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Jahresbericht 2018: Themen, Erfolge, Finanzen

Was unternimmt der BUND Naturschutz für Bayerns Natur? Welche Erfolge hat er erzielt? Wie finanziert er seine Arbeit? Antworten finden Sie im Jahresbericht. 

Im Jahr 2018 ist der BUND Naturschutz auf über 236.000 Mitglieder angewachsen. Jedes Mitglied hilft uns, Bayerns Natur noch besser zu schützen - ob bei der Wiedervernässung eines Moores, der Neuanlage einer Hecke als "Trittstein" für Wildkatze und Neuntöter, bei unserer konkreten Arbeit für den Klimaschutz, eine faire Handelspolitik oder den Schutz der Alpen.


Themen und Erfolge für Bayerns Natur im Jahr 2018

Hier summt’s und brummt’s: Im Landkreis Rhön-Grabfeld führt der BN zusammen mit dem BBV ein Modellprojekt für Blühflächenmischungen statt Mais-Monokultur durch (Foto: BN).

Bayern ist reich an Naturschönheiten. Vom wilden Hochgebirge im Nationalpark Berchtesgadener Land über das Murnauer Moos bis zum letzten frei fließenden Abschnitt der Donau in Niederbayern und den uralten Buchenwäldern im Steigerwald: ein Schatz, auf den wir stolz sein können und den es für uns und unsere nachfolgenden Generationen zu erhalten gilt.

Arten- und Biotopschutz

Auch im Jahr 2018 hatten die BN-Artenschutzexperten alle Hände voll zu tun. Schwerpunkte waren der Kampf gegen das Insektensterben, die Förderung der Artenvielfalt und der Biotopverbund am Grünen Band.

Ein Meilenstein: Das Grüne Band Thüringen wurde 2018 Nationales Naturmonument (Foto: Klaus Leidorf)

2018 stand bereits vor der Vorbereitung des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ ganz im Zeichen des Insektenrückganges: Zusammen mit Agrokraft, einem Tochterunternehmen des Bayerischen Bauernverbandes, gelang es dem BN, vom Bayerischen Naturschutzfonds eine Förderung für ein dreijähriges
Modellprojekt für Blühflächenmischungen im Landkreis Rhön-Grabfeld zu erhalten. Im Projekt wird deren Wirkung auf Vögel oder Wildbienen untersucht. Landwirte, die die Blühflächen als naturverträglichen Substratlieferant für ihre Biogasanlagen verwenden, erhalten eine Ausgleichszahlung für die Ertragsunterschiede zu Mais. Außerdem erstellten die BN-Artenschutzexperten den Aktionsleitfaden „Insektensterben – höchste Zeit zum Handeln!“, der Hintergrundinformationen und Aktionsbeispiele bündelt. Dieser war eine wichtige Argumentationsgrundlage im Volksbegehren 2019.

Für die BN-Artenschützer ging es 2018 auch darum, die Artenvielfalt auf den etwa 3000 Hektar vom BN gepachteten und gekauften Flächen besser zu dokumentieren. Alleine auf den 2240 Hektar BN-eigenen Flächen kommen insgesamt 92 von 345 bayernweit prioritär bedeutsamen Pflanzensippen vor. Das Bayerische Landesamt für Umweltschutz ermöglichte auf ausgewählten Flächen in acht Kreisgruppen gezieltere Kartierungen und Optimierungsvorschläge für Pflegemaßnahmen. Dies unterstreicht die Bedeutung der BN-Flächen für den botanischen Artenschutz in Bayern.

Weitere BN-Arbeitsschwerpunkte waren das neue Projekt zu Stadtbäumen, die Aktion Hummelfrühling, eine bessere Wahrnehmbarkeit der BN-Amphibienschutzmaßnahmen, die Diskussion um den Wolf und der Einsatz gegen Spritzaktionen gegen den Schwammspinner.

