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Jahresbericht 2017: Themen, Erfolge, Finanzen

Was unternimmt der BUND Naturschutz für Bayerns Natur? Welche Erfolge hat er erzielt? Wie finanziert er seine Arbeit? Antworten finden Sie im Jahresbericht. 

Im Jahr 2017 ist der BUND Naturschutz auf über 230.000 Mitglieder angewachsen. Jedes Mitglied hilft uns, Bayerns Natur noch besser zu schützen - ob bei der Wiedervernässung eines Moores, der Neuanlage einer Hecke als "Trittstein" für Wildkatze und Neuntöter, bei unserer konkreten Arbeit für den Klimaschutz, eine faire Handelspolitik oder den Schutz der Alpen.


Themen und Erfolge für Bayerns Natur im Jahr 2017

Wolf
Der einst ausgerottete Wolf kehrt nach Bayern zurück (Foto: Möthrath/fotolia.com).

Bayern ist reich an Naturschönheiten. Vom wilden Hochgebirge im Nationalpark Berchtesgadener Land über das Murnauer Moos bis zum letzten frei fließenden Abschnitt der Donau in Niederbayern und den uralten Buchenwäldern im Steigerwald: ein Schatz, auf den wir stolz sein können und den es für uns und unsere nachfolgenden Generationen zu erhalten gilt.

Arten- und Biotopschutz

Die Diskussion um einen weiteren Nationalpark in Bayern war 2017 ein Arbeitsschwerpunkt der BN-Artenschutzexperten. Im Fokus standen aber auch die Themen Stadtnaturschutz und die Imagepflege für heimkehrende Arten wie Biber und Wolf. Außerdem will der BUND Naturschutz sicherstellen, dass die hohe Qualität der Schutzgrundstücke des Verbandes erhalten bleibt.

Kranich mit Küken in Wiese
Ein schöner Erfolg der Arbeit für das Grüne Band: 2017 brütete dort erstmals ein Kranichpaar (Foto: Ute Machel).

Seit Jahren macht der BUND Naturschutz „Werbung“ für die nach Bayern zurückkehrenden Arten wie Biber oder Luchs. Den „Baumeister am Wasser“ kann man jetzt besser kennenlernen: Im Mai wurde die weltweit größte Biberfreianlage im städtischen Tierpark von Bad Kissingen Klaushof eröffnet, ebenso eine Biberbeobachtungsplattform im Sinntal, beides gefördert durch den Bayerischen Naturschutzfonds.

Auch ein anderer Rückkehrer beschäftigte die Artenschutzexperten des Verbandes: der Wolf. Mehrere Tiere wurden gesichtet, und erstmals seit über 150 Jahren hat ein frei lebendes Wolfspaar in Bayern Nachwuchs bekommen. Der BN macht sich stark für eine finanzielle Förderung von Herdenschutzmaßnahmen und ein leistungsfähiges Wolfsmanagement.

Mit großem Schwung und viel Unterstützung durch die Kreis- und Ortsgruppen, Vorträgen, neuen Materialien und einem Bürgertelefon startete das neue BN-Projekt „Neue Chancen für alte Bäume“. Besonders bewährt hat sich der Aktionsleitfaden „Zukunftschancen für Freund Baum“. Gerade in den boomenden Städten des Freistaats werden Grünflächen oft überbaut. Dabei sind sie nicht nur wichtiger Lebensraum für viele Arten, sondern haben auch für die Luftqualität und zur Abkühlung in Zeiten des Klimawandels eine große Bedeutung. Nicht zuletzt ist Grün in der Stadt ein wichtiger Faktor für Lebensqualität, Gesundheit und Wohlbefinden.

