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Was den Biber heute bedroht

Der Biber unterliegt in Deutschland dem Naturschutzrecht und zählt in Europa zu den streng geschützten Arten. Trotzdem muss der BUND Naturschutz (BN) immer wieder für sein „Bleiberecht“ kämpfen.

Schwindende Lebensräume bedrohen den Biber. Hier ein Donaualtwasser bei Niederalteich.
Donaualtwasser bei Niederalteich: So perfekte Lebensräume findet der Biber nur noch selten (Foto: Wolfgang Willner)

Ausgewachsene Biber haben bei uns fast nirgendwo mehr natürliche Feinde wie Luchs oder Wolf und lassen sich durch menschliche Aktivitäten nur recht wenig stören. Insgesamt also ganz gute Voraussetzungen für den großen Nager – möchte man meinen. Was ihm jedoch zusetzt, ist die weitere Zerschneidung und Veränderung seiner ohnehin nicht mehr naturnahen Lebensräume.
Es gibt Bildnachweise von Füchsen, die Jungbiber in ihrem Fang tragen. Neben Füchsen können auch Marderartige, wie Dachs, Stein- und Baummarder Jungibern nachstellen. In Seeadlerhorsten wurden auch schon Biberschwänze gefunden, doch sie tragen auch nur kleine Nager ein. Zwei Fischarten können Bibern gefährlich werden: Hechte und Waller.  Doch die Mundspalte ist begrenzt.

Dort, wo Flüsse und Bäche jetzt noch begradigt, ausgebaut, gestaut und verrohrt werden, sinkt auch die Lebensqualität für den Biber. Wo Äcker sich bis wenige Zentimeter an die Flussufer heran ausbreiten, ist sein Lebensraum in Gefahr. Und auch der Verkehr ist ein Thema: Je mehr Straßen und Bahngleise das Revier des Bibers durchschneiden, desto höher ist sein Risiko, bei einem Zusammenstoß zu sterben.
Der Straßenverkehr ist ein sehr wesentlicher Todesgrund. Doch es gibt noch einen weiteren Spießrutenlauf für Biber: Im Sommer müssen sich die halbwüchsigen Tiere auf den Weg machen, da sie von den Elterntieren nicht mehr geduldet werden und kommen dabei durch meist schon besetzte Reviere. Diese werden von den Revierinhabern durch Beißen verteidigt. Dabei entstehen nicht selten sich infizierende Wunden, die zum Tod führen.

Vorurteile: Eine große Bedrohung für den Biber

Mehr als bei vielen anderen Tierarten geht es beim Biber darum, die Öffentlichkeit zu informieren: Über seine Lebensweise, seinen Stellenwert in der und seinen Nutzen für die Natur – und für uns. Immer wieder sorgen beispielsweise Medienberichte über eine vermeintliche Übervermehrung des Nagers für Stimmung gegen den Biber. Dabei ist eine Übervermehrung biologisch ausgeschlossen. Fakt ist: Nur fünf Prozent der Landesfläche des Freistaates kommen überhaupt als Lebensraum für den Biber infrage. Innerhalb dieser Reviere bleibt die Anzahl der Tiere fast konstant, weil Biber extrem territorial sind. Auf einem Gebiet von etwa zwei Kilometern Uferlänge werden deshalb nie mehr Biber als ein Elternpaar, die Jungen vom Vorjahr und der aktuelle Nachwuchs leben. Das Vorkommen der Nager auf einer bestimmten Fläche ist also von Natur aus streng begrenzt. 

Hochwasser durch den Biber?

Gerade nach großen Hochwasserereignissen wird immer wieder darüber berichtet, dass Biberhöhlen an Dammbrüchen Schuld seien. Fakt ist: Bisher kam es zu keinem einzigen solchen Fall. Rein theoretisch können Tierbaue die Standsicherheit von Deichen beeinträchtigen. Dies gilt für Baue und Röhren von Bibern, Bisam, Nutria, Dachs, Fuchs und Kaninchen. In der Praxis ist dieses Problem allerdings seit langem bekannt und die Wasserwirtschaftsämter haben sich darauf eingestellt. Sie sichern Deiche schon seit den 1990er-Jahren durch Gitter, Steinschüttungen und grabesichere Aufbauten entsprechend ab. Mehr noch: Der Biber unterstützt den Menschen beim Hochwasserschutz. So verzögert sich der Wasserabfluss überall dort, wo der fleißige Nager lebt und baut je nach Topografie bis um das 160-fache.

Der Biber: Feind der Landwirte und Bäume?

Was den Biber bedroht: Vorurteile wegen gefällter Bäume
Vom Biber gefällter Baum (Foto: Ralph Frank)

Der Biber verhält sich heute genauso, wie er es immer getan hat: Er gestaltet seinen Lebensraum. Seine Devise lautet schlicht und ergreifend: Mehr Natur! Gerade das „Unaufgeräumte“, das Abwechslungsreiche, Vielfältige und sich ständig Verändernde, das er in seinen Revieren wieder einführt, entspricht dem eigentlichen Wesen der Natur. Die Gesetzeslage ist klar: Laut EU-Recht begrüßen die europäischen Staaten die Rückkehr ehemals ausgerotteter Tierarten. Nun geht es darum, in den Köpfen und Herzen der Menschen auch Platz für sie – und etwas mehr Wildnis – zu schaffen. Anfangen könnten wir damit direkt in den Biberlebensräumen: Der Nager entfernt sich selten mehr als 20 Meter vom Wasser. Mit ungenutzten Uferrandstreifen, die auch für den Trink- und Hochwasserschutz sehr sinnvoll wären, würden die meisten Konflikte erst gar nicht auftreten.

Gegen Hetze hilft nur sachliche Information

Der BUND Naturschutz setzt der teilweise polemischen Hetze gegen den Biber sachliche Information entgegen. Lesen Sie auf den Seiten „Konflikte und Lösungen“ sowie „Vorurteile und Fakten“, wie ein problemloses Zusammenleben mit dem Biber gelingen kann. Auf der Seite „Bibermanagement“ erfahren Sie, wie die beiden vom BN und vom Bayerischen Naturschutzfonds finanzierten Bibermanager bei Konflikten vor Ort helfen. Denn: Der Biber darf kein zweites Mal aus Bayern verschwinden!