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Biber in Bayern: Willkommen zurück!

Mit dem Biber ist dem BUND Naturschutz (BN) die erfolgreichste Wiedereinbürgerung eines Wildtieres in Bayern gelungen. Heute sorgt der Ureinwohner Bayerns für mehr Artenvielfalt und Hochwasserschutz im Freistaat. Trotzdem machen ihm Vorurteile das Leben schwer. Lesen Sie hier, wie der nützliche Nager tatsächlich lebt und wirkt.

Der Europäische Biber (Castor fiber) ist nicht nur das größte Nagetier Europas, er ist auch der beste „natürliche“ Ökosystem-Manager: Wo immer er lebt und anpackt, nimmt die Artenvielfalt sprunghaft zu. So zählen Biberreviere zu den artenreichsten Biotopen im Freistaat. Wie keine zweite Tierart gestaltet der Biber seinen Lebensraum selbst. Eindrucksvoll sind seine stattlichen Biberburgen, in denen er mit seiner Familie lebt. Manchmal bezieht er auch selbstgegrabene Röhren im Uferbereich. Mit kunstvoll erbauten Dämmen staut er das Wasser schließlich so auf, dass die Eingänge seiner Wohnbauten stets unter Wasser liegen. Davon profitieren zahlreiche Arten, die ihren Lebensraum in den durch den Biber renaturierten Auen finden. Doch weiterhin wird dem Biber stellenweise das Leben unnötig erschwert.


BN informiert: Baumeister am Wasser. Der Biber – ein Freund und Helfer

Vorurteile gegenüber dem Biber ausräumen!

Der Biber war jahrzehntelang aus Bayern verschwunden. Heute wissen nur noch wenige Menschen, wie der nützliche Nager tatsächlich lebt. Deshalb halten sich einige Vorurteile über den Biber hartnäckig. Erfahren Sie hier, was tatsächlich Fakt ist.

Vorurteil 1: Es gibt schon zu viele Biber in Bayern

Gerüchte über eine vermeintliche Übervermehrung des Bibers sind falsch, eine solche ist biologisch gar nicht möglich.

Fakt ist: Nur fünf Prozent der Landesfläche des Freistaates kommen überhaupt als Lebensraum für den Biber infrage. Innerhalb der darin besetzten Reviere bleibt die Anzahl der Tiere fast konstant, denn Biber sind extrem territorial.

Hat eine Familie ein Revier besetzt, wird kein weiterer Biber darin geduldet. Rivalen werden vehement vertrieben. Nicht selten kommt es dabei auch zu tödlichen Verletzungen. Auf einem Gebiet von etwa zwei Kilometern Uferlänge werden deshalb nie mehr Biber als ein Elternpaar, die Jungen vom Vorjahr und der aktuelle Nachwuchs leben. Das Vorkommen der Nager auf einer bestimmten Fläche ist also streng begrenzt. Zweijährige Biber sind mittlerweile in Bayern auf einem Spießrutenlauf unterwegs und müssen sich auf ihren Wegen zu neuen Ufern durch besetzte Reviere kämpfen.

Vorurteil 2: Biber passen nicht mehr in unsere Natur

Dass der Biber mit der von uns so stark gestalteten Landschaft zurechtkommt, hat er auf überraschende Weise bewiesen.

Fakt ist: Jetzt kommt es darauf an, ob wir mit ein klein wenig mehr Natur zurechtkommen. Denn: Unsere Landschaft hat mit Natur im eigentlichen Sinne meist nur noch wenig zu tun: Fast jeder Quadratzentimeter wurde von uns umgestaltet und der Nutzung unterzogen. Wildnis kommt so gut wie nicht mehr vor.

Der Biber tut in dieser Situation das, was er immer getan hat: Er gestaltet seinen Lebensraum. Seine Devise lautet schlicht und ergreifend: Mehr Natur! Gerade das „Unaufgeräumte“, das Abwechslungsreiche, Vielfältige und sich ständig Verändernde, das er in seinen Revieren wieder einführt, entspricht dem eigentlichen Wesen der Natur. Die Gesetzeslage ist klar: Laut EU-Recht begrüßen die europäischen Staaten die Rückkehr ehemals ausgerotteter Tierarten. Nun geht es darum, in den Köpfen und Herzen der Menschen auch Platz für sie – und etwas mehr Wildnis – zu schaffen.