Der BN besaß 2017 rund 2225 Hektar eigene Flächen und pachtete zusätzlich rund 850 Hektar. Die Experten im Verband arbeiteten an einem Standard für das Monitoring dieser Grundstücke. Damit soll sichergestellt werden, dass die BN-Flächen ihre oft hohe Qualität über die Jahre auch behalten. Sehr erfreulich verlief die Arbeit am Grünen Band: Im Projekt „Lückenschluss am Grünen Band“ konnten stattliche 140 Hektar erworben werden. In den Pilotregionen gab es viele Maßnahmen zum Artenschutz – mit erfreulichen Erfolgen. So brütete auf Flächen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze 2017 erstmals ein Kranichpaar. Für ihr herausragendes Engagement um das Grüne Band erhielten der BN- und BUNDVorsitzende Hubert Weiger und BN-Artenschutzreferent Kai Frobel den Deutschen Umweltpreis. Kai Frobel hatte schon als Schüler die Vogelpopulation am damaligen Grenzstreifen beobachtet und erkannt, dass dieser Bereich ein wichtiger Lebensraum ist. Nach der Wiedervereinigung entstand daraus die Idee, diese Lebensader mitten in Deutschland und mitten in Europa zu erhalten – die Geburtsstunde des Grünen Bandes.

Energie und Klimaschutz

Die Rettung der dezentralen Energiewende, Klimaschutz und Atomausstieg waren auch im Jahr 2017 Arbeitsschwerpunkte des BN. Im Vordergrund stand die Kooperation mit Kommunen. Gemeinsam mit Stadtwerken fordert der BN Konzepte für die dezentrale Energiewende, eine effektive Bepreisung von klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen und Pläne für die Kopplung der Sektoren Strom, Wärme, Verkehr und Landwirtschaft. 

Demo bei Klimakonferenz in Bonn
Der BUND Naturschutz war mit dabei, als run 25.000 Menschen bei der Klimakonferenz in Bonn wirksame Beschlüsse zum Schutz des Weltklimas forderten.

Gemeinsam mit Bürgerinitiativen kritisierte der BN die zentralistische Strompolitik der Bundesregierung, die auf Stromautobahnen setzt und damit regionale Akteure wirtschaftlich bedroht. Eine Zukunft mit 100 Prozent Erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne benötigt Stromspeicher, und zwar Kurzzeit und Langzeitspeicher. Der BN besuchte deshalb die Stadtwerke Haßfurt, die eine Power-to-gas-Anlage betreiben. Wasserstoffgas wird mit überschüssigem Strom aus Windenergie produziert, gespeichert und bei Bedarf wieder verstromt – ein kommunales Pilotprojekt für die Energiewende.

Im Januar erteilte das Bayerische Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz eine „Stilllegungsgenehmigung“ für den Abriss des Atomkraftwerkes Isar 1 bei Landshut. Das Problem: Die alten Betriebsgenehmigungen laufen weiter. PreussenElektra darf mit dem Abriss unten im Reaktor beginnen, während oben im Nasslager hochradioaktive abgebrannte Brennelemente lagern. Der BN klagt.

Über 25.000 Menschen forderten im November in Bonn vor der Klimakonferenz ehrliche Maßnahmen für den globalen Klimaschutz – der BUND war Mitveranstalter. BN-Fachleute aus den Bereichen Verkehr, Energie und Klimaschutz diskutierten über Elektromobilität: Die negativen Auswirkungen unseres Individualverkehrs werden dadurch nicht gelöst, diese erfordern einen strukturellen Umbau. Klimaschutz kann jedoch nur mit konsequentem Umstieg auf Elektromobilität erreicht werden.

Landwirtschaft und Gentechnik

Das Thema Glyphosat beschäftigte 2017 sowohl die BN-Landwirtschafts- als auch die Gentechnikexperten. Weitere Schwerpunkte waren neue Gentechniken, bäuerliche Tierhaltung und die Wiesenmeisterschaft.

Wir haben es satt 2017 in Berlin
Deutschlands größte Demo unter dem Motto "Wir haben es satt" fand im Januar in Berlin statt. Auch 2017 waren wieder viele BN-Aktive mit dabei (Foto: Heinrich Inkoferer).

