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Der Biber in Bayern: Willkommen zurück!

Mit dem Biber ist dem BUND Naturschutz (BN) die erfolgreichste Wiedereinbürgerung eines Wildtieres in Bayern gelungen. Heute sorgt der Ureinwohner Bayerns für mehr Artenvielfalt und Hochwasserschutz im Freistaat. Trotzdem machen ihm Vorurteile das Leben schwer. Lesen Sie hier, wie der nützliche Nager tatsächlich lebt und wirkt.

Hier im Wasser ist der Biber in seinem Element (Foto: fotoreisen/fotolia.com)

Der Europäische Biber (Castor fiber) ist nicht nur das größte Nagetier Europas, er ist auch der beste „natürliche“ Ökosystem-Manager: Wo immer er lebt und anpackt, nimmt die Artenvielfalt sprunghaft zu. So zählen Biberreviere zu den artenreichsten Biotopen im Freistaat. Wie keine zweite Tierart gestaltet der Biber seinen Lebensraum selbst: Eindrucksvoll sind seine stattlichen Biberburgen, in denen er mit seiner Familie lebt. Manchmal bezieht er auch selbstgegrabene Röhren im Uferbereich. Mit kunstvoll erbauten Dämmen staut er das Wasser schließlich so auf, dass die Eingänge seiner Wohnbauten stets unter Wasser liegen – ganz so, wie er es gerne mag.

Der Europäische Biber: ein Baumeister

Der wertvolle Nebeneffekt seiner emsigen Bautätigkeit: Kostenlos und sozusagen Hand in Pfote mit der Wasserwirtschaft renaturiert er dabei begradigte Flüsse und Bäche. Der Laubfrosch, eine ehemalige Allerweltsart, die heute leider immer seltener wird, fühlt sich dort wieder wohl. Er nutzt die flachen, von der Sonne aufgewärmten Uferzonen des Biberbiotops, während er sich am Tag gleich nebenan in der neu entstandenen Schilfzone versteckt. Doch auch Fische profitieren enorm von der Umtriebigkeit des Bibers. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass in den Biberrevieren nicht nur mehr verschiedene Fischarten leben, sondern auch das Gewicht der einzelnen Tiere zunimmt. Auch die Fischdichte kann dort bis zu 80-mal höher sein als in biberfreien Gewässern.

Der Baumeister schafft mit seinen Dämmen und Burgen neue Strukturen im Wasser, die von Fischen dankend angenommen werden. Während sich kleine Exemplare in den flachen Gewässerabschnitten tummeln, stehen an tiefen Stellen – gleich am Biberdamm – die größeren Fische und warten auf Nahrung. Die Reste der Biber-Mahlzeiten wiederum, wie etwa abgenagte Weidenäste, bieten der Fischbrut neue Versteckmöglichkeiten. Und selbst liegen gebliebene Bäume sind ein Segen für die Flussökologie. In der Strömung verwirbeln sie das Wasser und reichern es mit Sauerstoff an. 

Kost und Logis für Tiere - Hochwasserschutz für Menschen

Biber in Bayern: Der Biber gestaltet seinen Lebensraum (Foto: Ralph Frank)
Der Biber gestaltet seinen Lebensraum (Foto: Ralph Frank)

Die landschaftsgestaltende Wirkung des Bibers macht aber an den Ufern nicht halt: Überflutete Flächen entwickeln sich je nach Standort zu Weichholzauen, Schilfzonen, Seggenrieden oder fischfreien Kleinstgewässern, in denen Amphibien wie die Gelbbauchunke oder der Laubfrosch gefahrlos laichen können. Vielfalt erzeugen auch die Baumfällaktionen des pelzigen Wassertieres. In den entstehenden Lücken wachsen im kleinräumigen Wechsel von Hell und Dunkel auf engstem Raum Pflanzen mit ganz unterschiedlichen Licht- und Nährstoffbedürfnissen. An Land wiederum bietet das Biber-Totholz Kost und Logis für Kleinsäuger, seltene Vogelarten und vor allem Insekten, wie die gefährdeten Scharlachkäfer.

Aber der Biber (wissenschaftlicher Name: Castor fiber) ist nicht nur Ökosystem-Manager – er ist auch im Hochwasserschutz tätig. So verzögert sich überall dort, wo Castor fiber lebt und baut, der Wasserabfluss extrem – je nach Topografie bis um das 160-fache. Während in einem Gebiet ohne Biberdämme ankommendes Wasser innerhalb von drei bis vier Stunden wieder abfließt, dauert es in gestauten Bereichen bis zu 19 Tage. Dadurch versickert und verdunstet bereits im Oberlauf von Bächen mehr Wasser und Hochwasserspitzen werden gekappt. Umgekehrt profitieren in trockenen Jahren Natur und Landwirtschaft vom „Wasserrückhaltesystem“ des Bibers.

Biber und Mensch wieder aneinander gewöhnen

Trotz aller Leistungen, die der Biber für uns und die Natur erbringt, hat er oft ein schlechtes Image. Denn natürlich kommt er mit seinen Baukünsten in unserer dicht bebauten und intensiv genutzten Landschaft gelegentlich dem Menschen in die Quere. Etwa, wenn er mit einem seiner Dämme eine Wiese unter Wasser setzt oder ein Traktor im unterhöhlten Uferbereich einbricht.

Der BUND Naturschutz weiß, wie wichtig es ist, Mensch und Biber dabei zu unterstützen, sich wieder aneinander zu gewöhnen. Der Verband finanziert deshalb schon seit 1996 zwei hauptamtliche Biberberater für Bayern. Sie stehen bei allen Fragen rund um den Biber mit Rat und Tat zur Seite. So lassen sich für alle Konfliktfälle gute, meist überraschend einfache Lösungen finden. Mehr noch: Viele Probleme tauchen gar nicht erst auf, wenn die Biber-Experten frühzeitig zurate gezogen werden.

Tatsache ist: Der Biber kann nur knappe fünf Prozent der bayerischen Landesfläche überhaupt besiedeln und in den allermeisten Revieren des Nagers leben Mensch und Tier ohne Schwierigkeiten zusammen. Zudem entfernt sich ein Biber selten weiter als 20 Meter vom Wasser. Konflikte entstehen deshalb meist nur dort, wo der – auch für den Trink- und Hochwasserschutz – wichtige Uferrandstreifen fehlt.

Vieles, was dem Baumeister in Medienberichten oder Erzählungen angelastet wird, gründet sich auf Vorurteile oder mangelnde Information. Deswegen ist eine der wichtigsten Aufgaben des BN in Bezug auf den Biber, sachlich über die Lebensweise des Bibers zu informieren. Damit der nützliche Nager wieder in den Herzen der Menschen ankommt!