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Können wir uns als Exportnation strengere Umweltauflagen leisten?

Dieses Argument müssen sich Umweltschützer wohl am häufigsten anhören: „Wir würden ja gerne strengere Umweltauflagen machen. Aber als 'Exportnation' können wir es uns nicht leisten, dass unsere Produkte auf dem Weltmarkt teurer werden.“ Klingt erst mal einleuchtend. Bei genauerem Hinschauen erkennt man jedoch: Selbst wenn durch steigende Umweltkosten unser Exportüberschuss geringer würde, wäre dies alles andere als eine Katastrophe.

Containerterminal im Hafen Hamburg
Containerterminal im Hafen Hamburg (Foto: eyetronic/AdobeStock)

So schön ein Weltmeistertitel im Fußball sein mag – einen riesigen Überschuss des Exports über den Import zu erzielen, ist volkswirtschaftlich nicht sinnvoll. Denn auf Dauer können wir nicht mehr Güter und Dienstleistungen an das Ausland liefern, als wir im Gegenzug von dort einführen. Vor 25 Jahren betrug der deutsche Exportüberschuss bereits 31 Milliarden Euro. In den letzten drei Jahren waren es jeweils fast 250 Milliarden Euro (Stand November 2018). Wer sollte all die Sachen importieren, wenn alle Länder diesem deutschen Modell des Exportüberschusses folgen würden? 

Sind wir als rohstoffarmes Land nicht auf den Export angewiesen?

Stimmt! Es kommt jedoch auf ein vernünftiges Maß an. Natürlich müssen wir exportieren, um genügend Devisen zu erwirtschaften. Mit diesen Devisen können wir dann auf dem Weltmarkt das einkaufen, was es bei uns nicht gibt. Oder was nur mit einem unverhältnismäßigen Aufwand herzustellen wäre. Also Erdöl/Erdgas, wichtige Metalle, Kaffee, Bananen und anderes mehr. Insgesamt importierte Deutschland 2017 Waren und Dienstleistungen für 1035 Milliarden Euro. Der Anteil des für uns so wichtigen Erdöls und Erdgases lag in den letzten Jahren, je nach Preis, zwischen 60 und 100 Milliarden Euro. Selbst wenn man für andere unbedingt notwendige Güter nochmals eine ähnliche Größenordnung ansetzt, wären das nicht mehr als 200 Milliarden, also20 Prozent des gesamten Imports. Das heißt: Um diese unbedingt nötigen Importe finanzieren zu können, müssen wir Güter im Wert von rund 200 Milliarden exportieren. Tatsächlich jedoch haben wir 2017 für sage und schreibe 1279 Milliarden exportiert. 

Wir haben genügend Devisen

An dieser Stelle geht es nicht darum, über Sinn und Grenzen des Außenhandels zu diskutieren. (Was angesichts der hohen CO2-Belastung durch Transporte zu Wasser, Land und in der Luft allerdings dringend geschehen müsste.) Hier soll – wie eingangs gesagt – das Märchen von der „verwundbaren Exportnation“ widerlegt werden. Denn selbst wenn unser Export wegen strenger Umweltauflagen teurer würde und damit tendenziell zurückginge, wären wir immer noch meilenweit von dem Punkt entfernt, an dem wir keine Devisen mehr hätten, um notwendige Güter zu importieren. 

Auch volkswirtschaftlich sind dauerhafte Exportüberschüsse schädlich

Eine strengere Umweltpolitik hätte neben dem ökologischen Nutzen sogar noch einen sehr erwünschten makroökonomischen Effekt. Sollte die Nachfrage nach manchen deutschen Produkten spürbar zurückgehen, dann würde sich der ungesund hohe deutsche Exportüberschuss wenigstens ein Stück weit verringern. Schon seit 1967 schreibt das deutsche Stabilitätsgesetz einen – mittelfristig gesehen – ausgeglichenen Außenhandel vor. Der IWF kritisiert immer wieder, dass Exportüberschüsse für die globalen Finanz- und Schuldenkrisen mitverantwortlich seien. Die EU-Kommission droht bereits Bußgelder an, da Deutschland den obersten Grenzwert von sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts seit Jahren überschreitet. In den letzten Jahren lag der Exportüberschuss bei etwa acht Prozent. 

Fazit

Die Behauptung, wir könnten uns strenge Umweltauflagen nicht leisten, da die deutsche Wirtschaft sonst nicht mehr konkurrenzfähig wäre, ist falsch. Wer seit Jahren – wie Deutschland – für 250 Milliarden Euro mehr Güter in den Rest der Welt exportiert, als er von dort importiert, der ist extrem leistungsfähig, der kann vor Kraft kaum laufen. Sollte also durch umweltbedingte Preissteigerungen der deutsche Exportüberschuss etwas sinken, wäre dies kein Problem für unseren Wirtschaftsstandort. Im Gegenteil, wir würden endlich den Forderungen anderer Länder und Organisationen sowie den Vorschriften des deutschen Stabilitätsgesetzes wenigstens etwas näher kommen.