Bis in den Herbst hinein wurde über die EU-Zulassung des Pflanzenvernichters Glyphosat gestritten. Ende November fiel schließlich durch einen skandalösen Alleingang des Bundeslandwirtschaftsministers Christian Schmidt die Entscheidung, das Mittel für weitere fünf Jahre zuzulassen. Andere Arbeitsschwerpunkte der BN-Experten waren die Novellierung des Gentechnikgesetzes (GenTG) und die Debatte um neue Gentechniken. BUND und BN fordern einhellig, dass auch sie dem GenTG unterworfen werden. 

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt hatte hohe Hürden für Anbauverbote von gentechnisch veränderten Pflanzen vorgesehen, weshalb die SPD den Gesetzentwurf ablehnte. Ein Arbeitsschwerpunkt war die Vergabepraxis des Europäischen Patentamtes. 2017 unterzeichnete der Verband einen Einspruch gegen ein Patent der Firmen Carlsberg und Heineken, in dem sie Braugerste und Bier als ihre Erfindungen beanspruchen.

In Verhandlungen mit der Landesanstalt für Landwirtschaft konnte der BN erreichen, dass das Amt seine umstrittene Broschüre zum Pflanzenschutzmitteleinsatz gegen selten gewordene Blühpflanzen auf extensiv genutzten Wiesen bis zur Überarbeitung aus dem Netz nimmt. Überdies wurden Initiativen gegen industrielle Tierhaltungsanlagen unterstützt. Ein Highlight des Jahres war die neunte Wiesenmeisterschaft, die 2017 in den Landkreisen Miesbach und München stattfand.

Umweltbildung

Umweltbildung gehört zu den zentralen Anliegen des BN. Mit generationenübergreifenden Bildungsangeboten wollen wir die Begeisterung für die Natur immer wieder neu wecken. Denn nur wer die Schönheit und Vielfalt von Flora und Fauna kennt, kann diese Güter auch schätzen und erhalten.

Wie kann die Transformation der ganzen Gesellschaft hin zu nachhaltigem Leben und Arbeiten gelingen? Mit diesem Thema beschäftigte sich das Bildungswerk des BUND Naturschutz. Aber auch zu aktuellen Themen wie Wildbienen oder Klimaschutz gab es spannende, lehrreiche Fortbildungen. Besonders gute Nachrichten gab es 2017 aus dem Naturschutz- und Jugendzentrum des Verbandes in Wartaweil am Ammersee sowie aus dem Forum Z der Kreisgruppe Aichach-Friedberg.

„Forum Z – die große Transformation in unserem Landkreis“ – so lautete der Titel einer großen Veranstaltung, die vom BN-Bildungswerk, der Kreisgruppe Aichach-Friedberg und dem Veranstaltungshaus Schloss Blumenthal gemeinsam entwickelt wurde. In acht Workshops überlegten und diskutierten 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Wochenende lang, wie der Wandel der Gesellschaft konkret im eigenen Landkreis aussehen könnte. Die Ideen von Architekten, Lehrern, Förstern, Krankenschwestern, Naturschützern, Unternehmern, Politikern und vielen anderen wurden als Thesenpapiere an den stellvertretenden Landrat übergeben. Gut möglich, dass das „Forum Z“ auch noch in anderen Landkreisen stattfinden wird.

Zahlreiche Fortbildungen und Schulungen bot das BN-Bildungswerk auch 2017 wieder für die Aktiven des Verbandes an. Das aktuelle Thema Insektensterben spiegelte sich wider in mehreren Veranstaltungen zum Thema Wildbienen. Das ebenfalls aktuelle Thema Klimaschutz machte das Bildungswerk im Wortsinne anschaulich: In einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Landesmediendienst Bayern konnten über 80 Filme zu Klimaschutz und anderen Umweltthemen beschafft werden. Diese Filme stehen jetzt für den Einsatz in der Erwachsenenbildung, Jugendarbeit, Schule und politischer Bildung zur Verfügung.