Zudem kann der Biber nur knappe fünf Prozent der bayerischen Landesfläche überhaupt besiedeln. Dabei entfernt er sich auf Nahrungssuche praktisch nie mehr als 20 Meter vom Wasser. Konflikte entstehen deshalb meist nur dort, wo der auch für den Trink- und Hochwasserschutz wichtige Uferrandstreifen fehlt.

Vorurteil 3: Wo der Biber lebt, gibt es bald keine Bäume mehr

Biber fällen vor allem im Winter Bäume, wenn es sonst nichts für sie zu fressen gibt. Da sie nicht klettern können, ist dies ihre einzige Möglichkeit, an Blätter oder die zarte Rinde der Äste zu gelangen.

Fakt ist: Wenn ein Bach- oder Flussufer naturnah und dicht mit typischen Auwaldbäumen wie Weide oder Erle bewachsen ist, stören die Fällaktionen des Bibers kaum. Sie gehören zum normalen Kreislauf in diesem Lebensraum. Bäume wie Weide oder Erle schlagen im Folgejahr aus den Baumstümpfen wieder aus.

Handelt es sich bei dem Revier allerdings um eher naturferne und vom Menschen gestaltete Bereiche, schmerzen Verluste unter den wenigen verbliebenen Bäumen. Hier muss der Mensch steuernd eingreifen. In solchen Gebieten ist es sinnvoll, Uferbäume frühzeitig mit einer Drahtgeflechthose (Maschendrahtzaun oder Estrichmatte) im unteren Stammbereich bis zu einer Höhe von 1,20 Meter zu schützen. Gleiches gilt für wertvolle Obst- oder Nutzbäume, die in der Nähe von Bibergewässern stehen – eine preiswerte Lösung, die gut funktioniert. Langfristig ist es aber sinnvoll, mehr naturnahe (Auwald-)Vegetation in Uferbereichen zuzulassen.

Vorurteil 4: Biber verursachen Hochwasser

Immer wieder wird behauptet, Deiche seien gebrochen, weil der Biber sie untergraben habe.

Fakt ist: Bisher kam es zu keinem einzigen solchen Fall. Rein theoretisch können Tierbaue die Standsicherheit von Deichen beeinträchtigen. Dies gilt für Baue und Röhren von Bibern, Bisam, Nutria, Dachs, Fuchs und Kaninchen. In der Praxis ist dieses Problem allerdings seit langem bekannt und die Wasserwirtschaftsämter haben sich darauf eingestellt. Sie sichern Deiche schon seit den 1990er-Jahren durch Gitter, Steinschüttungen und grabesichere Aufbauten entsprechend ab.

Während des Hochwassers im Jahr 2013 kam es zu keinem einzigen Deichbruch durch den Biber. Das zeigt, dass sich Mensch und Tier im Hochwasserschutz längst aneinander angepasst haben und gut miteinander zurechtkommen. Mehr noch: Der Biber unterstützt den Menschen beim Hochwasserschutz. So verzögert sich der Wasserabfluss je nach Topografie bis um das 160-fache überall dort, wo der fleißige Nager lebt und baut. Während in einem Gebiet ohne Biberdämme ankommendes Wasser innerhalb von drei bis vier Stunden wieder abfließt, dauert es in gestauten Bereichen bis zu 19 Tage. Dadurch versickert und verdunstet bereits im Oberlauf von Bächen mehr Wasser und Hochwasserspitzen werden gekappt. Umgekehrt profitieren in trockenen Jahren Natur und Landwirtschaft vom „Wasserrückhaltesystem“ des Bibers, etwa durch mehr Grundwasser und letzte Rückzugsgebiete für wassergebundene Tiere.


Baumeister Biber

Der wertvolle Nebeneffekt der emsigen Bautätigkeit des Bibers: Kostenlos und sozusagen Hand in Pfote mit der Wasserwirtschaft renaturiert er begradigte Bachläufe. Dort fühlt sich beispielweise der Laubfrosch, eine ehemalige Allerweltsart, die heute leider immer seltener wird, wieder wohl. Der Laubfrosch nutzt die flachen, von der Sonne aufgewärmten Uferzonen des Biberbiotops, während er sich am Tag gleich nebenan in der neu entstandenen Schilfzone versteckt. Doch auch Fische profitieren enorm von der Umtriebigkeit des Bibers. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass in den Biberrevieren nicht nur mehr verschiedene Fischarten leben, sondern auch das Gewicht der einzelnen Tiere zunimmt. Auch die Fischdichte kann dort bis zu 80-mal höher sein als in biberfreien Gewässern.

