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Benninger Ried: In der größten Quelle Bayerns

Dank des beherzten Einsatzes des BUND Naturschutz (BN) seit den 1920er-Jahren steht das Benninger Ried im Landkreis Memmingen-Unterallgäu heute unter Naturschutz. Bayerns größtes Kalkquellmoor beherbergt einige pflanzliche Raritäten, darunter die seltene Riednelke.

Ein stattliches Flüsschen verlässt das Benninger Ried nordwärts und wird bald zur Memminger Ach, die die historische Altstadt durchquert und wenig später in die Iller mündet. Doch man würde kaum glauben, dass dieser breite "Riedbach", der das Ried zu durchqueren scheint, dort noch keinen Kilometer alt ist: Er entspringt tatsächlich im Benninger Ried, dem größten Kalkquellmoor Bayerns.

Seine geologische Ursache hat dieses außergewöhnlich große und wasserreiche Quellgebiet darin, dass die Iller nach der letzten Eiszeit ihren Verlauf geändert hat. Ihr altes Bett wurde zum Memminger Trockental, das aber im kiesigen Untergrund weiterhin viel Wasser führt. Bei Benningen bildet das Trockental eine Senke, in der das kalkhaltige Wasser zutage tritt und einen riesigen Quellsumpf ausbildet, welcher von einem Ring nasser Wiesen umgeben ist bzw. war.

22 Hektar davon sind heute Naturschutz- und FFH-Gebiet, doch die historische Ausdehnung dieses Quellsumpfs ist sehr viel größer: Noch Anfang des 19. Jahrhunderts betrug seine Fläche 133 Hektar. Lange Zeit ließen die Memminger das Ried auch unangetastet, weil der undurchdringliche Sumpf Teil der Stadtbefestigung war. Doch seither wurde das Ried immer mehr "angeknabbert", ein Großteil der Flächen fiel der Ausdehnung der Stadt und ihres Speckgürtels zum Opfer.

Die Blüte einer seltene Riednelke, auf der ein Dickkopffalter sitzt

Raritäten im Ried

Die "Blätter für Naturschutz", Vorläufer des BN-Mitgliedermagazins "Natur+Umwelt", preisen das Benninger Ried als ein "pflanzensoziologisch reichgegliedertes Quellmoor mit vielen botanischen Kostbarkeiten". Es gilt als einziger bzw. letzter Standort der Riednelke oder Purpurgrasnelke in Bayern. Eine weitere Rarität ist ein Flohkrebs der Gattung Niphargus, der nach derzeitigem Wissensstand weltweit wohl nur in Benningen vorkommt.

Einsatz für das Ried

Schon 1927 setzte sich der BUND Naturschutz für den Erhalt des Benninger Rieds ein und erreichte, dass der Stadtrat einen Bebauungsstopp beschloss. 1939 wurde das Ried unter Naturschutz gestellt, was aber anscheinend in Vergessenheit geriet. 1966 forderte der BN eine erneute Inkraftsetzung, und noch im gleichen Jahr wurde es erneut offiziell als NSG ausgewiesen. 1998 erhielt es auch den Status eines FFH-Gebiets.

Die Kreisgruppe war Mitinitiatorin des Biodiv-Projekts "Löffelkraut & Co." und von 2010 bis 2015 Projektträgerin. Seit 2017 wird das Projekt von der Stiftung KulturLandschaft Günztal betreut.

Unterwegs im Ried

Eine richtige Wanderung kann man durch das Benninger Ried nicht machen, jedenfalls nicht ohne Wathose: Das Gebiet heißt nicht nur Quellsumpf, es ist wirklich einer. Immerhin kann man aber einen kleinen Spaziergang von der sehenswerten Riedkapelle und ihrem Kräutergarten bis zu einer Plattform im Moor machen und von dort an kleinen Quellbächen neben der Riednelke auch Klappertopf, Teufelskralle, Wollgras sowie Fett- und Labkräuter betrachten. All das Wasser sammelt sich in dem Riedbach, der davon so anschwillt wie andere Flüsse nach vielen Kilometern nicht.

Wer damit nicht genug hat, kann der Memminger Ach bis in die historische Memminger Altstadt folgen und sich daran freuen, dass er im Gegensatz zu vielen anderen, die den Memminger "Stadtbach" bewundern, den Ursprung dieses schnell strömenden, wasser- und forellenreichen Flüsschens kennt.