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Wildkatzen in Bayern: Verbreitungslücken schliessen sich

In sechs Landkreisen in Unterfranken, Oberpfalz, Niederbayern und Schwaben haben dieses Jahr 100 Ehrenamtliche gezielt nach noch unentdeckten Vorkommen der Wildkatzen gesucht.

Erfreuliche Ergebnisse eines der größten „Citizen Science“-Projekte Bayerns: 23 Mal hatte die Wildkatze an bislang noch nicht nachgewiesenen Stellen am Lockstock Haare hinterlassen! Erstmals gelang der direkte genetische Nachweis, dass Wildkatzen aus der Rhön bis nach Schweinfurt wandern.

 

01.12.2017

Seit fünf Jahren verfolgt der BUND Naturschutz (BN) unter Mithilfe von hunderten Ehrenamtlichen die Wiederbesiedelung Bayerns durch die Europäische Wildkatze. Während der Spessart, die Rhön und die Hassberge inzwischen gut besiedelt sind, bleiben Verbreitungs- und Kenntnislücken, die mit Unterstützung von engagierten BN-Mitgliedern, Jägern und Förstern nach und nach geschlossen werden. In sechs bayerischen Landkreisen, in denen bisher Vorkommen unserer Ureinwohnerin nur vermutet werden konnten, wurden dieses Jahr über einen Zeitraum von acht Wochen 235 sogenannte Lockstöcke ausgebracht. Knapp hundert Ehrenamtliche kontrollierten diese zum Jahresbeginn einmal wöchentlich hinsichtlich Katzenhaare. Das Ergebnis: Erstnachweise gelangen in den Landkreisen Miltenberg, Würzburg und Schweinfurt. Die Landkreise Deggendorf und Oberallgäu sind entweder noch nicht von Wildkatzen besiedelt oder vorhandene Einzeltiere konnten wegen noch sehr geringer Dichte bisher dort nicht nachgewiesen werden.

Besonders erfreut ist der BUND Bayern e.V. über den bundesweiten Erstnachweis der Europäischen Wildkatze im bayerischen Teil des Odenwaldes - hier war die Katze in den letzten Jahren bisher vergeblich gesucht worden.

Ein "Sechser im Lotto" war der Wiederfund einer genetisch analysierten männlichen Wildkatze, die 2015 erstmalig in der Rhön an einem Lockstock nachgewiesen wurde. Denselben Kuder nun zwei Jahre später etwa 40 Kilometer entfernt vom ersten Fundort wiederzufinden, bestätigt eindrucksvoll die Großräumigkeit eines Wildkatzenreviers und die Bedeutung der Vernetzung von großen Waldbereichen als Wanderkorridore.

Hubert Weiger, Vorsitzender des BN, dankte allen Mitwirkenden und den Kooperationspartnern für ihr wochenlanges Engagement in den Wäldern: "Unser besonderer Dank gilt nicht nur den vielen Freiwilligen, die sich bereitwillig bei kalten und widrigen Witterungsverhältnissen jede Woche erneut auf die Suche nach Haaren begeben haben, sondern auch den Mitarbeitern der Bayerischen Staatsforsten, die vielerorts ihre Flächen für die Suche zur Verfügung gestellt oder selbst tatkräftig mit gesucht haben".

Ebenfalls dankte Hubert Weiger ausdrücklich dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für die bereits jahrelange Unterstützung im Einsatz für die Rückkehr der Europäischen Wildkatze in ihre bayerische Heimat.

Die faszinierenden Ergebnisse belegen jedoch auch, dass es sicher noch Jahrzehnte dauern wird, bis sich die Wildkatze wirklich in ganz Bayern etabliert hat. Wildkatzenfreunde brauchen also einen langen Atem und die Wildkatze braucht weitere Schutzmaßnahmen.

Eine bayerische Ureinwohnerin

Die Europäische Wildkatze ist eine echte Ureinwohnerin - sie durchstreifte unsere Wälder schon lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen aus Afrika mitbrachten. In Bayern war die Wildkatze um 1930 durch falsch verstandene jagdliche Verfolgung ausgestorben. 1984 startete der BUND Naturschutz eine erfolgreiche Wiedereinbürgerungs-Aktion und setzte bis 2009 vor allem im Spessart insgesamt über 600 Wildkatzen aus. Dort entwickelte sich das erste reproduzierende bayerische Wildkatzenvorkommen. Von den laubholzreichen Wäldern des Spessarts, der Rhön und den Haßbergen breitet sich die Art seit etwa zehn Jahren über den Jurabogen in Richtung Südbayern aus. In Bayern rechnen die Experten des BN aktuell mit einem Bestand von etwa 700 Tieren. Wildkatzen sind deutschlandweit streng geschützt. Die größte Gefährdung für Wildkatzen geht aktuell vom Straßenverkehr aus. Vielerorts fehlt es zudem an Vernetzungsstrukturen zwischen den Wildkatzen-Lebensräumen wie z.B. Hecken, Baumreihen und Brachflächen als Biotopverbund, sowie an Grünbrücken über Straßen oder geeigneten Unterführungen. Auf der Suche nach neuen Revieren stoßen die deckungsliebenden Tiere auf ausgeräumte Agrarlandschaften, Gewerbegebiete und Siedlungen oder stark befahrene Straßen, die eine fast unüberwindbare Barriere darstellen. Eines der übergeordneten Ziele beim Wildkatzenschutz ist daher auch die Wiedervernetzung der aktuellen und potentiellen Wildkatzen-Wälder durch sogenannte "grüne Korridore".

Die Lockstockmethode - Katzen lieben Baldrian

Um an die begehrten Haarproben zu gelangen, setzt der BN eine elegante und effiziente Methode ein. Baldrian lockt die scheuen Katzen an. Raue Holzstäbe als "Lockstöcke" werden an geeigneten Stellen in den Waldboden gesteckt und mit Baldrian-Lösung besprüht. Reiben sich Wildkatzen daran, so bleiben einige Haare am Holz zurück. Die abgesammelten Haare werden genetisch untersucht. Nur so können Wildkatzen von oft ähnlich gefärbten Hauskatzen sicher unterschieden werden. Die Genanalysen führte 2017 das Expertenteam der Wildtiergenetik am Senckenberg-Institut im hessischen Gelnhausen durch.

 

gez. Dr. Kai Frobel, BN-Artenschutzreferent

Ulrike Geise, Projektkoordinatorin Wildkatzenprojekt, Tel. 0171/6127325

 

Bild 1: Aktuelle Verbreitungskarte Wildkatze in Bayern

Bild 2: BN-Kindergruppe Werneck bei der Lockstock-Kontrolle (Thomas Fuchs)

Bild 3: Wildkatze (Thomas Stephan)