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Lebensraum Biber: Wo die Artenvielfalt zuhause ist

Ursprünglich lebte der Biber in naturnahen Fluss- und Auenlandschaften. Heute besiedelt er notgedrungen auch stark vom Menschen veränderte Fluss- und Bachgebiete – und verwandelt sie oft in neue, artenreiche Lebensräume.

Lebensraum des Bibers: Donaualtwasser bei Osterhofen
Solche Landschaften liebt der Biber (Foto: Wolfgang Willner)

Baumeister Biber liebt gewässerreiche Landschaften und naturnahe Flussabschnitte. Er kann sich aber auch anpassen und ebenso vom Menschen geschaffene Gräben oder Teiche besiedeln – selbst in unmittelbarer Siedlungsnähe oder stark genutzten Gebieten. Nicht immer zur Freude von Teich- oder Landwirten! Manchmal verlieren Fischteiche durch die Bautätigkeiten des Bibers Wasser oder Bauern finden eine Wiese überschwemmt vor, weil der fleißige Nager einen Damm gebaut hat. Wichtig ist: Für all solche Fälle gibt es gute Lösungen. Die zwei hauptamtlichen BN-Biberberater sind quasi rund um die Uhr für Betroffene erreichbar. Sie wissen, was zu tun ist, damit Mensch und Tier wieder in guter Nachbarschaft zusammenleben können. Je nach Qualität des Biotops reichen dem Biber ein bis drei Kilometer Uferlänge als Revier für sich und seine Familie. Um sein Territorium zu markieren, sondert er ein öliges Sekret aus einer Drüse im Afterbereich ab – das sogenannte Bibergeil. Aber nicht nur das: Die Reviergrenzen werden auch leidenschaftlich gegen Artgenossen verteidigt. 

Biberburg und Biberdamm

Biber leben in geräumigen Wohnbauten, den Biberburgen. Oft gibt es gleich mehrere davon im Revier. Der passionierte Hoch- und Tiefbauer errichtet sie – auch mithilfe seiner geschickten, handähnlichen Vorderpfoten – aus abgenagten Zweigen, Ästen und Schlamm. Im Umfeld dieses „Durcheinanders“ entstehen unterschiedlichste Mini-Lebensräume: ruhige Wasserbecken fast ohne Strömung, sauerstoffreiche Wirbel und sichere Verstecke für zahlreiche Wasserlebewesen.

Meister Bockert, wie der Biber in Fabeln genannt wird, baut sich auch gerne Wohnhöhlen in die Uferböschung, die sogenannten Biberröhren. Aber egal, ob Burg oder Röhre – der Eingang zur Biberwohnung muss immer unter Wasser liegen, sonst fühlt sich der geschickte Schwimmer nicht sicher. Wechselt der Wasserspiegel stark oder ist ein Gewässer zu seicht, reguliert er den Wasserstand kurzerhand durch seine typischen Biberdämme. Durch die zeitweisen Überschwemmungen entstehen wertvolle Feuchtbiotope – Wohnungen für viele selten gewordene Tiere und Pflanzen. Fischotter, Schwarzstorch, verschiedene Frosch- und Molcharten sowie zahlreiche Fisch- und Libellenarten fühlen sich im Biberrevier wohl. Übrigens: Fällt die Behausung trotz Dammbau trocken, zieht Meister Bockert kurzerhand aus.

Leben im Familienverbund

Ihren Lebensraum teilen die Biber mit den Jungen aus zwei Jahren.
Familientiere: Erst mit zwei Jahren gehen die jungen Biber ihrer Wege (Foto: Wolfgang Willner)

Biber sind monogam, sie gehen eine lebenslange Ehe ein. Nur wenn einer der Partner stirbt, sucht sich das überlebende Tier einen neuen Lebensgefährten. Mit dem Nachwuchs des aktuellen und des vorigen Jahres lebt das Biberpaar in Familienverbänden zusammen. Die Kommunikation untereinander erfolgt über Duftsignale und Töne. Oder mit der beeindruckenden „Kelle“ – dem typischen keulenförmigen Schwanz des Bibers. Mit einem lauten Aufschlagen auf die Wasseroberfläche warnt er beispielsweise seine Artgenossen vor Gefahr.

Erst mit zwei Jahren werden die Biberjungen von ihren Eltern vertrieben. Dann ist es Zeit, in der Biberburg Platz für die nächste Generation zu schaffen. Die „halbstarken“ Biber müssen sich dann ein eigenes Revier und einen Partner suchen – was oft nicht einfach ist. Biber verteidigen ihre Reviere vehement! Oft entscheidet ein solcher Kampf auch über Leben und Tod. Dieses rigide Reviersystem schließt übrigens eine Übervermehrung des großen Nagers von vornherein aus.

Biber sind überzeugte Vegetarier

Biber sind reine Pflanzenfresser. In den Sommermonaten ernähren sie sich vor allem von Sumpf- und Wasserpflanzen, Blättern, Zweigen und Schösslingen. Auch einige Ackerfrüchte stehen auf dem Speiseplan. Meistens kann sich der Bauer jedoch entspannen: Liegen die Felder mehr als 20 Meter vom Wasser entfernt, wird sie der Biber kaum besuchen. Der fußfaule Schwimmer bewegt sich nur sehr ungern vom Wasser weg, weil sein Fluchtweg ins sichere Nass dann weiter wird. Nur für Zuckerrüben und ähnliche Leckereien legt er auch einmal weitere Wege an Land zurück.

Im Winter, wenn der Nager mit knurrendem Magen aus seiner Winterruhe erwacht und keine Kräuter oder Stauden findet, weicht er auf die nahrhafte Rinde dünner Äste und Zweige aus. Und weil er zum Klettern zu schwer ist, fällt er die Bäume einfach. Das richtige Werkzeug dafür hat er: Seine selbstschärfenden Zähne sind wahre Stemmeisen. Mit einer Kraft von etwa 120 Kilopond schneiden sie sogar Eichenholz. Und verschwendet wird bei Meister Biber nichts. Die abgenagten Äste und Bäume nutzt er gerne noch als Baumaterial für seine Burgen oder Dämme. Die meisten Baumstümpfe hinterlässt der Biber aber im Herbst. Dann renoviert er sein Heim und lagert Äste als Nahrungsvorrat für den Winter in der Umgebung seiner Behausung ein.