In Wartaweil am Ammersee betreibt der BUND Naturschutz ein eigenes Naturschutz- und Jugendzentrum. Seit der Eröffnung des Gästehauses im Jahr 2003 hat sich dessen Konzept bestens bewährt. Die Belegung hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht und liegt jetzt bei 6000 Übernachtungen im Jahr. Das Zentrum ist nicht nur zu einem beliebten Bildungsort für Schulklassen, Jugendgruppen und Multiplikatoren geworden, sondern hat sich in der Umweltbildungslandschaft etabliert. Mit 300 Tagesveranstaltungen, mit Workshops und Seminaren, Ausstellungen sowie mehreren Großveranstaltungen im Jahr bietet das Bildungszentrum heute ein umfangreiches Programm an. Zum Beispiel das Energiespardorf Bayern mit 695 Kursen in Schulen mit 15 000 Teilnehmenden.

Das Energiespardorf ist Energiewende zum Begreifen, ebenso wie die Ausstellung zur Energiewende, die das BN-Bildungswerk für Kreis- und Ortsgruppen verleiht. Zukunftsfähig handeln und enkeltauglich leben sind die Ziele der Bildungsarbeit im BUND Naturschutz. Diesem Ziel widmen sich natürlich auch die Kreisgruppen mit ihren Bildungsangeboten sowie die BNÖkostationen in Immenstadt, Würzburg, Passau und Mitwitz.

Umweltpolitik

Thematische Arbeitsschwerpunkte in der Umweltpolitik waren in 2017 der Widerstand gegen CETA, die Massentierhaltung, der Angriff auf das Anbindegebot und den Alpenplan sowie für eine bessere Luft in Bayerns Städten und einen baldigen Glyphosatausstieg.

Demo gegen Glyphosat vor der CSU-Zentrale am 29. November 2017
Der BUND Naturschutz in Bayern nahm an einer bundesweiten Kampagne gegen den Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat teil.

Schon 2016 hatte der BN mit einigen Organisationen an einem Tag 50.000 Unterschriften für ein Volksbegehren gegen das Wirtschafts- und Handelsabkommen CETA gesammelt. Das Gericht entschied jedoch, das Volksbegehren nicht zuzulassen, woraufhin das Abkommen vorläufig in Kraft trat. Der BN unterstützte die BUND-Kampagne „Raus aus der Massentierhaltung“. Ein großer Erfolg: Im neuen Koalitionsvertrag steht, dass das „Töten von Eintagsküken bis zur Mitte der Legislaturperiode beendet wird“. Ein Glyphosatausstieg binnen fünf Jahren wurde ebenso im Koalitionsvertrag verankert. Auch hier hat sicher der massive öffentliche Druck auf die Politik eine Rolle gespielt, zu dem auch eine BUND-Kampagne maßgeblich beigetragen hat. 

Ein weiterer Schwerpunkt war der Kampf gegen die Änderungen im bayerischen Landesentwicklungsprogramm. Trotz vieler BN-Aktionen stimmte der bayerische Landtag der Lockerung des Anbindegebots und der Änderung des Alpenplans (Riedberger Horn) zu. Gemeinsam mit einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis arbeitet der BN seither an der Rücknahme dieser Entscheidung. Ein Volksbegehren gegen den Flächenverbrauch wird der BN voraussichtlich nach der Delegiertenversammlung 2018 unterstützen.

Aktiv war der BN auch vor der 23. Weltklimakonferenz in Bonn und beteiligte sich an der Demo für Kohleausstieg und verbindliche Ziele für den Klimaschutz im Koalitionsvertrag. Weiter beschäftigte den BN das Thema Luftreinhaltung: Treffen des ehemaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer mit bayerischen Bürgermeistern nutzte der Verband, um endlich das Recht der Bürger auf saubere Luft durchzusetzen.

Verkehr und Flächenschutz

2017 war für die BN-Verkehrsexperten durch zwei große Erfolge geprägt: der Verzicht auf weitere Staustufen an der Donau im Bundesverkehrswegeplan und die Aufgabe der Flugplatzplanung im Coburger Land. Größte Brennpunkte waren die Luftverschmutzung in den Städten und der hohe Flächenverbrauch.