Am Grünen Band wurde 2018 ein Meilenstein des jahrzehntelangen BN- und BUNDEngagements erreicht: Das 763 Kilometer lange Grüne Band Thüringen wurde als Nationales Naturmonument ausgewiesen. Mit 6850 Hektar ist es die erste flächenhafte Ausweisung in Deutschland und das längste Schutzgebiet am Grünen Band Europa. Auch in Sachsen-Anhalt starteten die Aktivitäten für eine entsprechende Ausweisung. Gemeinsam mit dem BUND wurden bundesweit weitere 31 Hektar Flächen im Grünen Band erworben. In Kooperation mit mehreren Partnern hat der BN außerdem eine Skizze für ein sechsjähriges Projekt „Quervernetzung Grünes Band“ erstellt. Der Antrag wird 2019 beim Bundesamt für Naturschutz eingereicht.

Im Juni starteten die BN-Artenschutzexperten mit zehn Partnern aus acht europäischen Ländern ein EU-gefördertes Projekt zum Lückenschluss im Biotopverbund entlang des zentraleuropäischen Abschnitts. Im August begann dann das grenzübergreifende sechseinhalbjährige Projekt „Leben für die Moore“ mit dem BN als Projektpartner. Es wird ebenfalls von der EU gefördert. Im Landkreis Freyung-Grafenau kauft der BN dafür weitere wertvolle Flächen an. Im Oktober organisierte der BN mit seinem national und international tätigen Fachbereich Grünes Band gemeinsam mit Partern die 10. Paneuropäische Grüne-Band-Tagung in Eisenach. Einstimmig wurde dort die „Eisenach Resolution“ zur Weiterentwicklung des Grünen Bandes Europa unterzeichnet.

Energie und Klimaschutz

Im Bereich Energie und Klimaschutz befasste sich der BUND Naturschutz 2018 vor allem mit den Themen  Energiesparen, Elektromobilität, den Genehmigungen der Abrisse der Atomkraftwerke Isar 1 und Grafenrheinfeld,
sowie Kohleausstieg und Netzausbau.

Kohleausstieg jetzt! Viele BN-Aktive beteiligten sich 2018 an den Demos in Berlin und Köln für einen schnelleren Kohleausstieg (Foto: BN).

In einem breiten Bündnis hat der BN ein Konzept für eine „Bayerische Agentur für Klimaschutz und  Energiewende“ entwickelt. Ziel ist es, die Öffentlichkeit mit guten Informationen zum Energiesparen, effizienter Energienutzung und dem Einsatz von Erneuerbaren Energien zu motivieren.

Die Energiewende erfordert den Aufbau dezentraler und regionaler Versorgungsstrukturen. Die bisherigen Planungen für den Netzausbau berücksichtigen dies jedoch nicht. Der BUND Naturschutz Lichtenfels diskutierte diesbezüglich mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der im November 2018 geplante Standorte für die Trassen SuedOstLink und SuedLink in Ober- und Unterfranken besuchte. Außerdem haben die Landesarbeitskreise Energie, Verkehr und Abfall des BN Informationsmaterial zur Elektromobilität mit den Schwerpunkten Klimaschutz, Verkehr sowie Rohstoffe und Recycling erarbeitet.

Ein weiterer Baustein für eine echte Energiewende und mehr Klimaschutz ist der Ausstieg aus der Kohleverstromung. Der BN-Ehrenvorsitzende Hubert Weiger hat 2018 die Umweltverbände in der von der Bundesregierung eingesetzten „Kohlekommission“ vertreten. Außerdem beteiligte sich der Verband an den großen Demonstrationen für einen schnellen Kohleausstieg, die am 1. Dezember in Berlin und Köln stattfanden.

Wegen erheblicher Sicherheitsdefizite hat der BUND Naturschutz 2017 beziehungsweise 2018 gegen die Abrissgenehmigungen für die Atomkraftwerke Isar 1 bei Landshut sowie Grafenrheinfeld bei Schweinfurt geklagt. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat die Klage zu Isar 1 abgewiesen. Der Verband wird 2019 in Revision gehen.

Landwirtschaft und Gentechnik

Die BN-Landwirtschafts- und Gentechnikexperten setzten sich 2018 vehement für einen Ausstieg aus der Herbizid- und Glyphosatanwendung in der Landwirtschaft ein. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt war die Förderung
der Biodiversität auf landwirtschaftlichen Flächen.

