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Autobahn A73 durchs Obermaintal: Schneise durch den Gottesgarten

Gottesgarten heißt der Abschnitt malerischer Landschaft zwischen Ebensfeld und Lichtenfels im Obermaintal. Die hügelige Kulturlandschaft mit abwechslungsreichen Auenwiesen, weiten Ackerflächen und heimischem Strauch- und Baumbewuchs wird von der barocken Basilika Vierzehnheiligen, dem Staffelberg und Kloster Banz umrahmt.

Seinen Namen verdankt der Gottesgarten vermutlich dem Schriftsteller und Dichter Joseph Victor von Scheffel, der in seinem Frankenlied von 1859 die Schönheit dieser Gegend rühmte. Der Bau der Autobahn A 73 zwischen Lichtenfels und Suhl ab 2003 hat der Landschaft viel von ihrer Schönheit genommen. Der Bund Naturschutz und viele Mitstreiter konnten das „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nummer 16“ trotz jahrelanger Proteste und Aktionen nicht verhindern.

Wie eine Einflugschneise bohrt sich die Autobahn seither ihren asphaltierten Weg durch die oberfränkische Landschaft. Viele Vogelarten wie der Flussuferläufer, der Waldwasserläufer, der Eisvogel, der Pirol oder das Blaukehlchen mussten weichen. Ebenso sind Tierarten wie Feldgrille, Ringelnatter und das Große Granatauge – eine sehr seltene Libellenart –  durch die Autobahn bedroht. Auch kaum noch vorkommende Pflanzenarten, darunter der Portulak-Sumpfquendel, der Wohlriechende Schöterich oder das Mädesüß werden immer seltener.

Wie eine Einflugschneise bohrt sich die Autobahn seither ihren asphaltierten Weg durch die oberfränkische Landschaft. Viele Vogelarten wie der Flussuferläufer, der Waldwasserläufer, der Eisvogel, der Pirol oder das Blaukehlchen mussten weichen. Ebenso sind Tierarten wie Feldgrille, Ringelnatter und das Große Granatauge – eine sehr seltene Libellenart –  durch die Autobahn bedroht. Auch kaum noch vorkommende Pflanzenarten, darunter der Portulak-Sumpfquendel, der Wohlriechende Schöterich oder das Mädesüß werden immer seltener. (Texte: Daniela Pielenhofer)


WIDERSTAND GEGEN DIE A 73 – DIE GESCHICHTE DES PROTESTES

Kein Jahr war seit der Wiedervereinigung vergangen, da gab es schon Pläne für verkehrspolitische Veränderungen. Die neuen Bundesländer sollten besser an den Westen angebunden werden. Die damalige Bundesregierung unter Kanzler Kohl setzte vor allem auf den Ausbau der Straßen. 

Ziel des Verkehrsprojekts „Deutsche Einheit Nummer 16“ war die Verbindung der Bundesländer Bayern und Thüringen durch eine neue Autobahn. Die Idee vom Bau der A 73 im Abschnitt zwischen Lichtenfels und Suhl wurde bald zur beschlossenen Sache. Im Jahr 1991 entwarf der Bund Naturschutz das erste Faltblatt gegen die Planung. Mit dem Slogan „Rettet das Maintal zwischen Vierzehnheiligen, Staffelberg und Kloster Banz“ machte sich die Kreisgruppe Lichtenfels stark gegen den Autobahnbau von 12,5 Kilometern Länge zwischen Lichtenfels und Ebersdorf bei Coburg. Die Kreisgruppe Coburg organisierte entsprechend den Widerstand zwischen Ebersdorf und der Landesgrenze bei Rottenbach.

Argumente gegen den Autobahnbau gab es viele: Die malerische Landschaft im so genannten Gottesgarten würde zerschnitten, das Ensemble aus den  oberfränkischen Denkmälern Vierzehnheiligen, Staffelberg und Kloster Banz optisch auseinander gerissen. Der Lebensraum für Tiere und Pflanzen sollte sich durch viele Tonnen Asphalt völlig verändern. Hinzu käme der Verlust schutzwürdiger Biotope sowie landwirtschaftlicher Nutzflächen.