Der Baumeister schafft mit seinen Dämmen und Burgen neue Strukturen im Wasser, die von Fischen dankend angenommen werden. Während sich kleine Exemplare in den flachen Gewässerabschnitten tummeln, stehen an tiefen Stellen – gleich am Biberdamm – die größeren Fische und warten auf Nahrung. Die Reste der Biber-Mahlzeiten wiederum, etwa abgenagte Weidenäste, bieten der Fischbrut neue Versteckmöglichkeiten. Und selbst liegen gebliebene Bäume sind ein Segen für die Flussökologie. In der Strömung verwirbeln sie das Wasser und reichern es mit Sauerstoff an.


Kost und Logis für andere Tiere

Die landschaftsgestaltende Wirkung des Bibers macht an den Ufern nicht halt: Überflutete Flächen entwickeln sich je nach Standort zu Weichholzauen, Schilfzonen, Seggenrieden oder fischfreien Kleinstgewässern, in denen Amphibien wie die Gelbbauchunke oder der Laubfrosch gefahrlos laichen können. Vielfalt erzeugen auch die Baumfällaktionen des pelzigen Wassertieres. In den entstehenden Lücken wachsen im kleinräumigen Wechsel von Hell und Dunkel auf engstem Raum Pflanzen mit ganz unterschiedlichen Licht- und Nährstoffbedürfnissen. An Land wiederum bietet das Biber-Totholz Kost und Logis für Kleinsäuger, seltene Vogelarten und vor allem Insekten, wie die gefährdeten Scharlachkäfer.


Biber und Mensch wieder aneinander gewöhnen

Trotz aller Leistungen, die der Biber für uns und die Natur erbringt, hat er oft ein schlechtes Image. Denn natürlich kommt er mit seinen Baukünsten in unserer dicht bebauten und intensiv genutzten Landschaft gelegentlich dem Menschen in die Quere. Etwa, wenn er durch einen seiner Dämme eine Wiese unter Wasser setzt oder ein Traktor im unterhöhlten Uferbereich einbricht.
Der BUND Naturschutz weiß, wie wichtig es ist, Mensch und Biber dabei zu unterstützen, sich wieder aneinander zu gewöhnen. Der Verband finanziert deshalb schon seit 1996 zwei hauptamtliche Biberberater für Bayern. Sie stehen bei allen Fragen rund um den Biber mit Rat und Tat zur Seite. So lassen sich für alle Konfliktfälle gute, meist überraschend einfache Lösungen finden. Mehr noch: Viele Probleme tauchen gar nicht erst auf, wenn die Biber-Experten frühzeitig zurate gezogen werden.

Tatsache ist: Der Biber kann nur knappe fünf Prozent der bayerischen Landesfläche überhaupt besiedeln und in den allermeisten Revieren des Nagers leben Mensch und Tier ohne Schwierigkeiten zusammen. Zudem entfernt sich ein Biber selten weiter als 20 Meter vom Wasser. Konflikte entstehen deshalb meist nur dort, wo der – auch für den Trink- und Hochwasserschutz – wichtige Uferrandstreifen fehlt.
Vieles, was dem Baumeister in Medienberichten oder Erzählungen angelastet wird, gründet sich auf Vorurteile oder mangelnde Information. Deswegen ist eine der wichtigsten Aufgaben des BN in Bezug auf den Biber, sachlich über die Lebensweise des Bibers zu informieren. Damit der nützliche Nager wieder in den Herzen der Menschen ankommt!

Helfen Sie dem bayerischen Biber


Noch mehr Informationen zum Biber

Monitoring Biberreviere

Seit 1999 beobachten Experten im Auftrag des BUND Naturschutz und der Regierung von Mittelfranken, wie der Biber seine zurückeroberten Lebensräume verändert und aufwertet. Lesen und sehen Sie hier die Ergebnisse des Monitorings von 2014 und 2018.

Monitoring Biberreviere 2018, Langfassung (PDF)

Monitoring Biberreviere 2018, Kurzfassung (PDF)

Monitoring Biberreviere 2014, Kurzfassung (PDF)

Monitoring Biberreviere 2014, Langfassung (PDF)

Monitoring Biberreviere 2014, Fotodokumentation (PDF)

Biber-Spielideen für Kinder

  • Eine Biberlandschaft im Freien bauen?
  • Wie fühlen sich Schwimmhäute an?
  • Karotten "fällen"?

Das Bildungswerk des BUND Naturschutz hat eine bunte Sammlung an Spielideen für Kindergärten zusammengestellt.