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Strategien zur Beendigung des Antibiotikaeinsatzes gegen Feuerbrand

Bund Naturschutz begrüßt neues Strategiepapier aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium und fordert Ergänzungen im Bereich Forschung, für Marketingmaßnahmen zur Einführung resistenter Sorten sowie einen Entschädigungsfonds für betroffene Obstbauern

23.04.2003

In dem jetzt aktuell veröffentlichten neuen Strategiepapier aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium (http://www.verbraucherministerium.de/) ist als Ziel formuliert, den Einsatz von Antibiotika zur Feuerbrandbekämpfung wegen der bestehenden (Rest) Risiken und aus Gründen des vor-beugenden Verbraucherschutzes innerhalb der nächsten 5 Jahre „geordnet“ zu beenden. Dazu sollen die bisherigen Befallsgebiete exakt festgestellt werden, pflanzenbauliche Vorbeugemaßnahmen wie Ver-wendung resistenter Unterlagen und Sorten, Anbau in Mischkulturen oder Rückschnitt mit desinfizierten Werkzeugen stärker in die Beratung einbezogen werden, sowie an der weiteren Entwicklung und Forschung von Pflanzenstärkungsmitteln und biologisch abbaubaren Bekämpfungsmitteln weitergearbeitet werden. Auch sollen mögliche Infektionsquellen aus dem Streuobstanbau sowie öffentlichem Grün und Hausgärten durch Aufklärung und Rückschnitt minimiert werden.

Der BN begrüßt die Zielsetzung des Strategiepapiers, hält den vorgeleg-ten Maßnahmenkatalog allerdings für noch nicht ausreichend und für zu wenig verbindlich. Nach Auffassung des BN reicht es nicht aus, die lau-fenden Forschungsvorhaben und Mittelprüfungen aus Österreich und der Schweiz sowie aus den einzelnen deutschen Bundesländern auszu-werten, sondern ist es dringend erforderlich, die Forschungsmittel bei der BBA zu erhöhen und mehr Freilandversuchsflächen mit zugehörigem Personal zur Verfügung zu stellen. Für die vom Feuerbrand betroffenen Obstbauern fordert der BN nach wie vor einen Entschädigungsfonds, um die Ertragsverluste und Ausfälle hinreichend zu entschädigen. Darüber hinaus fordert der BN ein Markteinführungsprogramm für die neuen, bei den Verbrauchern und Verarbeitern noch unbekannten Obstsorten von feuerbrandresistenten bzw. –toleranten Unterlagen.

In dem Strategiepapier wird eingeräumt, dass die bisher getroffenen Maßnahmen noch nicht ausreichten, um das Infektionsrisiko durch Feuerbrand so weit zu mindern , dass auf die Anwendung von Plantomycin gänzlich verzichtet werden kann. Es wird also voraussichtlich auch in diesem Jahr bei entsprechenden Witterungsbedingungen kurzfristig eine auf „unbedingt notwendige Fälle“ beschränkte Anwendung von Plantomycin, welches das Antibioti-kum Streptomycin als Wirkstoff enthält, kommen. Der im Anwendungsgebiet erzeugte Honig wird auf Rückstände untersucht, und bei Überschreitung des zulässigen Grenzwertes von 0,12mg/kg aus dem Verkehr gezogen. Die Imker sollen entsprechend entschädigt werden.

Risiken des Plantomycineinsatzes

Der Bund Naturschutz hat sich aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes seit Jahren strikt gegen den Einsatz von Streptomycin ausgesprochen. Der BN befürchtet, dass die im Gebiet lebende Bevölkerung auf Grund des dichten Nebeneinanders von Siedlung und Landwirtschaft durch Abdrift gefährdet ist. Streptomycin ist ein Antibiotikum, das in der Humanmedizin zur Tuberkulosebekämpfung vorgesehen ist und auch als Tierarzneimittel bei Rind, Schwein, Schaf und Geflügel zulässig ist.
Der Bund Naturschutz spricht sich auch in anderen Bereichen für ein Verbot des Antibiotikaeinsatzes aus, so z.B. für ein sofortiges Antibiotikaverbot bei Leistungsförderern in Futtermitteln im Bereich der Tierproduktion sowie für ein Verbot der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen, die Antibiotikare-sistenzgene enthalten.
Durch den Einsatz von Streptomycin können Krankheitserreger, die mit dem Antibiotikum in Berührung kommen, Resistenzen ausbilden, so dass dieses dann in der Humanmedizin und Tiermedizin seine Wirkung verliert. Im letzten Jahr wurden Rückstände im Honig gefunden, die über dem neu festgesetzten Vorsorgegrenzwert von 0,02 mg/kg lagen.

Trotz seines hohen Wirkungsgrades, konnte mit dem Plantomycineinsatz in den Jahren 1994 bis 2000 die Ausbreitung des Feuerbrandes nicht einge-dämmt werden. Bei häufiger Anwendung treten sehr rasch streptomycinresistente Feuerbranderreger auf, wie das Beispiel USA zeigt.