Straßenbau im Landkreis Regen
Der BUND Naturschutz engagierte sich auch 2017 gegen viele überzogene Straßenbauprojekte wie hier im Landkreis Regen (Foto: Fabian Preuß).

Viele Aktionen gegen den Flächenfraß und intensive Öffentlichkeitsarbeit gegen die Änderung des Landesentwicklungsprogramms und des Anbindegebots waren Schwerpunkte im vergangenen Jahr. Die Auseinandersetzung um den neuen Bundesverkehrswegeplan hat der BN intensiv mit Vorträgen, Lobbyarbeit, Stellungnahmen und öffentlichen Aktionen begleitet. Gemeinsam mit der Allianz pro Schiene und der Bahngewerkschaft EVG stellte der BN eine Studie vor, die zeigt, dass die bayerische Staatsregierung den Gesundheits-, Umwelt- und Klimaschutz eindeutig vernachlässigt. Im Klimaschutz ist Bayern Schlusslicht im bundesweiten Vergleich.

Und auch bei der Luftqualität und beim Flächenverbrauch liegt der Freistaat auf den letzten Plätzen. Der Verband hat zudem mit vielen Aktionen, Demonstrationen und Gesprächen klar gemacht, dass die Politik in Bezug auf Dieselfahrzeuge härter durchgreifen muss. Das Modellprojekt „Verkehrsberuhigung an Staatsstraßen statt Ortsumfahrungen“ wurde in mehreren Gesprächen mit der obersten Baubehörde vorangebracht. In den Landkreisen Rosenheim und Roth sind entsprechende Projekte auf einem guten Weg. Mit dem ökologischen Verkehrsclub VCD führte der BN Fachgespräche zum Nahverkehrsplan und startete ein Projekt, in dem die Wirkung von Zuschüssen für überdimensionierten Kommunalstraßenbau offengelegt und ein alternatives Zuschussmodell erarbeitet werden soll.

Wald

Der BUND Naturschutz wirbt weiterhin für mehr Naturwälder, ob im Steigerwald, im Spessart oder in anderen geeigneten Waldgebieten Bayerns. Dazu hat der Verband erstmals als Beitrag BN-eigene Flächen in ein Naturwaldreservat eingebracht. Ebenso wichtig war das Engagement für mehr naturnahe Waldwirtschaft, etwa für den Waldumbau im Klimawandel oder für eine waldfreundliche Jagd.

Bäume kartieren im Steigerwald
BN-Experten kartieren im "Hohen Buchenen Wald", einem besonders schützenswerten Teil des Steigerwalds, mehr als 7.600 dicke, alte Bäume (Foto: Georg Sperber).

Nach dem Aus für den Spessart bei der Nationalparksuche hat der BUND Naturschutz zusammen mit anderen Naturschutzverbänden einen Biotopverbund aus Naturwaldgebieten vorgestellt. Außerdem hat er mit der Kartierung von mehr als 7600 dicken, alten Bäumen im Hohen Buchenen Wald im Landkreis Bamberg die nationale Schutzwürdigkeit dieses Waldgebietes klar belegt. Leider war die Klage gegen die Schutzgebietsaufhebung vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig nicht erfolgreich, sodass immer noch kein großflächiges Laubwaldgebiet in Bayern geschützt ist. Einen Schritt mit Vorbildcharakter ging der BN im Landkreis Amberg-Sulzbach. Dort hat der Verband eigene Flächen mit einem ökologisch wertvollen Wald- und Feuchtgebietskomplex in das neue Naturwaldreservat Rumpelmühle eingebracht.

Dass es ökologisch vorbildlich bewirtschaftete Staatswälder gibt, machte der BN ebenfalls deutlich. Im Mai ehrte der Verband die Revierförster Stefan Bauernfeind und Alwin Rammo aus dem Landkreis Landsberg mit der Karl Gayer-Medaille für ihre Verdienste um die naturgemäße Waldwirtschaft und eine waldfreundliche Jagd. Weiter beschäftigte den BN der Pestizideinsatz in Christbaumplantagen. Wie der BUND-Weihnachtsbaumtest 2017 zeigte, werden dort Glyphosat und sogar längst verbotene Mittel wie E605 eingesetzt. Die BN-Waldexperten warben beim Verbraucher dafür, mehr zertifizierte Bioweihnachtsbäume oder Bäume direkt aus dem Wald zu kaufen.