Ein Thema, das viele Menschen bewegt: Der BN setzt sich seit Langem ein für die artgerechte Haltung von Nutztieren (Foto: Karepa/Fotolia).

Nach der Wiederzulassung von Glyphosat Ende 2017 galt es für den BUND Naturschutz, den Druck auf die Politik zu erhöhen, um baldmöglichst einen Ausstieg zu erreichen. Der BN hat sich diesbezüglich an alle Molkereien in Bayern gewandt und sie aufgefordert, den Einsatz von Glyphosat bei ihren zuliefernden Landwirten zu untersagen. Auch die bayerischen Futtermittelwerke wurden angeschrieben. Molkereien, die auf den BN-Aufruf positiv reagierten, wurden auf der Internetseite des Verbandes veröffentlicht. Zusätzlich führte der BN ein wissenschaftliches Symposium in Freising und einen Praxisnachmittag in Wilpersberg zum Herbizidausstieg durch und erstellte eine verbandsinterne Argumentationshilfe.

Bei einer Exkursion zu einem Landwirtschaftsbetrieb im Landkreis Dingolfing diskutierten die BN-Landwirtschaftsexperten mit dem Bayerischen Bauernverband und der Kulturlandstiftung die dort umgesetzten Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität.

Die Wiesenmeisterschaft fand 2018 in den Landkreisen Regensburg Süd, Kelheim und Landshut statt. Knapp 30 Betriebe wurdenfür die Erhaltung artenreicher Wiesen ausgezeichnet. Außerdem veranstaltete der BN gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und Bioland einen Wettbewerb zu Ackerwildkräutern im Regierungsbezirk Niederbayern.

Für den Wasserschutz in der Landwirtschaft erstellte der BN gemeinsam mit dem Fischereiverband, den Flussallianzen und dem LBV ein entsprechendes Forderungspapier.

Umweltbildung

Umweltbildung gehört zu den zentralen Anliegen des BN. Mit generationenübergreifenden Bildungsangeboten wollen wir die Begeisterung für die Natur immer wieder neu wecken. Denn nur wer die Schönheit und Vielfalt von Flora und Fauna kennt, kann diese Güter auch schätzen und erhalten.

Die Rückkehr des großen Beutegreifers Wolf nach Bayern, Klimawandel und Biodiversität sowie der Umbau und die ökologische Sanierung des Seminar- und Verwaltungsgebäudes im Naturschutz und Jugendzentrum Wartaweil am Ammersee waren 2018 die Arbeitsschwerpunkte im BN-Umweltbildungsjahr.

Mit Förderung des bayerischen Umweltministeriums und unter der Leitung des BN-Bildungswerkes hat die Ausstellung „Die großen Vier – Vom Umgang mit Bär, Wolf, Luchs“ ihre Tour durch Bayern wieder aufgenommen. Gezeigt wurde sie im neu eröffneten BN-Bildungszentrum Wartaweil sowie bei der BN-Kreisgruppe Bamberg. Auf 15 Roll-ups und an vier Mitmachstationen informiert die Ausstellung umfassend
über die Lebensweise von Bär, Wolf und Luchs.

Auch die BN-Aktiven konnten sich mit einer Fortbildung für die Heimkehr des Wolfes „fit machen“. Je nach Einstellung und Tätigkeitsfeld begleiten die betroffenen Akteure diese Rückkehr mit freudigen oder ablehnenden Gefühlen. Wie in allen Diskursen ist Wissen und dessen Vermittlung hier auf unterschiedlichen Ebenen gefragt.

Um mehr „Anschaulichkeit“ ging es dem BN in 2018 beim Thema Klimawandel und Biodiversität. In einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Landesmediendienst hat der Verband mehr als 80 ausgewählte Sach-, Informations- und Spielfilme zum Thema beschafft. Die Filme können nun direkt über den Landesmediendienst Bayern ausgeliehen und in der politischen Bildung, in Jugendarbeit und Schule und in der Erwachsenenbildung eingesetzt werden.

