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Flächenverbrauch durch Wohnen – ein vermeidbares Problem

Beim Thema Wohnen geht es ans Eingemachte, kaum jemand möchte hören, dass die von ihm gewählte Wohnform zum hohen Flächenverbrauch beiträgt. Doch gerade dieser Bereich stellt ein Problem dar, obwohl die Alternativen eine ganze Reihe von Vorteilen bieten, angefangen bei kurzen Wegen bis hin zu lebendigen Ortskernen.

Leiter, Gerüst und Sanierungsarbeiten an einem kleinen Altbau: Modernisierung wird oft gescheut, dabei ist sie eine Lösung für den Flächenverbrauch durch Wohnen. (Foto: Gina Sanders / Fotolia)
Leerstehenden Häusern und Sanierung von Altbauten wird noch immer zu wenig Beachtung geschenkt – dabei ist hier oft die günstigere, in jedem Fall die umweltfreundlichere Lösung zu finden. (Foto: Gina Sanders / Fotolia)

„Irgendwo müssen wir doch wohnen“ – dieses Argument ist oft zu hören, wenn es um den Flächenverbrauch für das eigene Domizil geht. Tatsächlich entfallen in Bayern rund 50 Prozent der neu verbrauchten Fläche auf den Bereich Wohnen, der Sektor hat damit den größten Anteil im Vergleich zu Verkehr und Gewerbe. In Ballungsräumen wie München („deutsche Pendlerhauptstadt“) oder Nürnberg, die ein hoher Zuzug vor große Herausforderungen stellt, sind neue Wohngebäude am Stadtrand auf den ersten Blick am ehesten nachvollziehbar. Doch gerade im ländlichen Raum wird in die Breite gebaut, scheint die Wertschätzung von Boden weniger hoch als im Stadtgebiet. Dabei sind die Alternativen zum Flächenverbrauch durch Wohnen bekannt und sprechen für sich, die Stichworte lauten:

  • Neubau im Bestand
  • Nachverdichtung
  • Baulückenreaktivierung
  • Sanierung

Leben im Ortskern hat viele Vorteile

Wer im Ortskern lebt, profitiert dagegen von vielen Vorteilen. Auf kurzen Wegen zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu Freizeitaktivitäten werden Geld und Zeit für Mobilität gespart. Ein lebendiges Leben innerorts bleibt damit ebenso erhalten wie intakte Natur und Landschaft vor den Toren. Statistisch sind Berufstätige mit langen Pendelzeiten zudem unzufriedener, ganz gleich ob sie mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, weil Zeit für die Familie oder die Freizeit fehlt. Daneben steigt die Zahl körperlicher Beschwerden, von Müdigkeit und Nervosität bis hin zu Nacken- und Schulterbeschwerden. Das Einfamilienhaus im Neubaugebiet hat zahlreiche negative Konsequenzen, die sich viele bei ihrer Entscheidung zu wenig bewusst machen.

Hochgerechnet auf ein ganzes Leben zeigt sich, dass Familien, die in Ortskernen wohnen, knapp vier Jahre auf alltäglichen Wegen unterwegs sind, Familien im Großstadtumland hingegen fast sechs, Familien in ländlicher Siedlung sogar über sieben Jahre. Parallel dazu explodieren die Kosten: Hier gewinnen Familien im Kleinstadtkern mit gut 10.000 €, gefolgt von im Großstadtkern lebenden mit rund 70.000 €. Familien, die im Großstadtumland leben wenden circa 180.000 € für ihre Mobilität auf, absoluter Spitzenreiter sind Bewohner ländlicher Siedlungen mit 700.000 € (Grundlage jeweils: Autokilometer 30 Ct, ÖPNV 15 Ct., Fahrrad 5 Ct, zu Fuß 0 Ct).

