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Brucker Lache und Exerzierplatz: Zwei Naturschutzgebiete in Erlangen

Wenn ein junger Oberbürgermeister-Kandidat die Erhaltung eines stadtnahen Waldstücks zu einem zentralen Thema seiner Wahlkampagne macht, ist das ungewöhnlich. Wenn er die Wahl dennoch gewinnt, erst recht – und es legt den Verdacht nahe, dass es sich um ein besonderes Waldstück handeln muss: Die Brucker Lache birgt in ihrem Herzen ab der Stadtgrenze von Erlangen ein vielfältiges Naturwaldreservat.

Wenn irgendwo eine mehrspurige Straße nach einer großen Kreuzung im Niemandsland endet, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass die Dinge anders gekommen sind als sie geplant waren. Und zwar in einem fortgeschrittenen Stadium, denn es wurde ja bereits mit der Realisierung begonnen. Entsprechend groß ist der Druck zum Weiterbau: "Es wäre doch ein Schildbürgerstreich", so das Standardargument, "wenn wir jetzt, wo wir die Kreuzung für teures Geld ausgebaut haben, die Straße nicht zu Ende bauen würden!"

In einem solchen Straßenstumpf endet, in Verlängerung der vierspurigen Gebbertstraße, die Hammerbacherstraße am südlichen Stadtrand von Erlangen. Wäre sie wie geplant weitergebaut worden, wäre von dem heutigen Naturschutzgebiet Brucker Lache – dem westlichsten Zipfel des Sebalder Reichswalds – nicht viel übrig geblieben: Sie hätte das ohnehin relativ kleine Schutzgebiet mitten durch geschnitten, und das hätte es angesichts des Siedlungsdrucks kaum überlebt.


Mit der Brucker Lache in die Wahl

Das Herzstück der Brucker Lache ist ein in West-Ost-Richtung verlaufendes Naturwaldreservat, das einen wertvollen Erlenbruchwald birgt. Es ist zwiebelartig erst von einem Naturschutzgebiet und dann von einer Pufferzone umgeben, die zu seinem Schutz dringend erforderlich ist. Vom Tennenloher Forst ist die Brucker Lache durch die Bundesstraße 4 abgetrennt; an den übrigen drei Seiten ist sie von Bebauung umgeben. Der Bebauungsplan von 1962 sah zusätzlich zu der Straße vor, einen Teil der Pufferzone bis unmittelbar an das Naturschutzgebiet zu bebauen.

Doch zwei engagierte BN-Mitglieder, der langjährige Erlanger Oberbürgermeister Dr. Dietmar Hahlweg und der Erlanger Forstamtsleiter Helmut Horneber, waren sich mit der 1971 frisch gegründeten BN-Kreisgruppe einig, dass die Zerstörung der Brucker Lache nicht hingenommen werden durfte. Die Kreisgruppe sammelte Unterschriften, und Hahlweg hatte bei seiner ersten OB-Kandidatur 1972 den Mut, die Erhaltung der Brucker Lache in sein Wahlprogramm aufzunehmen.

Hahlweg gewann die Wahl, und er hielt Wort: Umgehend nahm er Verhandlungen mit allen Beteiligten auf, und obwohl er zunächst auf viele Vorbehalte traf, gelang es ihm schließlich, sie zu überzeugen: Die Straße wurde gestrichen, für Siemens wurde ein Alternativstandort gefunden, und selbst der bereits erfolgte Verkauf eines Grundstücks in der Pufferzone wurde im allseitigen Einvernehmen rückabgewickelt. Noch heute lobt Hahlweg, wie kooperativ sich alle Beteiligten damals verhielten, von der Oberfinanzdirektion über die Caritas bis zu Siemens. Schon auf dem Reichswaldfest 1975 konnte Hahlweg die Rettung der Brucker Lache vermelden.


Naturschutz am Exerzierplatz

17 Jahre später tat sich in unmittelbarer Nachbarschaft eine neue Chance für den Naturschutz in der Stadt auf: Nach der Wiedervereinigung zeichnete sich ab, dass die Amerikaner den historischen "Exerzierplatz" freigeben würden – eine offene Sandlandschaft, in der sich auf kleinstem Raum feuchte und trockene Bereiche abwechseln. 1994 legte die Kreisgruppe unter Leitung von Doris Tropper ein eigenes Nutzungskonzept vor und forderte, das wertvolle, 40 Hektar große Areal unter Naturschutz zu stellen. 1995 richtete sie in gleicher Sache eine Petition an den Bayerischen Landtag.