Besonders erfreuliche Neuigkeiten gab es 2018 im BN-Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil am Ammersee. Weil sich die Belegung dort in den vergangenen zehn Jahren auf 6000 Übernachtungen pro Jahr verdreifacht hat, der Bereich Erwachsenenbildung ausgebaut werden soll und eine großzügige Erbschaft es ermöglichte, hat sich der Verband entschlossen, das in die Jahre gekommene Seminar- und Verwaltungsgebäude umzubauen. Der gesamte Planungsprozess wurde von einem Baubeirat aus den benachbarten Kreisgruppen begleitet. Nach einer vorbildlichen ökologischen und energiesparenden Sanierung und kurzer Bauzeit konnte der BN das Gebäude am 7.Oktober eröffnen. Es bietet nun völlig neue Möglichkeiten für die Bildungsarbeit. Insbesondere die „Bootshalle“ im Untergeschoss mit zeitgemäßer Tagungstechnik und der Seminarraum im Erdgeschoss sind eine echte Bereicherung für den Tagungs- und Veranstaltungsort Wartaweil.

Trotz der Umbaumaßnahmen wurde der Betrieb in 2018 mit fast 5000 Übernachtungen, 250 Tagesveranstaltungen, zwölf mehrtägigen Workshops und Seminaren, einer Ausstellung und zwei Großveranstaltungen aufrechterhalten. Auch das Kinder-Klima-Camp fand im Sommer statt – inzwischen zum neunten Mal. 34 Kinder und Jugendliche befassten sich vier Tage lang mit der Ressource Boden. Die neu gewonnenen Erkenntnisse mündeten unter anderem in einem Theaterstück und einer Podiumsdiskussion mit Kommunalpolitikern und Landtagsabgeordneten.

Umweltpolitik

Thematische Arbeitsschwerpunkte des BN-Referats für politische Kommunikation waren 2018 das Volksbegehren gegen Flächenfraß, das Engagement für eine zukunftsfähige Landwirtschaft, die Landtagswahlen
und der erfolgreiche Kampf gegen die Änderung des Alpenplans.

Betonflut stoppen! Der BUND Naturschutz war einer der Träger des Volksbegehrens gegen den Flächenfraß in Bayern (Foto: Georg Kurz).

2018 trat der BUND Naturschutz dem Trägerkreis zum „Volksbegehren gegen Flächenfraß“ bei. Es wurden Infomaterialien erstellt und Veranstaltungen organisiert. Leider ließ der Bayerische Verfassungsgerichtshof das
Volksbegehren nicht zu. Trotzdem zeigte die Initiative große Wirkung: Das Fünf-Hektar-Ziel hat es als Richtwert in den Koalitionsvertrag geschafft. Der BN wird die Wirksamkeit dieser Richtgröße in der laufenden Legislaturperiode auf den Prüfstand stellen.

Unter dem Motto „Mia hams Satt“ haben Menschen in München gezeigt was sie von der Politik wollen: eine ökologische, tiergerechte, bäuerliche Landwirtschaft und gesundes Essen, nachhaltige Mobilität, saubere Luft und Klimaschutz, lebenswerte Städte und den Erhalt unserer Kultur- und Naturlandschaft. Der BN war hier im Trägerkreis mit vollem Einsatz dabei.

Vor der Landtagswahl formulierte der BUND Naturschutz Wahlprüfsteine für die Parteien. Deren Antworten wurden auf knapp 40 000 Türhängern von den Aktiven verteilt. Zusätzlich führte der BN rund 20 Podiumsdiskussionen in ganz Bayern durch. Bei zahlreichen Terminen mit Politikern konnte der Verband seine Forderungen direkt an die Parteien bringen.

Einer der größten Erfolge des vergangenen Jahres: Die Alpenplan-Ruhezone am Riedberger Horn soll wiederhergestellt werden. Nur dem jahrelangen Engagement in einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis ist es zu verdanken, dass es die Rücknahme der Änderungen am Alpenplan in den neuen Koalitionsvertrag geschafft hat.