Zwei Wohnwelten im Vergleich

In der BN-Publikation natur+umwelt wurden zwei Beispielfamilien porträtiert, die stellvertretend für flächensparendes und flächenintensives Wohnen stehen. Lesen Sie, wie sich die Wohnsituation auf die Lebensqualität auswirkt. Natur+Umwelt 3-2006

Die Grafik zeigt alltägliche Wege zweier Familien: Familie Hampel, die am Ortsrand im ländlichen Raum lebt, legt täglich weite Strecken zurück, Familie Lechner im Kleinstadt-Kern kommt mit kurzen Wegen und entsprechend niedrigeren Kosten aus. (Grafik: natur+umwelt 306 Wohnen)
Wege und Kosten zweier Vergleichsfamilien: Familie Hampel wohnt am Ortsrand im ländlichen Raum, Familie Lechner im Kleinstadt-Kern. (Grafik: Natur+Umwelt 3-2006)

Trends gegen Flächenfraß: Von Demografie bis Share-Economy

Die Bevölkerung wird in Bayern zwischen 2015 und 2035 um 5,4 Prozent zunehmen, so sagen es die Demografen des Bayerischen Landesamts für Statistik voraus. Doch dieser moderate Anstieg sollte vom hohen Flächenverbrauch abgekoppelt werden. Dafür spricht auch der demografische Wandel: Kurze Wege im täglichen Leben, die ohne Auto zurückgelegt werden können, sind nicht zuletzt für ältere Menschen wichtig, um den Zugang zu sozialem Leben sicherzustellen.

Zwischen 1987 und 2015 stieg nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die durchschnittliche Wohnfläche je Einwohner von 35 auf über 45 Quadratmeter an. Auch an dieser Stelle ist ein Downsizing nötig, wie es von vielen Seiten für Ressourcenschutz aber auch für die psychische Gesundheit gefordert wird: Mieten und leihen statt kaufen und besitzen lautet die Losung der Share-Economy, ob etwa bei Textilien, Werkzeugen oder Autos. Sie liegt im Trend und wird für immer mehr Menschen zum Lebensmotto.

Kaufen Sie nicht online!

Ortskern stirbt aus

Innenstädte veröden, wenn lokale Geschäfte aufgeben müssen, die Konsumenten sind irgendwann „gezwungen“ Produkte im Internet oder Einkaufscenter zu erwerben

Gewerbeflächen wachsen

Logistikzentren auf der grünen Wiese sind fester Bestandteil vieler Gewerbegebiete, denn auch bestellte Waren wurden meist zwischengelagert

Verkehrsbelastung steigt

Der Lieferverkehr erhöht das Verkehrsaufkommen, trägt zur Forderung nach Straßenausbau bei; spätestens wenn Warenretouren anfallen – häufig bei Bekleidung – schneidet das bestellte Produkt in der Ökobilanz schlechter ab

Wenn Neubau unvermeidbar ist: Flächen sparsam nutzen

Für Städte und Gemeinden ist die Ausweisung von Neubaugebieten derzeit vielfach ein Standardvorgehen, und oft wird dabei mit den Kosten argumentiert. Dabei ist vielen Entscheidungsträgern nicht oder zu wenig bekannt, dass die Erschließungskosten inklusive der neuen Verkehrswege, die später unterhalten werden müssen, die Aufwendungen für neuen Wohnraum im Bestand in der Regel übertreffen.

Der Stadt Pfronten im Allgäu ist es gelungen, durch einen sogenannten Punktekatalog die negativen Folgen des Neubaugebietes Röfleuten abzumildern. Dabei wurde der Wert Fläche sozusagen eingepreist, indem flächensparende Gebäude mit niedrigeren Grundstückskosten belohnt wurden. Im Ergebnis unterscheidet sich Röfleuten von vielen anderen neuen Wohngebieten:

  • statt einheitlicher Reihenhäuser wechseln sich Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie Doppelhaushälften ab
  • anstelle heute üblicher 1,5-geschossiger Bauweise wurde zweistöckig plus Dachgeschoss gebaut, wie in traditionellen Allgäuer Ortskernen
  • Autostellplätze sind teilweise unterirdisch angelegt
  • viele Häuser sind energetisch optimiert, auch sie profitierten von günstigeren Grundkosten


Ihre Ansprechpartner für das Thema Flächenfraß

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