Alternativen und Lichtblick

Mit dem Prospekt „Heimat in Gefahr – Transitautobahn bedroht den Gottesgarten“ formierte der Bund Naturschutz 1995 den Widerstand gegen die A73. Der BN warb dafür, das vorhandene Straßennetz zu nutzen und gegebenenfalls auszubauen. Die Möglichkeit einer so genannten Zwei-plus-eins-Lösung, die den dreispurigen Ausbau der bestehenden Bundesstraße B4 zwischen Breitengüßbach und Coburg vorsah, hätte das Verkehrsaufkommen von damals täglich 20.000 bis 30.000 Fahrzeugen problemlos bewältigt und 30 Prozent der Kosten gespart. Dies ließ sich der BN 1999 von einem Kasseler Verkehrsplanungsbüro via Gutachten untermauern und reichte letztendlich sogar Klage beim Bundesverwaltungsgericht gegen zwei Planfeststellungsbeschlüsse ein. Der erste Spatenstich Anfang 2003 konnte trotzdem nicht verhindert werden, auch wenn es zwischenzeitlich einen Lichtblick gab: Ende März 2003 gab das Bundesverwaltungsgericht dem Eilantrag des BN statt und stellte den Bau der A73 im Abschnitt Rödental-Ebersdorf bei Coburg einstweilig ein. Das Gericht prüfte, ob in diesem Bereich ein Vogelschutzgebiet und ein Gebiet nach der FFH-Verordnung beeinträchtigt würden.

Niederlage und Zerstörung

2006, nachdem die Richter des Bundesverwaltungsgerichtes bei Lichtenfels Einsicht genommen hatten, kam die schlechte Nachricht, die Klage im entscheidenden Abschnitt beim Gottesgarten war abgewiesen worden. Der Bau durfte weitergeführt werden und der BN musste den Kampf gegen den Straßenbau im Maintal nach über 15 Jahren verloren geben. Der ökologisch hochwertige Lebensraum und die Kulturlandschaft  haben großen Schaden genommen. Dabei hatte selbst die Regierung von Oberfranken im Planfeststellungsverfahren eingeräumt, dass die Landschaft in dieser Region durch die A73 um zwei Drittel entwertet wird.

Im Bauabschnitt zwischen Lichtenfels und Ebersdorf wurden auf einer Fläche von rund 42 Hektar mehr als eine Million Kubikmeter Erdreich bewegt. Es wurden 12 Meter hohe Dämme errichtet, eine 650 Meter lange Maintalbrücke nahe Reundorf und eine 300 Meter lange Nestelgrabenbrücke nahe Gnellenroth gebaut. Auch ein 120 Meter breiter Hangeinschnitt bei Kösten wurde hingenommen und sogar der Main musste aus seinem Flussbett gehoben und verlegt werden – so stand es in den Bauplänen zum „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nummer 16“.

Leere Versprechen und Schadensbegrenzung

Im September 2008 wurde der Abschnitt Lichtenfels-Suhl der A73 offiziell freigegeben. Das nach Ansicht der Planer „gelungene Projekt“ sollte vor allem den Tourismus und die Wirtschaft fördern, bis heute spüren die Bürger davon allerdings wenig: Weder ist die Region heute eine Touristenhochburg noch haben sich zahlreiche neue Firmen niedergelassen. Das deutschlandweit einmalige Beleuchtungskonzept der Köstener Brücke über die A 73 mit 26 Spezialleuchten aber kostet 1.900 Euro Strom pro Jahr, wofür 6,8 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid in die Luft geblasen werden.

Noch ist kein Gras über die Sache gewachsen: Bürger, Bürgerinitiativen und die Kreisgruppe Lichtenfels bemühen sich weiterhin um Schadensbegrenzung, wie etwa um Tempolimits und den Ausbau des Lärmschutzes, damit den Anwohnern etwa nachts das „Klick-Klack“ der Autos, die über die Brückenstöße fahren, nicht den Schlaf raubt.

A 73 und B 289

Bei vielen Aktiven weckte der Kampf gegen die A 73 übrigens Erinnerungen an das Jahr 1978: Bereits damals waren die Verkehrsplaner im Obermaintal aktiv. Ihr Plan war der Neubau der B 289 von Lichtenfels in Richtung Coburg. Die Proteste gegen die Geld und Flächen verschwendende vierspurige Straße mündeten in der Gründung der BN-Kreisgruppe Lichtenfels, die fortan zahlreiche Gegenaktionen koordinierte.