Verkehr und Flächenschutz

Die BN-Verkehrsexperten entwickelten 2018 einen Vorschlag zur Neuausrichtung der Förderpolitik im kommunalen Straßenbau. Außerdem wurden Positionspapiere zur Elektromobilität und zum Brenner-Nordzulauf verabschiedet. Sorge bereitet dem BN der ungebremste Flächenverbrauch in Bayern.

Flächenfraß: Der anhaltend hohe Flächenverbrauch in Bayern wie hier bei Landshut an der A 92 ist für den BN Anlass zu großer Sorge (Fotos: Klaus Leidorf)

Bisher wird im Freistaat der Neu- und Ausbau kommunaler Straßen bezuschusst, während Bestandssanierungsmaßnahmen weitgehend aus kommunalen Mitteln finanziert werden müssen. Deshalb fällt
die Entscheidung oft für den Neubau, was häufig zu ungerechtfertigten Landschaftseingriffen führt. Die BN-Verkehrsexperten haben dieses Problem aufgegriffen, Verbesserungsvorschläge erarbeitet und in der
Broschüre „Zerstört die Heimat nicht durch Zuschüsse“ allen bayerischen Bürgermeistern und Landräten zur Verfügung gestellt. Zum in der Öffentlichkeit heftig diskutierten Brenner-Nordzulauf hat der BN gemeinsam
mit den betroffenen Kreisgruppen seine Position klargemacht. Ebenso wurde gemeinsam mit den Energie- und Abfallexperten ein Positionspapier zur Elektromobilität verabschiedet. Weitere Arbeitsthemen waren der „fahrscheinlose ÖPNV“, Chancen und Risiken des autonomen Fahrens aus Sicht des Natur- und Umweltschutzes sowie die Luftreinhaltepolitik und der Dieselskandal. Das Pilotprojekt „Verkehrsberuhigung in Ortsdurchfahrten“ wurde weiter vorangetrieben.

Mit Sorge beobachtet der BUND Naturschutz den ungebrochen hohen  Flächenverbrauch in Bayern. Positiv ist, dass das Bewusstsein der Bürger für den Flächenschutz offenbar zunimmt. So waren im vergangenen Jahr viele – oft vom BN initiierte – Bürgerbegehren zur Bewahrung von wertvollem Boden erfolgreich. Stellvertretend dafür steht der in 2018 gerettete Hauptsmoorwald in Bamberg.

Wald

Das BN-Waldreferat warnte 2018 vor den Folgen der Klimakrise für unsere Wälder. Vielerorts sind Absterbeprozesse sichtbar. Es informierte über die notwendigen Waldumbaumaßnahmen und warb für mehr Naturwälder. Als Signal dafür hat der Verband ein zweites Naturwaldreservat auf BN-eigenen Flächen eingeweiht. Ebenso wichtig war der Einsatz gegen den flächigen Pestizideinsatz in Wäldern Mittel- und Unterfrankens und gegen das Fällen alter Bäume im Hohen Buchenen Wald.

Im Herbst 2018 weihte der BN im Landkreis Lindau das Naturwaldreservat Rohrachschlucht auf eigenen Flächen ein (Foto: BN).

Der BN hat in 2018 bei den Landtagsparteien und Kommunen für ein Naturwaldverbundkonzept im Spessart geworben. Der Verband verdeutlichte dabei, dass er das im idyllischen Hafenlohrtal geplante „Eichen-Infozentrum“ ablehnt, weil der Standort ungeeignet ist. Zusammen mit dem Verein Nationalpark Steigerwald und anderen Verbänden protestierte der BN außerdem gegen die neu aufgenommenen Holzeinschläge im vormaligen Schutzgebiet Hoher Buchener Wald bei Ebrach. Von den Fällungen waren auch etliche ältere Buchen betroffen.

Im September ging der Verband mit gutem Beispiel voran und weihte im Kreis Lindau das zweite Naturwaldreservat auf BN-eigenen Flächen ein. Es schützt einen artenreichen Schluchtwald in der Rohrachschlucht.

