Deutschland aufgrund der hohen Stickoxidbelastung der Luft und sogar über 44.000 Menschen aufgrund der Feinstaubbelastung vorzeitig versterben. Auch in der Corona-Pandemie treibt die Luftverschmutzung die Sterberaten in die Höhe: 15 % der weltweiten Corona-Todesfälle könnten auf die Verschmutzung der Luft zurückgehen.

Hinzu kommen der enorme Flächenverbrauch durch Straßen und Parkplätze, die Lärmbelastung, die vielen Verkehrstoten und der hohe Energieverbrauch. Auch der Abbau von metallischen Rohstoffen, die in jedem Auto stecken, ist in den Abbauländern mit gravierenden ökologischen und sozialen Problemen verbunden. Mit der Größe der Autos (Stichwort SUV) nehmen in der Tendenz auch die Probleme zu. Diese Probleme lassen sich durch eine reine Antriebswende nicht lösen. Denn auch Elektroautos benötigen Platz, Energie und Rohstoffe, sie können tödliche Unfälle verursachen und tragen bei hohen Geschwindigkeiten zur Lärmbelastung bei. Das Ziel einer echten Verkehrswende muss es deshalb sein, die Zahl der Autos drastisch zu reduzieren, das Verkehrsaufkommen zu senken und den Anteil des Umweltverbundes aus ÖPNV, Fuß-, und Radverkehr deutlich zu erhöhen.

Aus all diesen Gründen wird sich der BUND Naturschutz auch weiterhin für eine echte Mobilitätswende mit einer Abkehr vom Auto und einer Neuaufteilung des Straßenraums einsetzen.