Der BN kaufte ein Sperrgrundstück im Bereich des Straßenbauprojekts und hatte auch mit einer Klage vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof Erfolg: Nach einem Urteil wurde der zuvor begonnene Bau 1992 eingestellt. In der Begründung hieß es damals, dem bislang völlig unberührten Obermaintal zwischen Kloster Banz und Vierzehnheiligen drohe die Zerstörung. Das ist schließlich eingetreten: Mit dem Bau der Autobahn wurde auch die B 289 – in einer veränderten Trassenführung – durchgesetzt, und die Richter haben in diesem Falle Recht behalten: Im Obermaintal ist nichts mehr wie es vorher war.



ZERSCHNITTENER LEBENSRAUM

Hoch oben bei der Ortschaft Kösten hat man einen wunderbaren Blick auf den Gottesgarten im Obermaintal – und auf die Autobahn, die seit dem Jahr 2006 die Landschaft und den Lebensraum zerteilt.

Zur Linken blickt man auf die Basilika Vierzehnheiligen, ein barockes Monument, das im 15. Jahrhundert von Balthasar Neumann erbaut wurde. Auf der rechten Seite ragt der Staffelberg empor, mit rund 539 Metern der Hausberg der Stadt Bad Staffelstein. Der Staffelberg ist – wie das gesamte Gebiet des südlichen Maintals – Teil  des Naturparks Fränkische Schweiz – Veldensteiner Forst und zählt seit 2008 zu den Geotopen in Bayern. Seit Mitte der 80er-Jahre ist das Gebiet rund um das Hochplateau als Naturschutzgebiet Staffelberg ausgewiesen. Rechts davor steht das barocke Kloster Banz, eine ehemalige Benediktiner-Abtei.

Doch der Gottesgarten ist mehr als das malerische Ensemble von Kulturdenkmälern. Das weite Tal mit Wiesen- und Ackerflächen sowie Galeriewäldern und Hecken ist Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten. Viele von ihnen sind mittlerweile selten geworden. So etwa der Waldwasserläufer, der besonders stark vom Klimawandel betroffen ist, oder der Eisvogel, der in Deutschland als streng geschützt gilt und europaweit unter Schutz steht. Ebenso der Pirol, ein Charaktervogel lichter Auenwälder, der sich einst im Gottesgarten besonders wohl fühlte. Seine Art wird in Deutschland bereits auf der Vorwarnstufe der Roten Liste geführt. Und auch Flussuferläufer (Rote-Liste-1-Art) und Blaukehlchen (besonderer Schutz nach der Europäischen Vogelschutzrichtlinie),  zwei Vogelarten, die nicht als direkt bedroht gelten, sind hier zu finden.

Tiere und Pflanzen ergriffen die Flucht

Die Autobahn hat den Lebensraum vieler Tierarten, die sich auf den weiten Wiesen- und Ackerflächen im Obermaintal tummelten, verändert. So zum Beispiel das Revier der  Ringelnatter: Sie liebt gewässerreiche und biotopartige Gebiete und leidet unter dem Straßenverkehr. Versucht sie die Autobahn zu überqueren, bezahlt sie dies, wie viele andere Tiere, mit dem Leben. Manche Tierart, wie etwa das Große Granatauge, eine seltene Libellenart, hat schon beim Bau der Autobahn die Flucht ergriffen und wurde seither nicht mehr im Naturraum Gottesgarten gesehen. Ob der Dunkle und der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, zwei im Klageverfahren verhandelte und europäisch geschützte Schmetterlingsarten feuchter Wiesen, die von den Planern vorgesehenen Ausgleichsflächen auf Dauer annehmen, wird erst die Zukunft zeigen.

Auch der Anblick bestimmter Kräuter wird seltener. Dazu gehören der Portulak-Sumpfquendel, der in einigen Bundesländern auf der Roten Liste bedrohter Pflanzen steht, der Wohlriechende Schöterich, der lockere und leicht feuchte Kalkböden liebt oder das Mädesüß, das Grasland mit feuchtem Boden bevorzugt. Der Autobahnbau durch den Gottesgarten hat vieles verändert: Gelitten haben die Vielfalt der Natur, die Schönheit der Landschaft und die Lebensqualität der Menschen.