Mit einer Fotoaktion prangerte der BN dengroßflächigen Gifteinsatz in Eichenwäldern Mittel- und Unterfrankens an. Per Hubschrauber vergiftet die Forstverwaltung dort regelmäßig die Raupen des Schwammspinners und zugleich Hunderte andere Schmetterlingsarten. Durch frühere Gifteinsätze sind in einigen Wäldern bereits seltene Arten verschwunden.

Im Februar ehrte der Verband den Revierjagdmeister Klaus Urban aus Eggenfelden für seine langjährigen Verdienste in der Beratung privater Jäger und Waldbesitzer bei der Umsetzung des Grundsatzes „Wald vor Wild“ eingesetzt. Die BN-Waldexperten warben beim Verbraucher dafür, mehr zertifizierte Bioweihnachtsbäume oder Bäume direkt aus dem Wald zu kaufen.

Wasser

Auch 2018 hatten die BN-Wasserexperten so manches Problemfeld in Bayern zu beackern. Eines davon ist die europäische Wasserrahmenrichtlinie. Ihre Umsetzung kommt im Freistaat nach wie vor kaum voran.

Seit langem macht der BN sich stark für Randstreifen entlang unserer Fließgewässer, in denen die Natur sich entfalten kann – wie hier an der Bayerischen Schwarzach im Landkreis Cham (Foto: Robert Bäumler).

Mit der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) hat die EU für alle Mitgliedsstaaten einheitliche Umweltziele für den Schutz des Grundwassers und der Oberflächengewässer aufgestellt. Von Dezember 2018 bis März 2019
war die Bevölkerung in ganz Europa aufgerufen, sich zur WRRL zu äußern. Die Wasserfachleute haben die Kreisgruppen unterstützt und über den BUND angebotene Aktionen verbreitet. So haben etliche BN-Gruppen
eigene Nitrat-Messungen durchgeführt. Auch dank des Einsatzes der BN-Aktiven gaben 375386 Menschen ihre Stimme für sauberes Wasser und lebendige Fließgewässer.

Sorge macht den BN-Wasserfachleutendas Thema Gewässerschutz in der Landwirtschaft. Hier tritt die Bayerische Staatsregierung auf der Stelle. Eine Allianz von Naturschutzverbänden hat 2018 einen Forderungskatalog dazu erarbeitet und vorgestellt. Bei der Umsetzung des Wasserhaushaltsgesetzes war vor allem der Mindestwasserleitfaden im Fokus. Anfänglich fachlich gute Vorlagen werden derzeit von der Wasserkraftlobby blockiert.

Unkalkulierbar große Risiken sieht der Verband durch den Eintrag von Mikroplastik und Mikroschadstoffen auf unsere Fließgewässer zukommen. Der Eintrag nimmt dramatische Ausmaße an, was zusehends auch das Grundwasser belastet.

Lichtblicke gab es beim Thema technischer Hochwasserschutz: Statt der bisherigen Konzentration der Hochwasserschutz-Diskussion auf Polder an der Donau ist im Koalitionsvertrag eine Stärkung der dezentralen Regenrückhaltung enthalten. Der BN fordert bereits seit vielen Jahren einen natürlichen Wasserrückhalt im gesamten Einzugsgebiet.


Finanzen des BUND Naturschutz im Jahr 2018

Der prüfende Blick auf Bayerns Natur und Umwelt - ermöglicht durch unsere finanzielle und politische Unabhängigkeit (Foto: pixabay).

Steigende Mitgliederzahlen und Spendeneinnahmen sichern die finanzielle Unabhängigkeit des BUND Naturschutz. Die Aufgaben des BN werden ständig mehr: Die Sicherung der Energiewende, das Engagement für weitere Nationalparke in Bayern, die Auseinandersetzung um das Volksbegehren für Flächenschutz sowie die Unterstützung unserer Basisgruppen erfordern große Anstrengungen. Diese konnten nur bewältigt werden, weil sich immer mehr Menschen für eine Mitgliedschaft im BN entscheiden.

Einnahmen und Ausgaben

Der BUND Naturschutz lässt seinen Jahresabschluss – über die gesetzlichen Verpflichtungen hinaus – von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer unter die Lupe nehmen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Dr. Küffner & Partner prüfte die Zahlen im Frühjahr 2019 und bestätigte sie uneingeschränkt.

