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Miteinander leben: Bibermanagement in Bayern

In den meisten Biberrevieren leben Mensch und Tier ohne Probleme zusammen – das zeigen die Erfahrungen aus über zwanzig Jahren Bibermanagement. Wo sie dennoch auftreten, helfen die Bibermanager des BUND Naturschutz (BN) weiter.

die BN-Biberberater Gerhard Schwab und Horst Schwemmer
Gelebtes Bibermanagement: die BN-Biberberater Gerhard Schwab und Horst Schwemmer (Foto: BN).

Früher hatte es der Biber einfacher: Er konnte bauen, stauen und fressen, wo und wie er wollte. Bei seiner Rückkehr fand er jedoch ein Land vor, in dem jeder Quadratmeter Fläche im Besitz des Menschen ist. Das wiederum weiß der Biber aber nicht und hält sich dementsprechend auch nicht an Grundstücksgrenzen. Trotzdem belegen landesweite Zahlen aus über zwei Jahrzehnten Bibermanagement: In rund 70 Prozent der bayerischen Reviere gibt es keine oder keine größeren Konflikte. Das zeigt, dass die friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Biber funktioniert.

Natürlich kommt es durch das fleißige „Werkeln“ des Nagers auch zu Situationen, in denen guter Rat gefragt ist. So kann es sein, dass Biber Nutzbäume fällen, etwa auf einer Obstwiese. Auch an Fischteichen kann es zu Schäden kommen, wenn durch den Bau von Wohnröhren das Wasser abfließt. Manchmal haben auch Landwirte zu kämpfen, wenn sich ein Tier im Maisfeld bedient, durch seine unterirdischen Höhlen der Boden unter den Landmaschinen einbricht und die Maschinen dabei Schaden nehmen oder Felder überschwemmt werden. 

Dem Biber Raum geben

Probleme treten aber meist nur dort auf, wo der Mensch das Land bis an die Gewässergrenzen hin nutzt: durch Ackerbau, Fischteiche oder Kläranlagen. Die Analyse der bisherigen Konflikte zeigt, dass etwa 90 Prozent der Konflikte weniger als zehn Meter entfernt vom Wasser auftreten. Das heißt, Biber beschränken ihre Aktivitäten meist auf einen schmalen Streifen entlang der Gewässer. Viele Probleme lassen sich also vermeiden, indem ein etwa 20 Meter breiter Streifen entlang von Flüssen, Bächen und Seen nicht genutzt wird – was aus Sicht des Trink- und Hochwasserschutzes übrigens ohnehin sehr wünschenswert wäre. Alle Bundesländer bis auf Bayern haben in ihren Gesetzen bereits eine derartige Schutzzone entlang von Fluss- oder Seeufern verankert, etwa um die Einträge von Pestiziden und Dünger aus der Landwirtschaft zu reduzieren. Der BN fordert seit langem, dass der Freistaat endlich solche ungenutzten Pufferstreifen an allen Fließgewässern einführt. Die Umsetzung in Bayern steht über das Volksbegehren "Rettet die Bienen und die Artenvielfalt" jetzt endlich an.

Die Biberberater: Wissen wirkt Wunder

Bibermanagement: Die Manager helfen auch, wenn ein Biberdamm Probleme macht.
Die Bibermanager helfen auch, wenn ein Biberdamm Probleme macht (Foto: Ralph Frank)

Im Großen und Ganzen gilt: Es gibt für alle Fälle vernünftige Lösungen. Und guter Rat ist in diesem Fall nicht teuer – dafür sorgt das bayernweite Bibermanagement, das der BUND Naturschutz erarbeitet hat. Außerdem finanziert der Verband mit Unterstützung des Bayerischen Naturschutzfonds zwei hauptamtliche Bibermanager. Gemeinsam mit den Betroffenen finden sie passgenaue Lösungen: Drahthosen für Obstbäume, Elektrozäune für Gemüsefelder, Gitter, die das Unterminieren von Wegen oder Feldern verhindern, oder die Entfernung störender Biberdämme. Die Bibermanager helfen schnell und flexibel im Gelände und stehen telefonisch stets zur Verfügung. 