Wasser

Beim Gewässerschutz gab es 2017 gleich zweimal Grund zur Freude: An der Donau wird der Naturschutz stärker in den Fokus gerückt, und im Allgäu bleibt die Ostrach einer der letzten alpinen Wildflüsse.

Ostrach bei Hinterstein
Die Ostrach darf ein unverbauter Fluss bleiben (Foto: Reinhard Scholl/fotolia.com).

Aufatmen zum Jahresende: Im November setzte das Verwaltungsgericht Augsburg den Plänen ein Ende, an der Ostrach bei Bad Hindelang in einem Schutzgebiet ein Wasserkraftwerk zu errichten. BUND Naturschutz und LBV hatten geklagt, weil der Oberallgäuer Landrat entgegen der Einschätzung der Fachbehörden die Genehmigung erteilt hatte. Das Gericht stellte fest, dass die Energiegewinnung aus Wasserkraft kein übergeordnetes öffentliches Interesse darstellt, wenn erhebliche Schäden für die Ökologie eines Gewässers damit verbunden sind.

An Bayerns großem Strom, der Donau, soll ein 2017 erstellter Masterplan den Naturschutz fördern. Die Initiative dafür ging unter anderem vom BN aus. Dementsprechend begrüßt der Verband den „Masterplan Donau“, weil er erstmals eine fachliche Zustandsbeschreibung mit Zielen und Projekten verbindet.

In einem breiten Bündnis setzte sich der BN auch für die Bewahrung der Salzach ein. Die Salzach, auf 60 Kilometern Grenzfluss zwischen Bayern und Österreich, ist der einzige Voralpenfluss, der nicht durch Staustufen unterbrochen ist. Im Juli 2017 fuhren trotz strömenden Regens über 60 Kanuten bei einer Bootsdemo von Tittmoning nach Burghausen.

Ein Dauerthema bleibt für die Experten des BN der Schutz unserer Gewässer vor Belastungen durch zu viel Gülle, Nitrat und Pestiziden aus der Landwirtschaft. Zusammen mit anderen Verbänden veranstaltete der BN im April 2017 eine hochkarätig besetzte Fachtagung zu diesem Thema. Dabei wurde auch das neue, gemeinsame Positionspapier „Umweltverträgliche Landwirtschaft, lebendige Bäche und Flüsse“ vorgestellt.


Finanzen des BUND NAturschutz im Jahr 2017

Steinkauz
Der prüfende Blick auf Bayerns Natur und Umwelt - ermöglicht durch unsere finanzielle und politische Unabhängigkeit (Foto: mrbridger68/fotolia.com).

Steigende Mitgliederzahlen und Spendeneinnahmen sichern die finanzielle Unabhängigkeit des BUND Naturschutz. Die Aufgaben des BN werden ständig mehr: Die Sicherung der Energiewende, das Engagement für weitere Nationalparke in Bayern, die Auseinandersetzung um die Rettung des Riedberger Horns sowie die Unterstützung unserer Basisgruppen erfordern große Anstrengungen. Diese konnten nur bewältigt werden, weil sich immer mehr Menschen für eine Mitgliedschaft im BN entscheiden.

Einnahmen und Ausgaben

Der BUND Naturschutz lässt seinen Jahresabschluss – über die gesetzlichen Verpflichtungen hinaus – von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer unter die Lupe nehmen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Dr. Küffner & Partner prüfte die Zahlen im Frühjahr 2018 und bestätigte sie uneingeschränkt.

Mitgliederentwicklung

Ohne Mitglieder und Förderer wäre die wichtige Arbeit des BUND Naturschutz nicht möglich. Deshalb war es auch 2017 eines der zentralen Anliegen des BN, weitere Menschen von einer Mitgliedschaft zu überzeugen. Mit großem Erfolg!