Mitgliederentwicklung

Ohne Mitglieder und Förderer wäre die wichtige Arbeit des BUND Naturschutz nicht möglich. Deshalb war es auch 2018 eines der zentralen Anliegen des BN, weitere Menschen von einer Mitgliedschaft zu überzeugen. Mit großem Erfolg!

Zum 31. Dezember 2018 hatte der BUND Naturschutz 236.073 Mitglieder und Förderer – ein neuer Höchststand. Die Zahl unserer Unterstützer ist damit seit über zehn Jahren kontinuierlich angestiegen. Über die Internetseite des BN sowie über die Aktivitäten des Landesverbandes und der Kreisgruppen kamen rund 1.700 Menschen neu dazu.

Eine Aufforderung, Mitglieder zu werben, gestaltete das Referat für jede Ausgabe des BN-Magazins. Beitrittskarten finden Interessierte in nahezu allen Veröffentlichungen des Verbands. Sehr erfolgreich war auch die professionelle Mitgliederwerbung: Die BUND Naturschutz Marketing GmbH (BNM) warb an Infoständen, an der Haustür und bei Veranstaltungen. Etwa 5.000 Mitglieder fanden so ihren Weg zum BN. Unser langjähriger Partner HSP gewann über 4700 Menschen für eine Mitgliedschaft, weitere circa 400 entschieden sich, Förderer zu werden.

2018 befragte der BN seine Förderer telefonisch, ob sie ihren Beitrag freiwillig erhöhen und Mitglied werden möchten. Rund 1.600 Förderer entschieden sich Mitglied zu werden, rund 1300 erhöhten ihren Beitrag. Ein schöner Beweis für das Vertrauen in die Arbeit des BN!

Spenden

Als größter Natur- und Umweltschutzverband Bayerns kann der BUND Naturschutz auf seine Mitglieder und Förderer zählen. 2018 zeigten sich die Unterstützer an Weihnachten besonders großzügig und auch die zweckgebundenen Spendenaufrufe wurden gut angenommen.

Der BN verzeichnete konstante Einnahmen bei den Spenden. Themen der drei zweckgebundenen Spendenaufrufe waren das Insektensterben, die Thematik Flächenfraß sowie die Probleme der Massentierhaltung. Vor allem beim Thema Insektensterben zeigen sich viele Menschen besonders großzügig. Die Einnahmen aus dem Weihnachtsspendenaufruf lagen über den Erwartungen.

Die Einkünfte aus Geldauflagen sind 2018 auf gleich niedrigem Niveau geblieben. Offenbar machen die Richterinnen und Richter in Bayern immer weniger von der Möglichkeit Gebrauch, gemeinnützigen Organisationen wie dem BN die Einnahmen aus Geldauflagen zukommen zu lassen.

Eine gute und intensive Betreuung seiner Spender liegt dem BUND Naturschutz besonders am Herzen. Die kompetente und freundliche Telefonkommunikation sowie die schnelle Bearbeitung der schriftlichen Anfragen rund um das Thema Spenden bilden das Herzstück des umfangreichen Service in der Landesgeschäftsstelle. 2018 fanden drei Erlebnistage statt, als Dankeschön für die großherzigen Zuwendungen. Reiseziele waren das Murnauer Moos, der Ismaninger Speichersee sowie der Besuch eines Biobauernhofes. 

Allen Spenderinnen und Spendern sagt der BUND Naturschutz an dieser Stelle ein herzliches „Vergelt‘s Gott “.

Haus- und Straßensammlung

2018 gingen zum 35. Mal tausende Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit der Sammelbüchse oder -liste des BN von Haus zu Haus oder baten Passanten auf der Straße freundlich um eine Spende für den Naturschutz. Das Ergebnis kann sich wieder sehen lassen.

Landesgeschäftsführer Peter Rottner, Ehrenvorsitzender Hubert Weiger und Vorsitzender Richard Mergner sammeln in München Spenden für die Natur.