Die Biberberater der Unteren Naturschutzbehörden:

  • lösen jährlich etwa 155 besonders schwierige Konfliktfälle,
  • informieren jährlich mit 65 Vorträgen und Exkursionen über den nützlichen Nager,
  • legen 45.000 Kilometer im Jahr zurück, um bei Problemen vor Ort zu sein,
  • haben bereits mehr als 500 ehrenamtliche Biberberater ausgebildet, die wiederum jährlich etwa 2.000 Ortstermine und Beratungsgespräche absolvieren und mehr als 100 Biberführungen anbieten.

Ausgleich für Schäden

Für größere Schäden in der Land-, Forst- und Teichwirtschaft gibt es seit 2008 einen freiwilligen Ausgleichsfonds des Freistaates. 2011 wurde er von 250.000 Euro pro Jahr zunächst auf 350.000 und aktuell auf 450.000 Euro aufgestockt. Die Summe der Schäden variiert von Jahr zu Jahr. 2014 belief sie sich auf 720.000 Euro. Sind die gemeldeten Schäden höher als der Ausgleichsfonds werden die Antragsteller anteilig entschädigt. Im Jahr 2014 wurden jedem Geschädigten also rund 62 Prozent seiner Schäden ausgeglichen. 2015 lagen die Schäden bei 556.781 Euro und die Ausgleichsquote bei 80%. 2016 lag die Ausgleichsquote bei 74%. 2017 lag die Ausgleichsquote bei 67%. Im Jahr 2018 liegt sie 72%. Eine weitere Aufstockung des Ausgleichsfonds auf 900.000 € würde zu einer 100% Quote führen und wäre wünschenswert. Leider ist dies aber weder im Jahr 2019 noch im Jahr 2020 zu erwarten.

In den gravierendsten Fällen, wenn trotz Beratung und Bibermanagement ein Problem nicht gelöst werden kann, dürfen Biber nach behördlicher Genehmigung sogar von Fachleuten gefangen und getötet werden. So werden mittlerweile über 1.400 Biber pro Jahr (Stand 2019) im Rahmen des Managements gezielt an den Problempunkten getötet. Eine flächendeckende Bejagung, wie sie öfter gefordert wird, ist hingegen nicht sinnvoll. 

Und wenn es zu viele Biber werden?

Bibermanagement: Pro Jahr bringt ein Biberweibchen nur zwei bis drei Junge zur Welt
Pro Jahr bringt ein Biberweibchen nur zwei bis drei Junge zur Welt (Foto: Wolfgang Willner)

In Bayern ist ein großer Teil der potenziell geeigneten Biberlebensräume besetzt. Weil ausschließlich Uferzonen als Lebensräume infrage kommen, werden 95 Prozent der Landesfläche des Freistaates ohnehin biberfrei bleiben. Eine „Übervermehrung“ von Bibern ist aber auch biologisch nicht möglich. Ausgewachsene Tiere haben hierzulande zwar kaum mehr natürliche Feinde, aber dank eines rigiden Reviersystems wird es nie zu viele Biber in einer Region geben.

Eine Biberpopulation wächst immer nur langsam und solange es genug geeigneten Lebensraum gibt. Außerdem kommen pro Jahr nur zwei bis drei Junge zur Welt, von denen lediglich die Hälfte die zweijährige Lehrzeit in der Familie überlebt. Danach wird das Jungtier vertrieben und muss sich eine eigene Existenz aufbauen. Dabei gilt: erst Immobilie, dann Familie! Es folgt ein Spießrutenlauf, der für den Jungbiber umso strapaziöser ist, je mehr Reviere schon besetzt sind. Oft kommt es zu erbitterten Kämpfen, die die Jungbiber nicht überleben – so reguliert sich die Art faktisch selbst. Das belegen auch die Zahlen aus Bayern: Der Bestand ist dort wo schon länger Biber leben seit Jahren stabil. Zuwächse sind nur an den Rändern der bisherigen Verbreitung zu beobachten.