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BN-Protest in Rohr gegen viele geplante Baugebietsausweisungen

Flächenfraß stoppen, Betonflut eindämmen

29.11.2018

Der BUND Naturschutz (BN) kritisiert die überdimensionierte Ausweisung einer Vielzahl von Bauflächen im Vorentwurf der Flächennutzungsplanung der Gemeinde Rohr im Landkreis Roth.

Mit einem großen Bilderrahmen verdeutlichen Aktive des BN beim Ortsteil Regelsbach den Wert der Kulturlandschaft, die den Bauflächen weichen soll. Durch den damit verbundenen Flächenfraß gingen nicht nur etliche Äcker und Wiesen als wichtige landwirtschaftliche Nutzflächen verloren, sondern auch Hecken und Streuobstwiesen als wertvolle Lebensräume von Neuntöter, Bläuling und Co. Die noch intakte Kulturlandschaft und die gewachsenen Ortsbilder würden durch die 51 Bauflächen auf über 41 Hektar Fläche, das sind 57 Fußballfelder, massiv beeinträchtigt. Für den Hauptort Rohr würden die Trinkwasserressourcen übernutzt.

Der BN fordert von der Gemeinde Rohr, den Flächenverbrauch im weiteren Planungsverfahren deutlich zu senken und sich an der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung zu orientieren. Nur dann kann auch das Ziel der neuen Staatsregierung erreicht werden, den Flächenverbrauch in Bayern um 60 % zu senken.

"Wir protestieren mit der Aktion gegen die Pläne der Gemeinde Rohr, über 41 Hektar Bauflächen im Flächennutzungsplan vorzusehen. Das ist völlig überzogen und durch keinerlei Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung aus der Gemeinde gedeckt", so Beate Grüner, Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Roth.

Isabella Wengler, Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Rohr: "Wir sorgen uns um unsere Landschaft in unserer Heimat. Die vielen Bauflächen rings um die Ortschaften würden zahlreiche Biotope wie Hecken, Gehölze und Obstbäume unwiederbringlich zerstören, die es gerade in Ortsnähe noch gibt. Wir appellieren an den Gemeinderat, den Umfang der geplanten Bauflächen deutlich zu reduzieren."

"Der Flächenfraß ist das größte ungelöste Umweltproblem in Bayern. Das im Frühjahr begonnene Volksbegehren 'Betonflut stoppen' wurde leider vom Bayerischen Verfassungsgericht aus formalen Gründen für ungültig erklärt. Das Problem aber bleibt. Wir begrüßen, dass die neue Staatsregierung im Koalitionsvertrag das Ziel festgeschrieben hat, den Flächenverbrauch in Bayern von aktuell knapp 12 auf 5 Hektar pro Tag, also um 60 % zu senken. Dem widerspricht der Vorentwurf des Flächennutzungsplans der Gemeinde Rohr klar", so Tom Konopka, Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken.

Der BUND Naturschutz fordert 14 Bauflächen aus der Planung zu nehmen, weil hier sehr wertvolle Biotope betroffen wären. Bei weiteren 17 Flächen sieht der BN z. T. erheblichen Änderungsbedarf. Die geplanten neuen Wohnbauflächen sollten weitgehend gestrichen und die gesetzlich vorgeschriebene vorrangige Innenentwicklung auf 7,5 Hektar umgesetzt werden. Da erfahrungsgemäß nicht alle innerörtlichen Grundstücke zeitnah mobilisiert werden können, schlägt der BN vor, maximal dieselbe Fläche (7,5 ha) als Neubaufläche vorzusehen.

Hintergrund

Die Gemeinde Rohr im Landkreis Roth hat 3.653 EinwohnerInnen (Stand 2016). "Die Gemeinde zeichnet eine moderate Bevölkerungsentwicklung aus", schreibt sie in ihrem Internetauftritt. Sie stellt derzeit den Flächennutzungsplan für die Gemeinde auf. Im ersten Schritt wurde dazu ein Plan veröffentlicht, der rings um die Ortschaften der Gemeinde Rohr 41 Hektar für Baugebiete vorsieht. Insgesamt 51 Bauflächen sind im Plan vorgesehen.

Der BUND Naturschutz hat zum Vorentwurf des Flächennutzungsplans im Juli 2018 umfangreich Stellung genommen. Die geplante Ausweisung von Bauflächen weit über den Bedarf hinaus wird vom BN abgelehnt.

Laut Vorentwurf des Flächennutzungsplans stehen im Innenbereich der Orte im Gemeindegebiet 7,5 Hektar Wohnbauflächen in Baulücken zur Verfügung. Diese gilt es vorrangig zu nutzen. Die Fläche würde rechnerisch ausreichen, den Bedarf bis 2035 zu decken, wenn man die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung zu Grunde legt.

Der Demographiespiegel für Bayern (BayLfStat) bis 2028 zeigt für die Gemeinde Rohr eine Prognose von zusätzlich 180 EinwohnerInnen oder 4,9 % Zuwachs zwischen 2018 und 2028. Die Gemeinde Rohr geht im Flächennutzungsplanentwurf von 8 % Zuwachs aus, was aus Sicht des BN korrigiert werden muss.

Die Gemeinde Rohr müsste also für 15 Jahre als Laufzeit eines Flächennutzungsplans mit einem Bevölkerungszuwachs von vielleicht 6 %, max. 8 % planen. Die ermittelten 7,5 % Innenentwicklungspotential wären dann bereits völlig ausreichend. Eine Siedlungserweiterung bis 2035 wäre demnach gar nicht gerechtfertigt.

Für Rohr werden im vorliegenden Vorentwurf des Flächennutzungsplans für die Hauptorte Rohr (12,2 Hektar), Regelsbach (8,8 Hektar) und Gustenfelden (3,5 Hektar) jedoch Bauflächen in erheblichem Umfang geplant, die die bisher bebaute Fläche in diesen Orten stark wachsen ließe.

Öffentliche Informationsveranstaltung

Der BUND Naturschutz informiert über den aktuellen Flächennutzungsplan-Vorentwurf der Gemeinde Rohr im Rahmen einer Informationsveranstaltung "Flächenverbrauch reduzieren - auch beim Flächennutzungsplan Rohr" am Dienstag, den 4. Dezember um 19.30 Uhr im Gasthaus Bierlein (Saal) in Rohr. Als Referent stellt Tom Konopka, Regionalreferent für Mittelfranken beim BUND Naturschutz in Bayern die bayernweite Situation vor und wird zu den aktuellen Plänen in Rohr Stellung nehmen.

Für Rückfragen:

Tom Konopka, Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken, Fon 0911/81878-14, Fax 0911/869568, Mail tom.konopka@bund-naturschutz.de