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Verbreitung des Bibers

Unerbittlich verfolgt, war der Biber Anfang des 19. Jahrhunderts nicht nur in Bayern ausgerottet, sondern auch europaweit fast verschwunden. Der BUND Naturschutz (BN) hat den Urbayern in den 1960er-Jahren in den Freistaat zurückgeholt. Heute bedrohen ihn im Wesentlichen Vorurteile – etwa über eine vermeintliche Übervermehrung.

Verbreitung: Der Biber ist nach Bayern zurückgekehrt
Wieder zurückgekehrt: der Biber (Foto: Ralph Frank)

Etwa 15 Millionen Jahre lang war „Baumeister Biber“ in Bayern zuhause. Über 100.000 Tiere dürften damals in unseren Flüssen und Bächen gelebt haben. Auch in ganz Eurasien war das große Nagetier heimisch. Doch sein feiner Pelz, sein schmackhaftes Fleisch und das Duftsekret „Bibergeil“, das als Wundermittel galt, wurden ihm zum Verhängnis: Die Menschen jagten ihn unerbittlich. Über die Jahrhunderte hinweg nahmen so die Biberpopulationen immer mehr ab. Im 19. Jahrhundert war der große Nager nahezu aus ganz Europa verschwunden. In Deutschland überlebte lediglich ein kleines Vorkommen an der Mittelelbe; in Bayern gab es überhaupt keine Biber mehr.

Etwa einhundert Jahre später initiierte der BUND Naturschutz zusammen mit dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium die Wiedereinbürgerung des Bibers: Von 1966 bis Anfang der 1980er-Jahre setzten Naturschützer rund um den BN mit Genehmigung des damals zuständigen Landwirtschaftsministeriums etwa 120 Tiere aus Russland, Polen, Frankreich und Skandinavien hauptsächlich an der Donau aus. Sie vermehrten sich besser und schneller als gedacht und eroberten relativ schnell viele alte Lebensräume zurück. 

Wiedereinbürgerung: Der Biber kehrt zurück

Der frühere BN-Geschäftsführer Helmut Steininger setzt einen Biber am Ammersee-Südufer aus (Foto: BN)
Der frühere BN-Geschäftsführer Helmut Steininger setzt einen Biber am Ammersee-Südufer aus (Foto: BN)

Heute ist klar, dass die Aktion die bisher erfolgreichste Wiedereinbürgerung eines Tieres in Bayern war: Der Bestand an Bibern beläuft sich derzeit auf etwa 20.000 Tiere, die in rund 5.500 Revieren leben. Diese relativ hohe Zahl sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Biber immer noch zu den seltensten Tieren in Deutschland zählt und sein aktueller Bestand nur ein Bruchteil des ursprünglichen Vorkommens in Bayern ist. Gerüchte über eine vermeintliche Übervermehrung des Bibers in Bayern sind schlichtweg falsch.

Biber sind extrem territorial. In einem Revier, das zwei Kilometer Uferlänge und mehr umfasst, wird nie mehr als eine Familie leben. Sie besteht maximal aus dem Elternpaar, den Jungen vom Vorjahr und dem aktuellen Nachwuchs. Das Vorkommen von Bibern auf einer bestimmten Fläche ist also streng begrenzt. Rivalen werden vehement vertrieben und dabei manchmal auch tödlich verletzt. Hinzu kommt, dass nur fünf Prozent der Landesfläche von Bayern überhaupt als Lebensraum für den Biber infrage kommen.

Verbreitung in Bayern

Verbreitung des Bibers in Bayern (Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU))
Verbreitung des Bibers in Bayern (Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU))

Selbst auf der Museumsinsel mitten in München wohnt er inzwischen: Keine Frage, der Biber ist wieder zuhause in Bayern. Dem fleißigen Nager bei einem abendlichen Spaziergang am Wasser zu begegnen, ist heute gar nicht mehr so unwahrscheinlich. In vielen Regionen Bayerns hat sich der Biber mittlerweile in jedem geeigneten Wasserlauf einquartiert – im Naturschutzgebiet ebenso wie mitten in der Stadt. Er hat alle Naturräume und fast alle Landkreise in Bayern besiedelt. Besonders häufig sind die rührigen „Ökosystemmanager“ an der Donau und ihren Nebenflüssen zu finden. Wo der Biber bereits zu Beginn der Wiedereinbürgerung Fuß gefasst hat, wächst der Bestand inzwischen aber nicht mehr. Nur an den Rändern seiner Verbreitung, etwa im Voralpenraum oder in Oberfranken, nimmt seine Zahl noch zu. Das belegt, dass das oben beschriebene rigide Reviersystem greift und eine „Übervermehrung“ der Bibers in Bayern verhindert.

Verbreitung in Deutschland

Auch in anderen Bundesländern fanden über die Jahrzehnte hinweg Wiedereinbürgerungen statt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, waren sie erfolgreich. Die ausgesetzten Tiere vermehrten sich und eroberten ihre Lebensräume zurück. So liegt der gesamte Bestand in Deutschland heute bei etwa 30.000 Tieren. 

Auch über ganz Europa hinweg haben die Nager wieder zugelegt. Dank Schutzmaßnahmen und Wiederansiedlungsprojekten gibt es heute etwa 500.000 bis 700.000 Biber in Europa. 

Kartenquelle: Bundesamt für Naturschutz (BfN)/Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) (2013): Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013, basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Abrufbar unter www.bfn.de/0316_bericht2013.html (zuletzt aufgerufen am 15.03.2016)