Am Ende der größten Sammelaktion zugunsten des Natur- und Umweltschutzes in Bayern konnten Einnahmen von 489.390 Euro verbucht werden. Der erfolgreichste Einzelsammler war Josef Baumgartner aus Kiefersfelden. Über 4.600 Euro Spenden konnte er dem BUND Naturschutz übergeben. Das bayernweit beste Ergebnis bei den Schulen erzielte das Louise-Schroeder-Gymnasium in München mit etwa 10.500 Euro; die zweitbeste Schule, die Realschule Taufkirchen, hat rund 7.000 Euro gesammelt.

2016 hat der BUND Naturschutz ein neues Konzept für die Haus- und Straßensammlung erarbeitet, das 2018 zum zweiten Mal zum Einsatz kam. Bei der Aktion „Naturbotschafter – im Einsatz für Bayerns Natur“ sammelten Gruppen von Kindern beziehungsweise Jugendlichen Spenden für die Natur. Die Kinder bekommen Vorschläge für Sinnsprüche und Gedichte, die sie als „Naturbotschaft“ aufsagen und auf Kunstkarten gedruckt an Spender verschenken können.

Für den BN ist die Haus- und Straßensammlung eine unverzichtbare Geldquelle – für den Ankauf wertvoller Biotope ebenso wie für die Finanzierung landesweiter Aktionen, etwa zum Schutz der Donau, zum Ausbau der Erneuerbaren Energien oder zum Artenschutz. Dies muss weiterhin unabhängig von Wirtschaftsunternehmen, Parteien und Lobbygruppen stattfinden, die natürlich stets eine „Gegenleistung“ für finanzielle Zuwendungen erwarten. Nur wenn der BN seine Unabhängigkeit wahrt, kann er in der politischen Diskussion authentisch argumentieren und vorherrschenden Meinungen glaubwürdige Alternativen entgegensetzen.

Stiftung

Die Aufgabe der BUND Naturschutz Stiftung ist es, Zuwendungen dauerhaft zu erhalten und aus den Erträgen ihres Vermögens Projekte für Erhalt und Schutz unserer Umwelt zu finanzieren. Somit bietet die BUND Naturschutz Stiftung allen Naturfreundinnen und Naturfreunden die Sicherheit, dass Zuwendungen nicht kurzfristig ausgegeben werden, sondern langfristig zur Finanzierung wichtiger Projekte beitragen.

Stiftungen sind auf „ewig“ angelegt. Dies bedeutet, dass das Stiftungskapital auf Dauer erhalten bleiben muss und der einmal festgelegte Stiftungszweck nicht mehr geändert werden darf. Der in der Satzung der BUND Naturschutz Stiftung festgelegte Stiftungszweck ist der Erhalt und die Wiederherstellung unserer Lebensgrundlagen auf vielfältige Weise und mit verschiedenen Schwerpunkten. Die BUND Naturschutz Stiftung wurde im Jahr 2007 gegründet und startete im Jahr 2009 mit einem Stiftungskapital von 50.000 Euro. Seither wird ihr Bekanntheitsgrad durch gezielte Maßnahmen kontinuierlich erhöht. Hierzu zählen die Erstellung einer eigenen Homepage, einer ausführlichen Broschüre und eines Flyers. Broschüre und Flyer wurden bereits häufig angefordert und verschickt.

Auch konnte durch mehrere Zustiftungen das Gründungskapital auf rund 900.000 Euro erhöht werden. Seit dem Jahr 2012 sind nun auch Ausschüttungen erfolgt, wenn auch in noch überschaubarem Rahmen. Diese Ausschüttungen gingen zum Beispiel nach Wartaweil oder an Umweltprojekte in Nürnberg, Passau und Kulmbach, die alle mit dem BUND Naturschutz in Verbindung stehen. Mittlerweile wurden auch Unterstiftungen gegründet. 

Wir hoffen, dass wir durch weitere Zustiftungen die Erträge und damit die Ausschüttungen in den nächsten Jahren deutlich erhöhen und damit sinnvolle Projekte für Natur und Umwelt unterstützen und die Ziele des BN auch auf diesem Wege umsetzen können.