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Bund Naturschutz fordert Stärkung regionaler Strukturen als Konsequenz aus dem Nitrophen-Skandal

Der Nitrophenskandal zeigt, dass zwar der ökologische Landbau ein hohes Maß an Sicherheit für den Verbraucher bedeutet, dass aber auch hier kriminelle Machenschaften nicht auszuschließen sind.

31.05.2002

Umso notwendiger ist es, das Kontrollsystem gerade auch bei den Futtermittelproduzenten erheblich auszuweiten und insgesamt den ökologischen Landbau besser als bisher vor Fehlentwicklungen zu schützen.

Generell ist der Pestizideinsatz kein Problem beim ökologischen Landbau, da dieser dort grundsätzlich verboten ist. Trotzdem muss in dem Maß der Ausweitung des ökologischen Landbaus auch das staatliche Kontrollsystem entsprechend ausgebaut werden.

Der Grundsatz der Fütterung der Tiere mit eigenen Futtergrundlagen ist in der ökologischen Produktion wieder stärker zu beachten und in der EU strenger als bisher zu regeln. EU-Regelungen müssen auch umgehend den Bereich der Kontrolle und Zertifizierung ökologischer Futtermittel umfassen.

Das heute vom Bundesrat positiv beschlossene Ökolandbaugesetz ist ein weiterer wichtiger Schritt zum Aufbau der Kontrollsysteme.
"Unabhängig davon fordert der Bund Naturschutz", so sein Vorsitzender Prof. Dr. Hubert Weiger, "dass gerade auch in Bayern die regionale Verarbeitung und Vermarktung der Bioprodukte mehr als bisher unterstützt wird. Dem Verbraucher muss gerade auch mit Hilfe des Bundesprogramms ökologischer Landbau die Bedeutung der regionalen Produktion verdeutlicht werden."

Die Rolle der Futtermittelindustrie ist mehr als bisher einer kritischen Bewertung zu unterziehen. Bei einem Anteil von 11 Milliarden - am gesamten landwirtschaftlichen Produktionswert von 46 Milliarden € ergibt sich ihre zentrale Schlüsselrolle.

Bereits beim BSE-Skandal hat die Futtermittelindustrie eine zentrale Rolle gespielt, ist aber bisher leider zum Schaden der Verbraucher und der ökologisch oder konventionell produzierenden Landwirte weitgehend von der Kritik und von harten Kontrollmaßnahmen verschont geblieben.

Es ist daher die nationale und EU-Politik endlich aufgefordert, eine verbindliche offene Futtermittelkennzeichnung durchzusetzen, einschließlich der Kennzeichnung gentechnisch veränderter Futtermittel, was bis heute nicht der Fall ist.

Auch der Lebensmittelhandel ist gefordert, nicht nur als symbolischen Akt jetzt Bioprodukte aus dem Regal zu nehmen und diese stattdessen mit anderen rückstandsbelasteten konventionellen Produkten zu füllen, sondern endlich den rigorosen Erzeugerpreisdruck zu beenden, der nicht zuletzt die Ursache zahlreicher Lebensmittelskandale ist. Die Verbraucher müssen erkennen, dass unter dem Strich die so genannten billigen Lebensmittel die teuersten sind.



gez.
Prof. Dr. Hubert Weiger
Vorsitzender
Tel. 0911/81 87 8-10
Fax 0911/86 95 68