Zum 31. Dezember 2017 hatte der BUND Naturschutz 228.682 Mitglieder und Förderer – ein neuer Höchststand. Die Zahl unserer Unterstützer ist damit in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich um fast 58.000 gestiegen. Über die Internetseite des BN sowie über die Aktivitäten des Landesverbandes und der Kreisgruppen kamen rund 1300 Menschen neu zum BN. Eine Aufforderung, Mitglieder zu werben, gestaltete das Referat für jede Ausgabe des BN-Magazins. Beitrittskarten finden Interessierte in nahezu allen Veröffentlichungen des Verbands; über 6000 davon wurden allein mit dem Verkauf des BN-Büchleins „Trickkiste Natur“ verteilt.

Sehr erfolgreich war auch die professionelle Mitgliederwerbung: Die BUND Naturschutz Marketing GmbH (BNM) warb an Infoständen, an der Haustür und bei Veranstaltungen. Etwa 5000 Mitglieder fanden so ihren Weg zum BN. Unser langjähriger Partner HSP gewann über 3500 Menschen für eine Mitgliedschaft, weitere circa 1500 entschieden sich, Förderer zu werden. 2017 befragte der BN seine Mitglieder und Förderer telefonisch, ob sie ihren Beitrag freiwillig erhöhen möchten. Durchschnittlich 63 Prozent der Mitglieder sagten ja. Ein schöner Beweis für das Vertrauen in die Arbeit des BN!

Spenden

Als größter Natur- und Umweltschutzverband Bayerns kann der BUND Naturschutz auf seine Mitglieder und Förderer zählen. 2017 zeigten sich die Unterstützer an Weihnachten besonders großzügig und auch die zweckgebundenen Spendenaufrufe wurden gut angenommen.

Der BUND Naturschutz verzeichnete insgesamt einen Anstieg bei den Spendeneinnahmen. Themen der drei zweckgebundenen Spendenaufrufe waren der Einsatz zur Rettung des Riedberger Horns, sowie das Artensterben und unser Kampf gegen Glyphosat. Vor allem bei der Thematik um das Riedberger Horn zeigten sich viele Menschen besonders großzügig. Die Einnahmen aus dem Weihnachtsspendenaufruf lagen über den Erwartungen. Die Einkünfte aus Geldauflagen sind 2017 auf gleich niedrigem Niveau geblieben. Offenbar machen die Richterinnen und Richter in Bayern immer weniger von der Möglichkeit Gebrauch, gemeinnützigen Organisationen wie dem BN die Einnahmen aus Geldauflagen zukommen zu lassen.

Eine gute und intensive Betreuung seiner Spender liegt dem BUND Naturschutz besonders am Herzen. Die kompetente und freundliche Telefonkommunikation, sowie die schnelle Bearbeitung der schriftlichen Anfragen rund um das Thema Spenden bilden das Herzstück des umfangreichen Services in der Landesgeschäftsstelle. Auch fand letztes Jahr wieder ein Erlebnistag, als Dankeschön für die großherzige Zuwendung, statt. Reiseziel war das Riedberger Horn. Vor Ort konnten sich die Teilnehmer von der drohenden Naturzerstörung ein Bild machen.

Allen Spenderinnen und Spendern sagt der BUND Naturschutz an dieser Stelle ein herzliches „Vergelt‘s Gott “.

Haus- und Straßensammlung

2017 gingen zum 34. Mal tausende Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit der Sammelbüchse oder -liste des BN von Haus zu Haus oder baten Passanten auf der Straße freundlich um eine Spende für den Naturschutz. Das Ergebnis kann sich wieder sehen lassen.

Landesgeschäftsführer Peter Rottner, Vorsitzender Hubert Weiger und Landesbeauftragter Richard Mergner sammeln in München SPenden für die Natur.