Doch auch die Universität und die Wirtschaft hatten starkes Interesse an den Flächen. Immerhin wurde im Jahr 2000 wenigstens ein 25 Hektar großer Bereich unter Naturschutz gestellt, und eine zunächst geplante "Fußgängerallee" quer durch das Gebiet endet heute endet heute dank des Einsatzes des Naturschutzbeirats und damaligen BN-Vorstandsmitglieds Dr. Jürgen Tendel an der Grenze des Naturschutzgebiets. 2002 wurde der Natur- und Umweltpavillon am Silbergrasweg eröffnet, und einige Zeit später installierte die Kreisgruppe auf seinem Dach in Eigenarbeit eine Solaranlage.

Doch der Baudruck einer Großstadt, die binnen weniger Jahrzehnte von 40.000 auf über 100.000 Einwohner gewachsen ist, ist enorm. Immer wieder muss die Kreisgruppe Versuche abwehren, im Randbereich Baugebiete für alle möglichen Zwecke abzuzwacken. Gemäß dem Prinzip "Wehret den Anfängen" ist sie dabei auch zu Klagen bereit.


„Naturschutzgebiet Exerzierplatz“ BN-Aktivitäten und Stationen der Entstehung

1992

Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen führt modellhaft das Arten- und Biotopschutzprogramm (ABSP) durch;
Ergebnis in Erlangen: landesweit bedeutsames Biotop mit 40 ha im Südteil (Sept.)

1993

Aufgabe des Militärstandortes Erlangen durch die Amerikaner, der Exerzierplatz wird frei für zivile Nutzungen (Juni/Juli)

BN erstellt ein eigenes Nutzungskonzept für den Exerzierplatz  „Entwicklung für mehr Lebensqualität“, darin wird zum 1. Mal die Forderung nach rechtlicher Unterschutzstellung nach Art. 7 BayNatSchG vom BN für den Südteil erhoben (Sept.)

Workshop Neustadt-Ost: Ideensammlung für künftige Nutzungen  (24./25.9.)

Öffentliches Hearing Neustadt-Ost unter Leitung von OB Dr. Hahlweg zur zivilen Nachnutzung (20.10.)

Etablierung der Projektgruppe Neustadt-Ost, ab 1997 als Projektgruppe Röthelheimpark (Nov.)

1994

BN erarbeitet ökologische Anforderungen als Vorgaben für den geplanten städtebaulichen Ideenwettbewerb
            
Namenswettbewerb für den Stadtteil wird zusammen mit den EN ausgeschrieben (11./12.2.)
 
Freigabe des gesamten Areals (ca. 136 ha) durch die Amerikaner und Rückgabe an den Bund (30.6./1.7.)

Städtebaulicher Ideenwettbewerb für das Gesamtareal wird vom Stadtrat ausgelobt (1.9.)

1995

Vertrag zwischen der Stadt Erlangen und der Universität zum Erwerb von Flächen auf dem Gelände bzw. Nachnutzung und Erschließung (2.1.)

BN reicht Petition beim Bayerischen Landtag zur Unterschutzstellung des landesweit bedeutsamen Biotopkomplexes  mit ca. 40 ha im Südteil des Geländes ein

Politische Gespräche und Aktionen des BN begleiten diese Forderung nach einem NSG in Erlangen

1997

Stadtrat beschließt „Röthelheimpark“ als neuen Namen (24.4.)

1998

Baubeginn auf dem Gelände: Baumarkt mit Gartencenter/OBI

Planungen für eine W-O- verlaufende Straße, die Allee am Röthelheim, beginnen – Stadtratsbeschluss (1.10.)

Bürgerentscheid zu dieser Straße, initiiert von der BI, geht leider verloren, die Mehrheit will diese Straße; Ergebnis: 28,8% gegen eine Straße, 72,2% dafür

1999

Durch das geplante Naturschutzgebiet (NSG) soll eine diagonale Fußgängerallee angelegt werden
BN und der Naturschutzbeirat kämpfen für eine Verkürzung der Allee und gegen die geplanten Zerschneidung des NSG
Der UVPA und der Stadtrat ändern ihre Meinung und entscheiden zugunsten die Natur, die Allee endet an der Grenze des NSG

2000

Das 25 ha große Naturschutzgebiet wird rechtskräftig, die Verordnung tritt in Kraft;
Die BN-Forderung von 1993 geht in Erfüllung, auch wenn das NSG kleiner als gefordert ist

2002

Der Natur- und Umweltpavillon am Silbergrasweg wird eröffnet, einige Zeit später installiert der BN auf dem Dach in Eigenarbeit eine Solaranlage