Am Ende der größten Sammelaktion zugunsten des Natur- und Umweltschutzes in Bayern konnten Einnahmen von 520 395 Euro verbucht werden. Der erfolgreichste Einzelsammler war Josef Baumgartner aus Kiefersfelden. Über 4300 Euro Spenden konnte er dem BUND Naturschutz übergeben. Das bayernweit beste Ergebnis bei den Schulen erzielte die Realschule Taufkirchen mit etwa 7000 Euro; die zweitbeste Schule, das Elsa-Brändström-Gymnasium München, hat nur wenige Euro weniger gesammelt.

2016 hat der BUND Naturschutz ein neues Konzept für die Haus- und Straßensammlung erarbeitet, welches 2017 erstmals zum Einsatz kam. Bei der Aktion „Naturbotschafter – im Einsatz für Bayerns Natur“ sammelten Gruppen von Kindern beziehungsweise Jugendlichen Spenden für die Natur. Die Kinder bekommen Vorschläge für Sinnsprüche und Gedichte, die sie als „Naturbotschaft“ aufsagen und auf Kunstkarten gedruckt an Spender verschenken können.

Für den BN ist die Haus- und Straßensammlung eine unverzichtbare Geldquelle – für den Ankauf wertvoller Biotope ebenso wie für die Finanzierung landesweiter Aktionen, etwa zum Schutz der Donau, zum Ausbau der Erneuerbaren Energien oder zum Artenschutz. Dies muss weiterhin unabhängig von Wirtschaftsunternehmen, Parteien und Lobbygruppen stattfinden, die natürlich stets eine „Gegenleistung“ für finanzielle Zuwendungen erwarten. Nur wenn der BN seine Unabhängigkeit wahrt, kann er in der politischen Diskussion authentisch argumentieren und vorherrschenden Meinungen glaubwürdige Alternativen entgegensetzen.

Stiftung

Die Aufgabe der BUND Naturschutz Stiftung ist es, Zuwendungen dauerhaft zu erhalten und aus den Erträgen ihres Vermögens Projekte für Erhalt und Schutz unserer Umwelt zu finanzieren. Somit bietet die BUND Naturschutz Stiftung allen Naturfreundinnen und Naturfreunden die Sicherheit, dass Zuwendungen nicht kurzfristig ausgegeben werden, sondern langfristig zur Finanzierung wichtiger Projekte beitragen.

Stiftungen sind auf „ewig“ angelegt. Dies bedeutet, dass das Stiftungskapital auf Dauer erhalten bleiben muss und der einmal festgelegte Stiftungszweck nicht mehr geändert werden darf. Der in der Satzung der BUND Naturschutz Stiftung festgelegte Stiftungszweck ist der Erhalt und die Wiederherstellung unserer Lebensgrundlagen auf vielfältige Weise und mit verschiedenen Schwerpunkten. Die BUND Naturschutz Stiftung wurde im Jahr 2007 gegründet und startete im Jahr 2009 mit einem Stiftungskapital von 50 000 Euro. Seither wird ihr Bekanntheitsgrad durch gezielte Maßnahmen kontinuierlich erhöht. Hierzu zählen die Erstellung einer eigenen Homepage, einer ausführlichen Broschüre und eines Flyers. Broschüre und Flyer wurden bereits häufig angefordert und verschickt.

Auch konnte durch mehrere Zustiftungen das Gründungskapital erhöht werden. Seit dem Jahr 2012 sind nun auch Ausschüttungen erfolgt, wenn auch in noch überschaubarem Rahmen. Diese Ausschüttungen gingen zum Beispiel nach Wartaweil oder an Umweltprojekte in Nürnberg, Passau und Kulmbach, die alle mit dem BUND Naturschutz in Verbindung stehen. Mittlerweile wurden auch Unterstiftungen gegründet.

Wir hoffen, dass wir durch weitere Zustiftungen die Erträge und damit die Ausschüttungen in den nächsten Jahren deutlich erhöhen und damit sinnvolle Projekte für Natur und Umwelt unterstützen und die Ziele des BN auch auf diesem Wege umsetzen können.